Doppelmord von Altenstadt
: Ein Dorf unter Schock – „Es macht einem Angst“

Angehörige finden im April 2023 ein totes Ehepaar in dessen Haus. Bald ist klar: Es handelt sich um einen Doppelmord. Der Kriminalpodcast „Akte Südwest“ arbeitet den Fall nun auf.
Von
Moritz Clauß
Altenstadt
ASW Nach dem Fund der Leichen: Polizisten der Bereitschaftspolizei durchstreifen eine Wiese auf der Suche nach Spuren.

Nach dem Fund der Leichen: Polizisten der Bereitschaftspolizei durchstreifen eine Wiese auf der Suche nach Spuren.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa; Bearbeitung: Anastasia Scherer
  • Doppelmord in Altenstadt: Getötetes Ehepaar im April 2023 in ihrem Haus gefunden.
  • Ermittler verdächtigen Sohn (37) und Schwiegertochter (32) – Familienstreit um ein Haus als Motiv.
  • Täter gestanden die Tat, behaupteten jedoch, sie sei nicht geplant gewesen – Gericht glaubte ihnen nicht.
  • Urteil: Lebenslange Haft für das Paar, Beihilfestrafe von 3 Jahren, 10 Monaten für einen Mithelfer.
  • Tragisch: Täter hinterlassen ein zweijähriges Kind, das ohne seine Eltern aufwachsen wird.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Es macht einem Angst“. Das sagt im April 2023 eine Anwohnerin in Altenstadt (Landkreis Neu-Ulm). Zwei Tage davor ist in einem Wohnhaus ein getötetes Ehepaar gefunden worden. Der Körper der Frau ist gezeichnet von Messerstichen, ihr Partner hat Schnittverletzungen an den Armen. Offenbar soll es so aussehen, als habe der 70-Jährige erst seine 55 Jahre alte Ehefrau und dann sich selbst getötet – doch die Ermittler glauben das nicht. Sie verfolgen eine andere Spur und verdächtigen schon bald den Sohn und die Schwiegertochter des Toten.

„Die Polizeipräsenz im Ort war riesig“, erinnert sich der Journalist Stefan Czernin. Im Gespräch mit Moderator Moritz Clauß erzählt er in der neuen Folge des Podcasts „Akte Südwest“ von dem Fall, der nicht nur in Altenstadt viele Menschen fassungslos gemacht hat. Taucher suchten den Grund des örtlichen Bachs ab, dutzende Polizistinnen und Polizisten befragten die Nachbarschaft, die Ermittler suchten in Häusern und auf Feldern. Den Kriminalpodcast „Akte Südwest“ gibt es überall, wo es Podcasts gibt.

Akte Südwest: Die Podcast-Folge zum Doppelmord in Altenstadt

Mitte Mai wurden der 37-jährige Sohn des toten Mannes, die 32-jährige Schwiegertochter und ein 32-Jähriger aus dem Zollernalbkreis festgenommen. Ihm warf die Staatsanwaltschaft später vor, den beiden ein Alibi verschafft zu haben, indem er sie für die Tatnacht zu sich nach Albstadt einlud. Das Paar fuhr dort tatsächlich hin – brach dann aber auf, um das Verbrechen zu begehen.

Hintergrund der Tat sei ein langjähriger Familienstreit um ein Wohnhaus gewesen, sagt Czernin. Der Vater hatte seinem Sohn ein Haus geschenkt, wollte diese Schenkung aber rückabwickeln. „Sein Sohn wollte dieses Haus behalten.“ Doch juristisch standen die Chancen dafür offenbar schlecht. Als der Verlust des Hauses immer realistischer wurde, schmiedeten der Sohn und seine Frau laut Staatsanwaltschaft ihren Mordplan.

Vor Gericht äußerten sich die Hauptangeklagten lange Zeit überhaupt nicht zu den Vorwürfen. Später räumte der Sohn ein, er habe seinen Vater und dessen Ehefrau getötet. Beides habe er aber nicht geplant, die Situation sei eskaliert. „Diese Einlassung klang überhaupt nicht plausibel“, sagt Stefan Czernin im Podcast. Auch das Gericht und die Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte damit nicht überzeugen können.

Der Staatsanwalt forderte für das Ehepaar eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes – unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Er sagte damals: „Ich beschäftige mich seit sieben Jahren fast nur mit Schwerkriminalität. In dieser Zeit habe ich keinen Tatort gesehen, aus dem der unbedingte Vernichtungswille deutlicher hervorging als an diesem.“ Das Gericht folgte seiner Forderung, den Freund des Paares verurteilte es wegen Beihilfe zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

Am Ende bleibt ein sinnloses Verbrechen, das viele Menschen schwer trifft. Dazu gehören neben den Mordopfern in erster Linie die Kinder der getöteten Frau. Czernin beschäftigen aber auch die Folgen der Tat für eine weitere Person: Der Haupttäter und die Haupttäterin hatten ein kleines Kind. „So eine schlimme Tat zu begehen, wenn man ein zweijähriges Kind hat – das war für mich nochmal eine Umdrehung mehr“, sagt der Journalist. Zwar ist es möglich, dass Kinder von Inhaftierten ihre leiblichen Eltern besuchen. Doch aufwachsen wird das Kind ohne sie. „Kinder begreifen so etwas nicht“, sagt Czernin, der über solche Fälle auch mit der Expertin Hilde Kugler vom Netzwerk „Kinder von Inhaftierten“ gesprochen hat. Czernin sagt: „Für diese Kinder ist das eine absolute Katastrophe.“

„Akte Südwest“ bei Spotify, Apple Podcasts und Co.

„Akte Südwest“ erscheint auf allen gängigen Podcast-Plattformen, zum Beispiel bei:

Alle Podcasts der SÜDWEST PRESSE finden Sie unter swp.de/podcasts.

Übrigens: Wahre Verbrechen stehen im Zentrum unserer Themenseite swp.de/crime. Hören Sie dort den Podcast „Akte Südwest“ und lesen Sie Hintergründe zu aktuellen und historischen Fällen in Baden-Württemberg – und vieles mehr.

Verbrechen und Justiz

Sie interessieren sich für Verbrechen und Prozesse in Ihrer Region, für die Arbeit der Ermittler und dafür, was erlaubt und was verboten ist? Dann sind Sie hier richtig! Wir nehmen Sie mit, in die Gerichtssäle und an die Tatorte im Südwesten. Bleiben Sie stets auf dem Laufenden und melden Sie sich für unsere Push-Nachrichten, Newsletter und unseren Podcast an!

Zum Podcast