Flughafen München: Busfahrer gehen nach Hause: 500 Passagiere nachts auf Flugfeld

Ein Flugzeug der Lufthansa steht am Flughafen München (Symbolbild).
Sven Hoppe/dpa-tmn/dpa- Am Flughafen München mussten rund 500 Passagiere über Nacht im Flugzeug bleiben.
- Grund: Schneefälle, gestrichene Flüge, keine Busse und keine Parkplätze am Terminal.
- Betroffen: 3 Lufthansa-Flüge (Singapur, Kopenhagen, Danzig) und 2 Air Dolomiti (Graz, Venedig).
- Laut Berichten kaum Wasser, zu wenig Essen/Decken; Toilettenlage verschlechterte sich.
- Flughafen und Lufthansa bedauern; Flightright sieht Mitverantwortung der Airline.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Etwa 500 Passagiere haben mitten im Winter unfreiwillig eine Nacht in Flugzeugen am Münchner Flughafen verbracht. Ihre für Donnerstagabend geplanten Flüge waren nach starken Schneefällen in der Nacht zum Freitag gestrichen worden – nachdem schon alle Passagiere an Bord und die Flugzeuge startbereit waren, wie ein Sprecher der Lufthansa mitteilte.
Nach Angaben des Münchner Flughafens konnten die Reisenden wegen fehlender Busse und Parkmöglichkeiten am Terminal nicht mehr dorthin zurückkehren – und mussten zwangsläufig in den Flugzeugen ausharren. Zuvor hatte RTL.de darüber berichtet. Eine dänische Familie sagte, dass es mitten in der Nacht hieß, der Flughafen sei geschlossen und die Busfahrer nach Hause gegangen. Laut „Bild“ gab es zum Teil nur einige Wasserflaschen in den Flugzeugen, nicht ausreichend Essen und Decken. Auch Kinder waren an Bord. Die Toiletten hätten nach einiger Zeit nicht mehr gut ausgesehen.
Die Schneefälle hatten nach Angaben des Flughafens am Donnerstag über den gesamten Tag für Verspätungen und Ausfälle gesorgt. 100 Flüge seien gestrichen worden. Am Abend hätten einige Flüge Sondergenehmigungen erhalten, um auch noch nach Mitternacht bis 1.00 Uhr starten zu können. In München gilt zwischen 0.00 und 5.00 Uhr normalerweise ein Nachtflugverbot. Wegen des Schnees hätten bereits abgefertigte und startbereite Flüge aber dann doch keine Starterlaubnis bekommen, berichtete ein Lufthansa-Sprecher.
Die Passagiere hätten aber nicht mehr zum Terminal zurückkehren können: „Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle Parkmöglichkeiten für Flugzeuge direkt am Terminal belegt und die Buskapazitäten auf den Vorfeldern eingeschränkt“, teilte der Flughafen mit.
Fluggäste harren bis zum Morgen in Flugzeugen aus
Fluggäste und Besatzungen konnten die Flugzeuge nicht mehr verlassen und mussten die Nacht im Flugzeug auf dem Vorfeld verbringen. Betroffen waren nach Angaben der Lufthansa neben drei Lufthansa-Flügen nach Singapur, Kopenhagen und Danzig auch zwei Air-Dolomiti-Flüge nach Graz und Venedig. Erst am frühen Morgen fuhren nach Angaben des Lufthansa-Sprechers wieder Busse, die die Passagiere abholten.
Warum keine Busse vorhanden waren, die die Passagiere zum Terminal bringen konnten, konnte der Sprecher der Lufthansa nicht sagen. Für die Organisation der Busse sei der Flughafen zuständig. „Wir bedauern die damit entstandenen Unannehmlichkeiten sehr“, teilte ein Sprecher des Flughafens München lediglich mit.
Feyza Türkön vom Fluggastrechteportal Flightright sieht eine Mitverantwortung der Airline: „Winterliche Temperaturen und Schneefälle kommen nicht überraschend, sie sind in dieser Jahreszeit absehbar und müssen in der Einsatz- und Ressourcenplanung berücksichtigt werden.“ Gerade an einem zentralen Lufthansa-Drehkreuz wie München, wo die Airline maßgeblich in die Abläufe am Boden eingebunden sei, müsse gewährleistet sein, „dass Bodenabfertigung und Logistik auch bei Kälte zuverlässig funktionieren und Passagiere nicht über Nacht im Flugzeug festsitzen“.
Wie lange Warten im Flieger ist okay?
Das Beispiel in München ist extrem. Dass man nach dem Boarding lange Zeit noch im Flieger sitzt, ohne dass die Maschine abhebt, ist aber keine Seltenheit. Ab wann eine stundenlange Warterei zu viel ist, lässt sich allerdings nicht pauschal sagen. Laut Reiserechtler Paul Degott gibt es keine generelle Rechtsprechung dazu, wie viel Wartezeit im Flieger eigentlich hinnehmbar ist oder nicht. „Dies kommt immer auf den jeweiligen Einzelfall und auch auf die Frage an, warum diese Wartezeit erforderlich gewesen ist“, so der Fachmann.
Immerhin: Wenn der Flug dann noch stattfindet, summiert sich die Wartezeit im Flieger in die Ankunftsverspätungszeit. Und beträgt die Verspätung am Zielflughafen mehr als drei Stunden, können Passagieren Entschädigungszahlungen im Rahmen der EU-Fluggastrechteverordnung zustehen. Sofern keine außergewöhnlichen Umstände vorliegen, wie wahrscheinlich im Fall in München.
