Einsatz am Bodensee
: Wie Drohnen Kormorane an der Fortpflanzung hindern

Mit dem Gerät sollen die Eier der Kormorane in den Nestern mit Öl eingesprüht werden. Was hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt.
Von
Petra Walheim
Stuttgart
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Winterwetter: ARCHIV - 09.01.2026, Brandenburg, Potsdam: Kormorane streiten sich um einen Fisch. (zu dpa: «Wie winterhart Wildtiere sind und wo Gefahren lauern») Foto: Georg Moritz/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kormorane, die Fische wegfressen: Solche Szenen bringen Fischer am Bodensee auf die Palme:

Georg Moritz/dpa
  • Bodensee-Projekt: Drohnen ölen Kormoran-Eier, um gefährdete Fische zu schützen.
  • Fokus laut MLR: Fischartenschutz; Kormoran-Management nur ein Baustein.
  • Test mit modifizierter Agrar-Drohne: Eier in Baumnestern werden präzise besprüht.
  • Nabu begleitet kritisch: Schutz anderer Arten prüfen, Wirksamkeit belegen.
  • Bestand: 2023 1600, 2024 rund 1450, 2025 1150 Brutpaare; Interreg 2026–2028.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ab Ende März/Anfang April brüten die Kormorane am Bodensee wieder. Doch manchen ist das ein Dorn im Auge, weil sie um die Fischbestände im See fürchten. Wie erfolgreich die Kormorane beim Brüten sein werden, hängt in diesem Jahr deshalb auch davon ab, wie sich der Einsatz einer umgebauten Drohne auswirkt. Die ist Teil des länderübergreifenden Projekts „Drohnen-Einsatz für den Fischartenschutz und Kormoran-Management am Bodensee“. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) ist dabei federführend.

Hintergrund des Interreg-Projekts ist unter anderem der seit Jahren schwelende Streit um die Kormorane am Bodensee. Die Fischer machen den großen, schwarzen Vogel für ihre schwindenden Fangerträge aus dem See verantwortlich und fordern den Abschuss des geschützten Vogels. Naturschützer sind dagegen. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass nicht allein der Kormoran für den Rückgang der Bestände einiger Fischarten verantwortlich ist. Es handelt sich nach Auskunft des MLR um Äsche, Nase, Strömer, Bitterling, Groppe und Bachneunauge.

Gründe für den Rückgang der Fischbestände sind vielfältig

Die Gründe für die Gefährdung dieser Fischarten seien vielfältig, so das Ministerium. „Sie leiden unter Auswirkungen des Klimawandels und der Veränderung vieler Gewässer durch menschliche Aktivitäten. Daneben wirken sich invasive und gebietsfremde Arten negativ auf die schwindenden Bestände aus. On top kommen die negativen Auswirkungen der steigenden Zahlen an Fischfressern wie dem Kormoran“, so das MLR.

Das Projekt, das über einen längeren Zeitraum mit Partnern aus den Anrainerstaaten Österreich und Schweiz sowie des Bundeslandes Bayern vorbereitet wurde, soll als Schwerpunkt den Fischartenschutz haben. Darauf legt das MLR großen Wert.

Es betont auf Anfrage, „dass es beim Interreg-Projekt ‚Fischartenschutz und Kormoran-Management am Bodensee‘ in erster Linie um die Verbesserung des Fischartenschutzes in der Bodenseeregion geht“.  Der Fokus liege nicht auf dem Kormoran-Management. Das sei nur „ein Bestandteil des Gesamtprojekts, aber nicht der Hauptfokus“.

Kormoran-Management ist nur ein Baustein des Projekts

Das betont auch das Umweltministerium. Die Reduzierung des Projekts auf den Einfluss des Kormorans auf die Fischbestände werde diesem nicht gerecht. „Im Projekt werden zahlreiche Belange, wie zum Beispiel des Naturschutzes, des Fischartenschutzes, der Fischerei, des Wasserbaus, der Schifffahrt und der Freizeitnutzung bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen berücksichtigt.“

Allerdings kommt bei dem Projekt eine Drohne zum Einsatz, die gegen die ungehemmte  Fortpflanzung der Kormorane gerichtet ist. Nach Auskunft des MLR handelt es sich um eine „modifizierte Agrar-Drohne“ mit einem Auslegearm. Mit dem Gerät sollen die Eier der Kormorane in den Baumnestern präzise mit Öl eingesprüht werden. „Durch die Benetzung der Eier mit Öl entwickeln sich diese nicht weiter, sodass der Bruterfolg sinkt“, heißt es aus dem Ministerium. Die technische Machbarkeit sei bereits bestätigt, ein Prototyp sei gebaut und ein erster Testflug unternommen worden. „Ob der Einsatz auch in der Praxis gelingt und zu einer Reduktion des Sommerbestandes der Kormorane am Bodensee führt, sollen Versuche im Rahmen des geplanten Interreg-Projekts zeigen“, informiert das MLR.

