Extrem seltene Geburt
: Wunder von Böblingen – Eineiige Drillingsmädchen sind jetzt zu Hause

Genetisch identische Drillinge gelten wie ein Sechser im Lotto. Komplikationen sind allerdings möglich, für eine Familie in Baden-Württemberg ging nun alles freudig aus.
Von
Tanja Wolter
Böblingen
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Eineiige Drillinge nach ihrer Geburt

Die eineiigen Drillingsmädchen nach ihrer Geburt auf der Kinderintensivstation.

Klinikverbund Südwest
  • Seltene Geburt in Böblingen: Eineiige Drillingsmädchen wurden Ende August geboren.
  • Nach zwei Monaten Klinikaufenthalt konnten die Frühchen am 12. November nach Hause.
  • Schwangerschaft verlief stabil, trotz fetofetalem Transfusionssyndrom und Frühgeburt.
  • Ein Baby erlitt eine Hirnblutung, erholte sich jedoch gut – Familie überglücklich.
  • Ähnliche Drillinge im Sommer im Rems-Murr-Klinikum: Zwei seltene Fälle in Baden-Württemberg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es gilt als ein kleines medizinisches Wunder: Ende August haben eineiige Drillinge in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Kliniken Böblingen das Licht der Welt erblickt. Nach mehr als zwei Monaten in der Klinik konnten die drei frühgeborenen Drillingsmädchen nun entlassen und ins elterliche Zuhause gebracht werden, wie der Klinikverbund Südwest am Montag (17. November) mitteilte.

„Solche Schwangerschaften sind extrem selten und entsprechend anspruchsvoll ist die medizinische Begleitung. Ich bin sehr stolz auf unser interdisziplinäres Team, das den Drillingen den Start ins Leben ermöglicht hat“, erklärt Prof. Dr. Stefan Renner, Chefarzt der Frauenklinik in Böblingen, in der Pressemitteilung.

Wenn sich eine befruchtete Eizelle zweimal teilt

Den Angaben zufolge sind weltweit nur wenige Fälle von eineiigen Drillingen dokumentiert. „Sie entstehen, wenn sich eine befruchtete Eizelle zunächst einmal und dann noch ein weiteres Mal teilt“, heißt es vom Klinikverbund. So würden sich drei genetisch identische Kinder entwickeln, die sich in diesem Fall sogar eine gemeinsame Plazenta teilen. Diese Konstellation sei nicht nur extrem selten, sondern auch mit besonderen Risiken verbunden – unter anderem für Frühgeburten oder Wachstumsunterschiede.

Im vorliegenden Fall verlief die Schwangerschaft laut Klinikverbund trotz aller Risiken stabil. Doch bei einer Routinekontrolle hätten die Ärzte Anzeichen eines sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (TTTS) entdeckt – einer Komplikation, die auftreten kann, wenn sich mehrere Kinder eine Plazenta teilen. Dabei erhalte eines der Kinder zu viel, ein anderes zu wenig Blut – „ein lebensgefährlicher Zustand, der sofortiges Handeln erfordere“.

Schnelle Entscheidung für Frühgeburt wegen Syndrom

Oberarzt Tobias Schlegel, der die junge Mutter während der Schwangerschaft begleitet hat, erklärt „Bei solchen komplizierten Schwangerschaften entscheidet die enge Überwachung über Leben und Gesundheit der Kinder“. Deshalb seien die Kinder noch am Tag der Feststellung des Syndroms per Kaiserschnitt entbunden worden, obwohl es noch sehr früh gewesen sei. Mutter und Kinder hätten die kritische Situation gut überstanden, heißt es weiter.  In Böblingen besteht ein Perinatalzentrum Level 1, was die höchste Versorgungsstufe für Frühgeborene ist.

Komplikationen blieben dennoch nicht aus: Den Angaben zufolge erlitt eines der Kinder nach der Entbindung eine Hirnblutung und musste besonders intensiv medizinisch betreut werden. „Wir wissen, dass solche Komplikationen bei Frühgeburten leider vorkommen können – gerade auch bei einem fetofetalen Transfusionssyndrom“, sagt Dr. Gerald Nachtrodt, Chefarzt der Kinderklinik. „Glücklicherweise geht es dem betroffenen Mädchen mittlerweile sehr gut“, fügt er hinzu.

Die junge Mutter berichtet in der Mitteilung: „Es war manchmal beängstigend zu wissen, wie riskant diese Schwangerschaft ist.“  Als die Ärzte plötzlich sagten, dass man sofort entbinden müsse, sei sie voller Sorge gewesen. Inzwischen seien sie mit den Pflegekräften und Ärzten „fast wie eine kleine Familie zusammengewachsen. Dass meine drei Kinder nun gesund sind, ist für uns das größte Glück.“

Gleich zwei Fälle in Baden-Württemberg

Für die Drillinge, die direkt nach der Geburt auf die Kinderintensivstation kamen und dort rund um die Uhr überwacht wurden, wurde in der vergangenen Woche der nächste Abschnitt in ihrem noch jungen Leben vollbracht: Am Mittwoch, 12. November, durften die Geschwister gemeinsam mit ihrer Mutter nach Hause.

Laut dem Klinikverbund kaum zu fassen: Erst im Sommer wurden im Rems-Murr-Klinikum in Winnenden ebenfalls eineiige Drillinge geboren – wie im Fall der Böblinger Drillinge entstanden auch diese spontan. „Dass zwei solche medizinischen Ausnahmesituationen fast zeitgleich im ‚Ländle‘ geschehen, ist statistisch kaum fassbar“, bemerkt das Klinikunternehmen dazu.