Einrichtungsexpertin erklärt: So wirkt die Wohnung auch bei kleinem Budget luxuriös

Natascha Tiberio ist Interior Designerin und Geschäftsführerin von „Wohnlöwin“ in Stuttgart. Sie berät bei Einrichtungen und gestaltet ganze Häuser.
Die WohnlöwinEs ist ein aufregendes Gefühl, der Neuanfang in einem neuen Zuhause. Wie eine leere Leinwand kann einem die Wohnung oder das Haus dann vorkommen. Aber was den Künstler inspiriert, ist für weniger kreative Menschen eher hemmend. Wer es sich leisten kann, wendet sich an den Profi. Aber wenn das Geld nicht ausreicht, um einen Innenarchitekten zu beauftragen, gibt es einige Tipps, mit denen auch Laien ihr Zuhause schön gestalten können – selbst mit kleinem Budget.
Wie das zu schaffen ist, weiß Natascha Tiberio, Interior Designerin und Geschäftsführerin von „Die Wohnlöwin“, einem Büro für Einrichtungsberatung und Innenarchitektur in Stuttgart. Denn das, worauf es bei gut eingerichteten Räumen ankommt, kann man mit jedem Budget schaffen: eine gute Atmosphäre.
Am Anfang steht der Raum
Die Planung sollte laut der Expertin mit einer Zeichnung beginnen, bei der man sich sowohl die Proportionen des Raumes als auch die bereits vorhandenen Lichtquellen bewusst macht. Das ist die Basis. Als Nächstes geht es um die großen Möbelstücke in den jeweiligen Zimmern: Bett, Schrank, Sofa, Esstisch. „Dann würde ich drumherum bauen“, sagt Tiberio.
Dabei ist wichtig, auf die Größe und die Proportionen des Raumes zu achten. Denn hier passieren ganz häufig Fehler, sagt die Expertin. Ein L-Sofa in der Ecke? „Das wirkt total unwohnlich.“ Also gerne auch mal Dinge von den Wänden weg stellen. Kleine Räume dürfen nicht überladen und große nicht zu kahl wirken. Ein weiterer Fehler, den Tiberio oft sieht. Stattdessen sollte man darauf achten, dass eine Landschaft entsteht: „Ich finde ganz wichtig, dass ich den Raum öffne und so freundlich halte.“
Die richtige Beleuchtung
Die Atmosphäre der Räume wird auch durch das Licht beeinflusst. In der Mitte des Raumes sollte eine zentrale Lichtquelle vorhanden sein: „Das ist das Licht, das ich zum Putzen brauche oder zum Laufen, wenn es abends dunkel ist.“ Mindestens genauso wichtig ist die sogenannte Ambientebeleuchtung: „Entweder habe ich indirektes Licht schon in die Wände eingebaut oder arbeite über Stehlampen, Bogenlampen, Tischlampen – da gibt's mittlerweile ganz viel, was man tun kann.“ Für die Gemütlichkeit eines Raumes spielt ebenfalls die Lichtfarbe eine Rolle, „das macht auch vieles in der Atmosphäre aus.“
Beim Lampenkauf sollte auf eine einheitliche Formsprache geachtet werden, rät die Expertin. Runde Formen über dem Esstisch, aber eckige Stehlampen seien eher ein stilistisches No-Go. „Ich persönlich betrachte die Wohnung als ganzes Element“, sagt Tiberio. Nach diesem Konzept zieht sich dann eine Formsprache durch alle Zimmer. Das sei aber Geschmackssache, „man kann natürlich jeden Raum einzeln betrachten“.
„Das günstigste Gestaltungsmittel überhaupt“
Beim Thema Wandfarbe gibt es keine eindeutigen Regeln, sagt Tiberio. Wichtig ist vor allem, dass man die Farbe lange sehen kann. Auch wenn weiße Wände nichts Schlechtes sein müssen, sollte man sich über Farben Gedanken machen. „Farbe ist übrigens das günstigste Gestaltungsmittel, was man beim Interieur hat.“
Welche Farbe es dann wird, ist natürlich Geschmackssache. Allerdings rät die Expertin, die Farbpsychologie nicht außer Acht zu lassen, Rot und Rosa führe beispielsweise eher zu Unruhe und Reizüberflutung. Tiberio setzt deswegen auf Pastell- und Erdtöne und zeitlose Farben, auch weil sie eher beruhigend wirken.
Hochwertiger Look durch verschiedene Materialien
Damit eine Wohlfühlatmosphäre entsteht, sei ein Materialmix wichtig. „Wenn ich immer das gleiche Material mit dem Gleichen verbinde, sieht es einfach nicht gut aus“, sagt Tiberio. Zudem wirke das oft auch billig. Bei Holz solle man darauf achten, dass noch genug Struktur zu sehen ist, das lässt Möbelstücke hochwertig aussehen, selbst wenn sie tatsächlich günstig sind.
Generell solle man darauf achten, auch Materialien mit Struktur in die Raumgestaltung einzubeziehen. Aktuell sei da Cord besonders im Trend. Zu viel Struktur darf aber auch nicht sein. Auf die Mischung kommt es an, sagt die Expertin.
Der Materialmix ist außerdem eine gute Möglichkeit, auch mit kleinem Budget viel zu bewirken: Ein günstiges Sofa lässt sich durch Kissen aus hochwertigen Stoffen aufhübschen. Und auch bei den Möbeln kommt es auf die Mischung an: Designklassiker oder hochwertige Dekoartikel werten Räume auf. Bei kleinem Budget lohnt sich hier also das Investment.
Inspiration aus dem Internet – und dem Möbelhaus
Wer noch unschlüssig ist, welchen Stil die Einrichtung haben soll, kann das Internet zurate ziehen. „Meine Kunden haben ganz oft Pinterest-Listen. Ich finde, das hilft auf jeden Fall herauszufinden, was mir gefällt und was nicht“, sagt Tiberio. Auf der Plattform kann man nach Bildern suchen und sie in eigenen Listen speichern. Dabei kann man entdecken, welche Stilelemente sich wiederholen und was man für die eigene Wohnung übernehmen möchte.
Eine weitere Möglichkeit, sich inspirieren zu lassen, ist der Besuch im Möbelhaus. Mittlerweile kann man dort auch gesamte Zimmer kaufen – die dann genauso aussehen wie in der Ausstellung. „Shop the Look“, nennt Tiberio das. Damit mache man auf keinen Fall Fehler.
Kleine Anpassungen mit großer Wirkung
Auch für Menschen, die nicht ihre gesamte Wohnung neu einrichten wollen, hat Natascha Tiberio Tipps: Vorhänge erzeugen ein besseres Raumgefühl und geben den Räumen eine schönere Akustik, sagt die Expertin. Mit neuen Knöpfen lassen sich alte Möbelstücke mit geringem Aufwand aufwerten. Wer etwas mehr Zeit investiert, kann sich auch für einen neuen Anstrich von alten Möbeln entscheiden, „dann hat das einen ganz neuen Look“.
