Brandstiftung am Ulmer Theaterlager
: Dieses Feuer wird die Stadt noch lange beschäftigen

Ein Obdachloser verliert seinen Schlafplatz. Er will sich rächen – und verursacht einen gigantischen Schaden. Nun beleuchtet der Kriminalpodcast „Akte Südwest“ die Tat und ihre Folgen.
Von
Moritz Clauß
Ulm
Ulmer Theater Probebühne in der Bleichstraße nach dem Brand und Paketposthalle

Der Brand in der Lagerhalle zerstörte zigtausende Kostüme.

Volkmar Könneke; Bearbeitung: Raiola
  • Ein Obdachloser zündete das Theaterlager in Ulm an – Motiv laut Ermittlern: Rache.
  • Der Brand zerstörte Kostüme, Requisiten und zwei Probebühnen, Schaden in Millionenhöhe.
  • Einsatz in der Nacht: Ein Zeuge meldete Rauch nahe dem Hauptbahnhof, über 100 Kräfte löschten.
  • Vor Gericht galt die Täterschaft als erwiesen, Urteil: sechseinhalb Jahre Haft.
  • Der Kriminalpodcast „Akte Südwest“ beleuchtet den Fall und die Folgen für den Spielbetrieb.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist noch Nacht, als ein Mann in Ulm am 25. Juni 2025 den Notruf wählt. Der Zeuge meldet um halb 3 Rauchgeruch in der Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs. Wenig später sind mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz und bekämpfen einen gewaltigen Brand. Verletzt wird zum Glück niemand, aber die Lagerhalle, die da brennt, ist keine gewöhnliche Halle. Das Theater Ulm hat dort tausende Kleidungsstücke, Requisiten und Möbel gelagert. Es brennt also nicht nur eine Halle. Es brennen Brautkleider, Trachten und Uniformen – der Schaden geht in die Millionen.

Im direkten Nachbargebäude hält sich während des Brandes ein wohnsitzloser Mann auf. Im ersten Zeitungsartikel über den Brand ist das eine Randnotiz. Aber das bleibt nicht lange so, weil die Ermittler bald feststellen: Der Brand war kein Zufall. Ein anderer Obdachloser hat die Halle angezündet. Sein Motiv: Rache.

In der aktuellen Folge des Kriminalpodcasts „Akte Südwest“ geht es um die Brandstiftung am Ulmer Theaterlager. „Es ist schwer, für einen Außenstehenden zu ermessen, wie heftig das für das Theater ist“, sagt Chefreporter Magdi Aboul-Kheir, der für die SÜDWEST PRESSE über den Fall berichtet hat.

Im Gespräch mit Moderator Moritz Clauß erklärt er auch, wieso der Brand den Spielbetrieb „massiv betrifft“. Neben den Kostümen und Requisiten zerstörte das Feuer zwei Probebühnen. Je nach Schätzung lag der Gesamtschaden etwas unter oder sogar über zehn Millionen Euro. Aboul-Kheir betont: „Die Millionen stehen als krasse Zahlen im Raum, aber sie sagen nicht alles aus.“ Die unzähligen handgefertigten Kostüme ließen sich nicht einfach ersetzen.

Obdachlose richten sich in Lagerhalle ein

Die Brandstiftung hatte eine Vorgeschichte: Der spätere Angeklagte hatte sich ursprünglich mit weiteren Wohnsitzlosen Zugang zu der Halle verschafft. Sie hätten sich im Theaterfundus Requisiten, Möbel, auch Bilder besorgt und sich in einem Hallenteil eingerichtet, sagt Aboul-Kheir. Einem Mitarbeiter des Theaters sei das aufgefallen, daraufhin mussten die Obdachlosen die Halle verlassen. Einer von ihnen war darüber so erbost, dass er später zurückkehrte und an mehreren Stellen Feuer legte.

„Dass er diesen Wohn- und Schlafplatz verloren hat, muss ihn sichtlich getroffen haben“, sagt Aboul-Kheir. Belastet wurde der Mann unter anderem von einer anderen Wohnsitzlosen. Sie sagte gegenüber der Polizei, er habe angekündigt, die Halle abzufackeln.

Angeklagter mit vielen Vorstrafen

Vor Gericht wurden auch die unzähligen Vorstrafen des 42-Jährigen aufgezählt, ein Vortrag von etwa 30 Minuten. Betrug, Einbruch, Drogendelikte, gefährliche Körperverletzung. Oft sei der Mann lediglich Mittäter gewesen, sagt Aboul-Kheir, vor der Tat sei er allerdings nur auf Bewährung aus der Haft entlassen worden.

Diese Bewährungsstrafe spielte beim Urteil des Landgerichts eine Rolle. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Wohnsitzlose die Halle in Brand gesteckt hatte. Es verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren. „Man hatte den Eindruck, das Ausmaß, das er da als Strafe bekommt, ist ihm auch irgendwie egal“, erzählt Magdi Aboul-Kheir im Podcast. Die letzten Worte des 42-Jährigen im Gericht: Er habe „nichts zu sagen“.

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