Gefährliche Schneemassen: Tödliche Unfälle und Notlagen – der Winter kommt mit Wucht

Rettungseinsatz nach einem Unfall auf der A3 bei Wörth an der Donau im Landkreis Regensburg. Ein Lkw war auf dem Schnee ins Rutschen geraten, krachte gegen die Leitplanke und landete quer zur Fahrbahn im Graben.
Moller-Schuh/dpaSchnee in Massen: Der Wintereinbruch hat nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor allem die Mitte Deutschlands betroffen. Aber auch im Südwesten schneit es am Dienstag vielerorts kräftig – dadurch häufen sich die wetterbedingten Unfälle auch in der Region. In anderen Bundesländern verschärft sich die Lage bis hin zum Appell, das Haus nicht zu verlassen. Auch in den kommenden Tagen soll es weiter schneien – die aktuellen Ereignisse im Überblick.
- Im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg kam ein 71 Jahre alter Mann am Montagabend bei einem Frontalzusammenstoß auf schneeglatter Straße ums Leben.
- Eine 54-jährige Autofahrerin starb bei Denzerheide in Rheinland-Pfalz bei einem Glatteisunfall.
- Am Montagabend kam es bei Schneeregen auch zwischen Unterstadion und Bettighofen im Alb-Donau-Kreis zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem mindestens drei Beteiligte verletzt wurden.
Lkw blockiert A8 bei Günzburg
In vielen Teilen Baden-Württembergs und Bayerns schneit es am Dienstagmorgen kräftig weiter, was auch den Verkehr auf einigen Straßen lahmlegt. Auf der Autobahn 8 von Ulm in Richtung München kommt es zu Stau, weil zwischen Günzburg und Zusmarshausen ein Lastwagen umgestürzt ist. Die rechte und die mittlere Spur sind gesperrt, die linke Spur noch befahrbar – der Verkehr wird an der Unfallstelle vorbeigeleitet. Durch den etwa 7 Kilometer langen Stau müssen Autofahrer aktuellen Verkehrsmeldungen zufolge mit Verzögerungen bis zu 35 Minuten rechnen (Stand 11.30 Uhr).
Lastwagen kracht in Leitplanke
Wegen eines Lkw-Unfalls war die Autobahn 3 bei Wörth im Kreis Regensburg in der Nacht zu Dienstag stundenlang gesperrt. Der Lastwagen kam den Angaben zufolge zum Rutschen, kam von der Straße ab und durchbrach die Leitplanke. Das Fahrzeug blieb dann quer auf der Fahrbahn stehen. Der Fahrer wurde leicht verletzt.
Autofahrer unter Baum eingeklemmt
Schwerste Verletzungen erlitt ein 29 Jahre alter Autofahrer in Bayern, der am Montagabend zwischen zwei Gemeindeteilen von Schwarzenbach an der Saale (Landkreis Hof) mit seinem Wagen gegen mehrere Bäume krachte. Nach Polizeiangaben hatte er auf schneebedeckter Fahrbahn die Kontrolle über sein Auto verloren. Durch den Aufprall sei ein Baum auf das Autodach gefallen, so dass der Fahrer eingeklemmt und von der Feuerwehr aus dem Wrack geschnitten worden sei.
Schneekettenpflicht für Lkw im Schwarzwald
In den höheren Lagen im Schwarzwald sind wegen schneebedeckter Fahrbahnen Sperrungen nötig – Lastwagen stehen quer, sagte ein Sprecher im Lagezentrum. Auf der Schwarzwaldhochstraße von Freudenstadt in Richtung Baden-Baden gilt teils Schneekettenpflicht für Lkw.
Schnee-Warnungen im Rheingau-Taunus-Kreis
Mit besonders großer Wucht trifft der Wintereinbruch Hessen, wo sich zahlreiche Unfälle ereigneten und die Menschen teils nicht mehr ihre Häuser verlassen sollen. Bäume stürzten aufgrund der Schneelast um. Im Rheingau-Taunus-Kreis spitzte sich die Lage besonders zu. Zahlreiche Autofahrer saßen hier nach Angaben der Feuerwehr in ihren Fahrzeugen fest. Etwa 100 Menschen mussten nahe Eltville wegen umstürzender Bäume aus ihren Autos gerettet werden. Sie wurden zunächst in einer Halle untergebracht. Am Abend kamen 20 bis 25 Menschen in Hotels unter.
Der Landrat im Rheingau-Taunus-Kreis, Sandro Zehner (CDU), rief laut einer Mitteilung zu großer Vorsicht auf: „Mein dringender Appell: Bleiben Sie am Dienstag unbedingt zu Hause. Bitte unternehmen Sie auch keine Spaziergänge im Wald: Es besteht akute Lebensgefahr durch Astbruch und umstürzende Bäume.“ An vielen Schulen in dem Gefahrengebiet fällt der Unterricht aus oder ist freiwillig. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ließen in Hessen die Niederschlagsmengen in der Nacht nach. „Aber richtige Probleme machen die Bäume, die unter der Last des Schnee drohen umzufallen“, sagte eine DWD-Meteorologin.
Kinder müssen in Schule übernachten
In Wiesbaden mussten 55 Personen, darunter 27 Kinder, in einer Schule übernachten. Die Feuerwehr richtete eine Unterkunft im Schulgebäude ein, da aufgrund der Witterungsverhältnisse keine Schulbusse mehr fuhren, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. In einer Gesamtschule in Bad Schwalbach saßen zeitweise 30 Schüler und Lehrer fest. Sie wurden versorgt und konnten aber am späten Montagabend von der Feuerwehr nach Hause gebracht werden.
Blockierte Bahnstrecken und Stromausfälle
Durch den Wintereinbruch mussten zahlreiche Straßen um die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden komplett gesperrt werden. Auch bei der Bahn gibt es Behinderungen auf einigen Strecken, wie das Polizeipräsidium Westhessen mitteilte. Zeitweise fiel an einigen Orten wegen umgestürzter Bäume der Strom aus, unter anderem in Hofheim.
Im Norden Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen gab es am Abend und in der Nacht keine Meldungen zu größeren Glätteunfällen. Auch in Thüringen sei die Lage trotz der Witterung noch relativ entspannt, sagte ein Sprecher des dortigen Lagezentrums. Er gehe aber davon aus, dass sich die Situation in den nächsten 24 Stunden durch weiteren Schneefall verschärfen werde.
Weiterhin Schnee, Frost und Glätte
Denn weiteres Chaos ist zu erwarten: Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) geht es am Dienstag in vielen Teilen Deutschlands mit Schnee und Schneeregen weiter. Ein Tief sorge vom Westen in den Osten bis in den Süden für Schneefall in weiten Teilen des Landes. (mit dpa)



