Bundeswehr behält Liegenschaften
: Städte in Baden-Württemberg bangen um Wohngebiete

Historische Kasernengebäude, neue Wohn- und Gewerbeträume: Die Pläne der Bundeswehr könnten die Planungen mancher Gemeinden für neue Wohn- oder Gewerbegebiete auf den Kopf stellen.
Von
lsw
Berlin
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Verteidigungsministerium stoppt Umwandlung von Standorten

Das Verteidigungsministerium hat die Umwandlung von Standorten für zivile Zwecke gestoppt.

Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa
  • Verteidigungsministerium stoppt zivile Umnutzung von 187 ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaften.
  • Gründe: Geplanter Ausbau der Bundeswehr und höherer Bedarf an Standorten.
  • Betroffen: Schwetzingen und Ellwangen; bestehende kommunale Pläne gefährdet.
  • Schwetzingen plante Wohn- und Gewerbegebiete, Ellwangen nutzt Gebäude für Flüchtlingsaufnahme.
  • Ministerium will zivile Planungen, wo möglich, weiterhin berücksichtigen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Verteidigungsministerium setzt die Umwandlung militärisch genutzter Liegenschaften für zivile Zwecke aus – davon sind Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) und auch Ellwangen (Ostalbkreis) betroffen.

In Ellwangen werden noch bis Ende des Jahres sieben ehemalige Kompagniegebäude für eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt. Sie wird gerade abgewickelt. Am Mittwoch sei ein Gespräch mit dem Verteidigungsministerium geplant, sagte ein Sprecher der Kommune. Es gehe um die Nachnutzung durch die Bundeswehr. Das Regierungspräsidium Stuttgart hatte seit April 2015 die LEA in einem Teilbereich der Reinhardt-Kaserne in Ellwangen betrieben.

Schwetzingen ist enttäuscht

Nach dem Ende der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge plant die Stadt bisher die Entwicklung eines Wohngebiets für bis zu 1800 Menschen. Ein Teil der Kaserne wird noch von der Bundeswehr genutzt. Dort ist aktuell im historischen Bereich eine Außenstelle des Bundessprachenamts untergebracht, wie ein Sprecher der Kommune weiter mitteilte.

Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) ist von den Plänen des Verteidigungsministeriums ebenfalls betroffen. Oberbürgermeister Matthias Steffan (parteilos) sagte, man respektiere die Entscheidung des Bundes im Hinblick auf die aktuelle Lage in Europa, sei ein Stück weit aber auch enttäuscht, weil man in den letzten Jahren viel Energie in den Prozess gesteckt habe und kurz vor dem Durchbruch für die Entwicklung von attraktiven Wirtschaftsflächen gewesen sei.

187 ehemalige militärische Liegenschaften betroffen

Die Kommune hatte 2021 Gespräche mit dem Bund und dem Land für eine Entwicklung der dortigen Kasernenflächen aufgenommen und intensiviert. Neben der mittel- und langfristigen Nutzung der Kasernengebäude für die aktuell betriebene Landeserstaufnahme für Flüchtlinge sollten im oberen und hinteren Bereich auf der etwa 17 Hektar großen Fläche Gewerbe angesiedelt werden.

Das Verteidigungsministerium setzt die Umwandlung militärisch genutzter Liegenschaften für zivile Zwecke aus. Grund dafür ist der höhere Bedarf an Standorten wegen der geplanten Vergrößerung der Bundeswehr, wie das Ministerium mitteilte. Der Umwandlungsstopp betrifft demnach zunächst 187 ehemalige militärische Liegenschaften, die sich im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) befinden. Diese seien grundsätzlich für eine Nutzung durch die Bundeswehr geeignet.

Strich durch kommunale Pläne?

Damit könnten Pläne der Kommunen für die Nutzung der Areale durchkreuzt werden. „Wir sind uns der Tragweite der Entscheidung sehr bewusst und wissen, dass in vielen Fällen bereits Planungen bestehen, betroffene Flächen zivil zu nutzen“, sagte Nils Hilmer, Staatssekretär im Verteidigungsministerium. „Wo immer dies möglich ist, werden wir versuchen, auch bestehende zivile Planungen zu berücksichtigen.“

Die Umwandlung von Bundeswehrstandorten für zivile Zwecke war in den frühen 1990er Jahren nach Ende des Kalten Kriegs begonnen und nach Aussetzung der Wehrpflicht in den 2010er Jahren fortgesetzt worden.

Laut SWR sind diese Areale in BW betroffen

  • Bleidornkaserne in Ulm
  • ehem. Kaserne Heid in Achern
  • Tanklager Huttenheim in Phililppsburg-Huttenheim
  • Schießstand in Baden-Baden
  • Schießstand in Iffezheim
  • Standortübungsplatz (StOÜbPl) Haisterhofen in Ellwangen
  • Schießstand Rammersweier in Offenburg
  • Efringen-Kirchen
  • Munitionslager in Neuenburg am Rhein
  • ehem. StOÜbPl in Achern
  • Übungsgelände + Zufahrt Schießanlage in Rheinstetten
  • Schießstand in Pforzheim
  • ehemalige NIKE Stellung in Pforzheim
  • Munitionslager Schindhau in Tübingen
  • StoÜbPl Tübingen-Wankheim in Tübingen
  • Hagenholz Gemarkung Wildentierbach in Niederstetten
  • ehem. US-Munitionslager in Wertheim
  • Ehemaliges Kupfer-/Munitionslager in Schwäbisch Hall
  • ehem. Übungsplatz in Engstingen
  • Technischer Bereich Gänsewag in Münsingen
  • ehem. StOÜPl in Horb am Neckar
  • StOÜbPl in Sigmaringen
  • ehem. Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen
  • ehem. Munilager Siegelsbach ohne Solarpark Siegelsbach
  • ehem. Tompkins Barracks in Schwetzingen
  • ehem. Patrick Henry Village in Heidelberg
  • techn. Bereich/Teilfläche Mühlberg in Ellwangen