G8 oder G9 in Baden-Württemberg?
: Bürgerbeteiligung zur Zukunft des Gymnasiums beginnt

Acht Jahre oder neun Jahre? Um die Frage, wie lange das Gymnasium in Baden-Württemberg dauern soll, gibt es seit Jahren Streit. Nun soll ein Bürgerforum die Lage entschärfen.
Von
stw, lsw
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Die Landesregierung in Baden-Württemberg ist offen für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg.

Franziska Kraufmann, dpa

Am Montag (17. Juli 2023) beginnt in Stuttgart die Bürgerbeteiligung der Landesregierung zur Frage, wie lange das allgemein bildende Gymnasium in Baden-Württemberg künftig dauern soll. Bei einer Auftaktveranstaltung soll geklärt werden, welche Themen und Fragen das spätere Bürgerforum konkret diskutieren soll. Dazu sind nach Angaben des Staatsministeriums knapp 60 Verbände und Initiativen eingeladen, darunter Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleiter, aber auch Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Landtagsfraktionen.

G8 oder G9?: „Haben wir etwas vergessen?“

Die Arbeitsaufgabe für das Treffen lautet: „Haben wir etwas vergessen?“, heißt es in der Einladung zur Veranstaltung. Außerdem soll besprochen werden, wer beim späteren Bürgerforum Impulsvorträge vor zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern hält.

Derzeit ist das achtjährige Gymnasium in Baden-Württemberg der Regelfall. G9 gibt es nur noch als Modellversuch an 44 staatlichen und einigen privaten Schulen. Eine Elterninitiative hatte im November begonnen, Unterschriften für ein Volksbegehren zu sammeln, mit dem die Eltern die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium erreichen wollen.

Landesregierung offen für G9-Rückkehr

Wohl auch deshalb hatte sich die Landesregierung Mitte Juni erstmals offen für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg gezeigt. Man habe sich in der Koalition darauf verständigt, diese Frage in einem Bürgerforum diskutieren zu lassen - mit offenem Ergebnis, hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann damals gesagt. „Wir gehen als Landesregierung offen in den Beteiligungsprozess. Denn in der Demokratie haben wir am Ende nur Argumente - und daran werden wir uns als Regierung orientieren“, so Kretschmann.

40 bis 60 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger sollen nach den Sommerferien im Bürgerforum über die Zukunft der Gymnasien im Land diskutieren. Daran sollen nicht nur Bürgerinnen und Bürger mit Abitur teilnehmen, sondern auch solche mit anderen Schulabschlüssen. Sie sollen zunächst in einer Anhörung mit Experten, Verbänden und Betroffenen sprechen und dann eine Empfehlung abgeben. Die Empfehlung des Gremiums ist für die Landesregierung nicht bindend.