Eltern schlagen Alarm
: „Bildung muss kostenfrei sein“: Eltern fordern Gratis-Kita

In Baden-Baden kostet ein Kita-Platz fast fünfmal so viel wie in Stuttgart. Das ist nur eine von vielen Ungerechtigkeiten im System der frühkindlichen Bildung, kritisiert der Landeselternbeirat und fordert generelle Gebührenfreiheit.
Von
Axel Habermehl
Stuttgart
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Kindertagespflege: ARCHIV - 28.02.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Dreilützow: Kleinkinder toben in einer Kindertagespflegeeinrichtung. (zu dpa: «Mehr Kinder in MV besuchen ganztags die Kita») Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Hohe finanzielle Belastung: Familien zahlen hunderte Euro pro Monat für die Kinderbetreuung. Wie viel genau, hängt massiv vom Wohnort ab.

Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
  • Elternbeirat fordert beitragsfreie Kitas in Baden-Württemberg – Bildung müsse kostenfrei sein.
  • Gebühren stark unterschiedlich: 219 € in Stuttgart, 966 € in Baden-Baden.
  • Sorge: Gratis nur im letzten Kita-Jahr, dafür höhere Beiträge in den übrigen Jahren.
  • Forderung nach landesweiten Standards: Gebühren, Pädagogik, Schließtage vereinheitlichen.
  • Appell an Landtag und nächste Regierung: Frühkindliche Bildung zur Priorität erklären.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Landeselternbeirat für Kindertagesbetreuung fordert eine generelle Beitragsfreiheit für Kitas in Baden-Württemberg. „Was im Schulbereich seit über 100 Jahren selbstverständlich ist, muss auch hier gelten: Bildung ist kostenfrei, und frühkindliche Bildung ist Bildung. Politisch wird das regelmäßig betont, spiegelt sich jedoch bisher nicht in der Finanzierungsrealität wider“, sagte die Beiratsvorsitzende Heike Kempe am Montag in Stuttgart.

„Baden-Württemberg ist eines der wenigen Bundesländer, die über alle Kitajahre hinweg Elternbeiträge erheben“, kritisierte sie. In Baden-Württemberg habe sich die Forderung nach einer generellen Beitragsfreiheit bisher leider nicht durchsetzen können. „Wir als Landeselternbeirat Kindertagesbetreuung befürworten sie ausdrücklich“, sagte Kempe.

Dass mehrere Parteien im aktuellen Landtagswahlkampf angekündigt haben, ein verpflichtendes und damit auch kostenfreies letztes Kindergartenjahr einzuführen, sei zwar als „ein erster Schritt“ zu begrüßen, betonte die Elternvertreterin. Jedoch dürften dabei die übrigen Kitajahre nicht aus dem Blick geraten. Viele Familien fürchteten, dass zwar das letzte Jahr gratis gestellt werden, zugleich aber in den übrigen Jahren Beiträge erhöht würden. Es müsse aber „eine echte Entlastung“ geben.

„Ein System, das Defizite über Elternbeiträge kompensiert, verschärft Ungleichheit und beschädigt Erwerbsanreize“, kritisierte ihr Vorstandskollege Andrej Baraban. Zumindest müssten Gebühren, pädagogische Vorgaben oder auch Schließtage landesweit vereinheitlicht werden.

Kitas sind Aufgabe der Kommunen, es gibt viele unterschiedliche Einrichtungsträger. Laut Elternbeirat schwanken die monatlichen Gebühren zwischen 219 Euro (Stuttgart) und 966 Euro (Baden-Baden). Auch örtlich gebe es erhebliche Unterschiede. Einige Kitas hätten 23 Schließtage im Jahr, andere 46.

Flächendeckend verbindliche Vorgaben fehlten ebenso wie ein landesweiter Überblick über wichtige Steuerungsdaten, zudem sei der gesamte Bereich durch konkurrierende Zuständigkeit von Bund, Land und Kommunen geprägt. Da Bildung Ländersache ist, spreche viel dafür, dass das Land sich verstärkt engagiere und mehr Verantwortung trage.

An den Landtag, der am 8. März neu gewählt wird, und die nächste Landesregierung appellierten die Eltern, das Thema frühkindliche Bildung zur Priorität zu erklären. „Es brennt lichterloh. Die finanzielle Belastung von Familien, Unsicherheit in den Kommunen, die Qualitätsfrage in den Einrichtungen: All das duldet keinen Aufschub mehr.“

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