Sommerferien: Günstiger in den Urlaub und dafür Schule schwänzen? Bußgeld droht

Schule schwänzen, um früher in den Urlaub zu fliegen, ist verboten.
Boris Roessler und Arno Burgi/dpaEndlich Ferien! In Baden-Württemberg ist es schon am Donnerstag, 27.7., so weit, Bayern folgt am Montag, 31.7. Viele Lehrer und Schüler dürften nach einem anstrengenden Schuljahr erstmal kurz durchatmen – oder gleich in den Urlaub fahren.
Doch Reiseveranstalter und Fluglinien wissen das und erhöhen pünktlich zu Ferienbeginn die Preise. Einige Familien verreisen deswegen verbotenerweise einige Tage früher in den Urlaub und melden dafür ihre Kinder krank. Diesen einfachen Trick kennt natürlich auch die Polizei. Große Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen wird es zwar nicht geben, trotzdem kann derartiges Schule schwänzen unangenehme Folgen haben.
„Stichprobenartige Kontrollen“ an Flughäfen
Das Kultusministerium Baden-Württemberg weist auf Anfrage darauf hin, dass es gerade zu Ferienbeginn „stichprobenartige Kontrollen in puncto eigenmächtige Ferienverlägerung etwa an Flughäfen“ gibt. Schülerinnen und Schüler dürften nur in besonders begründeten Ausnahmefällen dem Unterricht fernbleiben. „Eine geplante Urlaubsreise früher anzutreten, zählt nicht dazu“, sagt Sprecherin Simone Höhn.
Denis Sobek, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart, bestätigt die stichprobenartigen Kontrollen am Stuttgarter Flughafen. „Wer in ein Land außerhalb der EU reist, muss sowieso durch die Passkontrolle.“ Dort könnten die Beamten schnell feststellen, welche Kinder verbotenerweise der Schule fernbleiben.
Am Stuttgarter Flughafen wurden in diesem Jahr einzelne Schülerinnen und Schüler außerhalb der Ferien erwischt. Das teilt Bianca Castan mit, sie ist Sprecherin der dortigen Bundespolizeiinspektion. Doch „eine gezielte Fahndung nach dieser Personengruppe nimmt die Bundespolizei nicht vor“. Nach der Kontrolle informiert die Bundespolizei das zuständige Regierungspräsidium, welches im Anschluss Bußgelder verhängen kann. Doch auf ihren Urlaub verzichten müssen die Schulschwänzer nicht.
Keine Kontrollen an Bahnhöfen geplant
An Bahnhöfen seien solche Kontrollen nicht geplant. Laut Sobek müsste die Polizei dort anlasslos kontrollieren, weil nicht klar sei, aus welchem Bundesland die Reisenden kämen und ob die Familien somit regulär in den Schulferien unterwegs sind. „Außerdem haben wir nicht die personelle Kapazität für regelmäßige Kontrollen an Bahnhöfen.“ Zumal sie den Bahnverkehr erheblich beeinträchtigen würden.
Auch vom Flughafen Memmingen aus fliegen viele schwäbische Familien in den Urlaub. Dort ist nicht die Bundespolizei zuständig, sondern das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West mit Sitz in Kempten. Dessen Sprecher Holger Stabik berichtet, dass viele Flüge ins nicht-europäische Ausland gehen. Spezielle Kontrollen gegen Schulschwänzer gebe es nicht, doch „bei der Passkontrolle können die Kollegen das gleich mit erledigen.“
Schulschwänzer dürfen trotzdem in den Urlaub – Bußgeld folgt
Auf den ersten Blick überrascht es, dass Familien mit Schule schwänzenden Kindern in der Regel trotzdem reisen dürfen. „Den Eltern dürfen wir die Weiterreise schlicht nicht untersagen.“ Die Eltern würden jedoch angezeigt, das Schulamt verhänge dann Bußgelder. Für die Schülerinnen und Schüler kann die zu frühe Urlaubsreise „pädagogische Maßnahmen“ nach sich ziehen. „Die Schulleitung kann Schüler offiziell auf ihr Fehlverhalten hinweisen oder Verweise aussprechen. Es ist auch möglich, dass sie von einzelnen Schulveranstaltungen ausgeschlossen werden“, sagt Andreas Tabbert, Sprecher des Bayerischen Kultusministeriums. Davon können auch Jugendliche betroffen sein, die die neunte Klasse bereits abgeschlossen haben. Laut Tabbert endet dann zwar die sogenannte Vollzeitschulpflicht, doch alle Jugendlichen müssten zwölf Jahre zur Schule gehen – egal ob sie ab der zehnten Klasse ein Gymnasium, eine Berufsschule oder freiwillig eine Mittelschule besuchen.
135 Schulschwänzer am Flughafen Memmingen erwischt
In diesem Jahr hat die Polizei am Flughafen Memmingen schon 135 Schulschwänzer erwischt, vergangenes Jahr waren es 195. Absolut gesehen ist das Vorjahresniveau also schon fast erreicht. „Doch im Vergleich zu 2022 sind die Flugzahlen deutlich gestiegen“, sagt Stabik. Deswegen gebe es 2023 bisher relativ gesehen etwa gleich viele Fälle.
Rechnet man die Fälle auf einzelne Schulen herunter, stellt man fest, dass es insgesamt nur sehr wenige Schulschwänzer gibt, die früher in den Urlaub fahren. Andreas Tabbert vom Kultusministerium hat früher mehr als zehn Jahre als Lehrer gearbeitet und sagt, dass „ich so einen Fall nie erlebt habe“.


