Funkstörung legt Bahnverkehr lahm
: Ursache für Ausfall identifiziert – Probleme teils bis zum Morgen

Rund zwei Stunden ging nichts mehr bei der Deutschen Bahn. Welchen Grund der Konzern nannte, was Reisende erlebten und wie lange es wohl noch Verspätungen und Ausfälle geben wird.
Von
dpa ,
AFP STATISTISCH
Berlin
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Deutsche Bahn stellt Zugverkehr ein: 23.06.2026, Hessen, Frankfurt am Main: Ein Hund steht mit seinem Herrchen in einer langen Schlange am Serviceschalter der Bahn im Hauptbahnhof an. Der Verkehr der Deutschen Bahn ist wegen einer Funkstörung bundesweit eingestellt. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vor den Serviceschaltern bildeten sich lange Schlangen.

Andreas Arnold/dpa
  • Bahnverkehr in Deutschland steht still – Ursache ist eine bundesweite Funkstörung.
  • Die Deutsche Bahn bestätigte den Ausfall am Abend auf Anfrage der dpa.
  • Alle Züge werden vorläufig an Bahnhöfen zurückgehalten, es fahren derzeit keine.
  • Weitere Informationen sollen folgen; genaue Hintergründe sind noch offen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Gestrandete Reisende und sehr lange Warteschlangen an den Bahnhofsinformationen: Eine deutschlandweite Störung hat bei der Deutschen Bahn (DB) am späten Dienstagabend für rund zwei Stunden Stillstand gesorgt. Es waren etliche Reisende betroffen. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. Danach lief der Verkehr am frühen Morgen Schritt für Schritt weiter an, wie ein DB-Sprecher mitteilte. Der Grund für den Stopp des Zugverkehrs Störung war demnach eine Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R.

Teils sollten die Probleme bis zum Berufsverkehr am Morgen anhalten. Es komme aktuell noch zu Folgeverspätungen und einzelnen Ausfällen, bis sich alles wieder normalisiert habe, sagte eine Bahnsprecherin am Morgen auf Anfrage. Auf der Regionalseite der DB für Nordrhein-Westfalen hieß es nach dem Ende der Störung: „Bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert hat, wird es jedoch noch einige Zeit dauern.“ Man solle mit hohen Verspätungen und Ausfällen rechnen.

Kaum Auskünfte für Reisende

Viele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben – in Frankfurt am Main berichteten Menschen aber zum Beispiel, es gebe in der ganzen Stadt gar kein Hotelzimmer mehr. Und: Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab. Aber die Bahn-Mitarbeiter seien freundlich und ansprechbar gewesen, hieß es.

Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die DB noch in der Nacht identifiziert – ohne allerdings zu erklären, worin sie bestand. IT-Experten der DB hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. „Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden“, hieß es weiter. Man danke allen Fahrgästen für die Geduld. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte der „Bild“-Zeitung, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden.

Was ist GSMR?

GSMR – Global System for Mobile Communications – ist ein digitales Mobilfunksystem. Es baut auf dem Mobilfunkstandard GSM auf, wurde jedoch für die Verwendung bei Eisenbahnen erweitert. Es dient der Kommunikation zwischen Leitstellen und Zügen. Da das GSMR ein spezieller Mobilfunkstandard ist, sollte es eigentlich ausfallsicherer sein und vor Überlastungen des regulären Mobilfunks schützen.

„Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG“, heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn. Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleistern.

Auch S-Bahnen, Privatbahnen und Güterverkehr betroffen

Von der Störung betroffen waren nicht nur Fern- und Regionalverkehrszüge, sondern auch S-Bahnen, die von der DB betrieben werden, und Privatbahnen. In Berlin etwa war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt, ebenso in Stuttgart. In Hamburg hingegen fuhr die Hochbahn.

Still stand außerdem der Güterverkehr, der vor allem abends und nachts unterwegs ist. Der Verband der privaten Güterbahnen forderte deshalb eine genaue Aufarbeitung des zweistündigen Ausfalls. Die Ursache für den Ausfall am späten Dienstagabend dürfe „nicht allein durch eine „Selbstauskunft“ der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der dpa. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs.

NRW-Verkehrsminister kritisiert Notfallmanagement der Bahn

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hat die Bahn nach der bundesweiten Störung scharf kritisiert. „Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität“, sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur.

„Ich erwarte, dass die Bahn diesen Vorfall transparent und lückenlos aufklärt. Es kann nicht sein, dass wegen des Ausfalls eines Systems Zehntausende Menschen die Nacht in Zügen und Bahnhöfen verbringen müssen“, sagte er.

Der NRW-Minister äußerte auch Kritik am Notfallmanagement der Bahn. „Hier braucht es Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden. Menschen verlassen sich darauf, mit der Bahn wenigstens einigermaßen pünktlich ans Ziel zu kommen“, forderte Krischer.

Bahnverkehr im Südwesten normal angelaufen

Am Stuttgarter Hauptbahnhof herrschte am Morgen danach das übliche Mittwochmorgen-Getümmel, wie ein dpa-Reporter berichtete. Von Gestrandeten der Nacht war nichts mehr zu sehen. Laut Anzeigetafel gab es nur eine Zugverspätung. Die Bundespolizei musste laut einem Sprecher wegen der Störung nicht ausrücken. Auch am Hauptbahnhof in Karlsruhe sah es am Morgen nach Normalbetrieb aus.