Die Reduktion des Bruterfolges der Kormorane werde für den Schutz der gefährdeten Fischarten als „erfolgversprechendste Methode angesehen“. In Dänemark sei durch das jährliche Einölen eines Teils der Kormoran-Eier in Bodennestern der Bruterfolg verringert worden. Die Zahl der Kormorane habe so regional gesenkt werden können und werde auf einem gewünschten Niveau gehalten, so das Ministerium. Weil die Kormorane am Bodensee aber auf Bäumen brüten, kommt die Drohne zum Einsatz.

„Vergleichsweise störungsarme Methode“

Die Bäume seien weder von Land noch von der Wasserseite aus zu Fuß zugänglich. Um sie zu erreichen, müsse mit der Drohne gearbeitet werden. Ein Vorteil sei auch, dass dadurch die Kormoran-Kolonien, die am Bodenseeufer alle in Schutzgebieten liegen, nicht betreten werden müssen. Der Anflug könne eventuell auch vom Boot aus von der Wasserseite erfolgen „und wird nur an wenigen Tagen im zeitigen Frühjahr durchgeführt“. Die Projektpartner sehen das als „eine vergleichsweise störungsarme Methode“ an.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat den geplanten Einsatz von Drohnen gegen die gefräßigen Kormorane am Bodensee verteidigt. „Der Kormoran hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ausgebreitet“, sagte der Grünen-Politiker dem „Südkurier“. „Das Projekt, bei dem mit Drohnen die Eier eingeölt werden und so der Fortpflanzungserfolg minimiert wird, könnte eine vernünftige Maßnahme sein.“

Nabu begleitet das Projekt kritisch

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begleitet das Projekt nach eigenen Angaben kritisch. Unter anderem werde darauf geachtet, dass bei Drohnen-Einsätzen andere schutzbedürftige Arten nicht geschädigt werden. Weiter erwartet der Nabu einen Nachweis dafür, „dass die Maßnahmen gegen den Kormoran tatsächlich zu einer Erholung der Fischbestände führen“. Die im vergangenen Jahr deutlich rückläufigen Kormoranzahlen seien ein Indiz dafür, dass der Selbstregulations-Mechanismus auch für den Kormoran am Bodensee funktioniert und die zurückgehenden Fischbestände auch zu einem Rückgang der Kormoranzahlen führen.

In Zahlen heißt das: 2023 hatte der Kormoranbestand am Bodensee mit 1600 Brutpaaren seinen Höchststand erreicht. 2024 sank der Brutbestand auf rund 1450 Brutpaare, und 2025 wurden 1150 Brutpaare gezählt, informiert der Nabu.

Ein erfreulicher Nebeneffekt des Projekts ist, dass sich durch die intensiven Gespräche im Vorfeld des Projekts die oft hitzigen Diskussionen zwischen Fischern und Naturschützern aus Sicht des Umweltministeriums beruhigt und versachlicht haben. Das sieht im Übrigen auch der Nabu so.

Alle Anrainerstaaten sind beteiligt

Das Projekt „Fischartenschutz und Kormoran-Management am Bodensee“ läuft unter der Federführung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) in Abstimmung mit dem Umweltministerium. Außerdem sind daran beteiligt: das Land Vorarlberg, die Kantone St. Gallen und Thurgau, das Fürstentum Liechtenstein, das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus sowie die Fischereiforschungsstelle am Landwirtschaftlichen Zentrum BW, ein Fischereiverband und das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie Radolfzell. Das Interreg-Projekt läuft von 2026 bis 2028.

Die im Interreg-Projekt gewonnenen Erkenntnisse und Handlungsvorschläge zur Verbesserung des Schutzes gefährdeter Fischarten sollen in Form von Faktenblättern, Leitfäden und kartografischen Darstellungen aufbereitet und den zuständigen Landes- und Kantonsbehörden sowie weiteren Betroffenen zur Verfügung gestellt werden.