Tötungsdelikt in Esslingen
: Mieter soll Sohn des Vermieters erschossen und Brand gelegt haben

Der Grund für das Feuer nahe dem Esslinger Hauptbahnhof, bei dem zwei Männer gestorben sind, waren wohl Mietstreitigkeiten. Eine Zwangsräumung stand kurz bevor.
Von
Daniel Wydra,
dpa ,
Isabelle Jahn
Esslingen
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Tote in Esslingen

Rauch dringt aus der Wohnung in der Esslinger Altstadt und breitet sich rasch in der Umgebung aus – Anwohner wurden gewarnt.

Andreas Rosar/dpa
  • Wohnungsbrand in Esslingen: Zwei Tote, ein Verletzter.
  • Rettungskräfte rückten um 7 Uhr aus; Streit und Knallgeräusche gemeldet.
  • Gebiet nahe Hauptbahnhof abgesperrt; Rettungskräfte ungestört arbeiten.
  • Verletzter vom Balkon gerettet, ins Krankenhaus gebracht; Bevölkerung nicht gefährdet.
  • Polizei, Feuerwehr und Hubschrauber im Einsatz; weitere Informationen folgen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bei einem Wohnungsbrand in Esslingen am Neckar am Donnerstag (14.11.2024) sind zwei Männer ums Leben gekommen. Nachdem am Morgen bekannt wurde, dass eines der Todesopfer der mutmaßliche Verursacher des Brandes ist, der im Dachgeschoss ausgebrochen war, kamen im Lauf des Tages weitere Details ans Licht. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt und schwere Brandstiftung. Bei den zwei Toten, die die Einsatzkräfte im Gebäude fanden, handelt es sich um den 31-jährigen Sohn des Hauseigentümers und um einen 61-jährigen Mieter, der ebenfalls in dem Gebäude wohnt. Beide wiesen mutmaßliche Schussverletzungen auf, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Nachmittag mitteilen. Nach derzeit vorliegenden Erkenntnissen besteht der Verdacht, dass der Mieter den Brand verursacht und den 31-Jährigen sowie danach sich selbst tötete. Die Ermittler fanden mögliche Tatwaffen und stellten sie sicher. Eine Obduktion der Leichen steht noch aus.

Mutmaßlichem Täter drohte Zwangsräumung

Auch zum möglichen Motiv geben Staatsanwaltschaft Stuttgart und Polizeipräsidium Reutlingen erste Erkenntnisse preis: Der Mietvertrag des 61-jährigen Deutschen war vom Vermieter bereits seit längerem gekündigt worden, am Freitag stand offenbar die Zwangsräumung der Wohnung an. In diesem Zusammenhang soll es in der Vergangenheit mehrfach zu Streitigkeiten gekommen sein. Der Gebäudeeigentümer und Vermieter hat überlebt, der 76-Jährige wurde von der Feuerwehr mittels Drehleiter von einem Balkon gerettet und wird im Krankenhaus untersucht.

Eine weitere Bewohnerin des Hauses rettete sich offenbar mit einem Sprung aus dem Fenster ins Freie und wurde dort schwer verletzt angetroffen. Ein Rettungshubschrauber brachte die 32-Jährige in eine Klinik.

Tote in Esslingen: 14.11.2024, Baden-Württemberg, Eßlingen: Einsatzkräfte der Polizei, der Feuerwehr und der Rettungsdienste sind bei einem Großeinsatz in der Innenstadt von Esslingen. In Esslingen läuft ein größerer Polizeieinsatz. Nach ersten Angaben der Beamten gibt es zwei Tote und einen Verletzten. Eine Person wurde von einem Balkon gerettet. Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Polizei ist wegen des Feuers in der Esslinger Innenstadt mit Spezialkräften im Einsatz.

Bernd Weißbrod/dpa

Nachbarn berichten von Schreien und Explosionen

Bereits am frühen Morgen spielten sich in der Esslinger Altstadt Aufsehen erregende Szenen ab: Nach Angaben der Polizei wurden die Rettungskräfte gegen 7 Uhr informiert, dass es in einer Wohnung an der Straße Am Kronenhof nahe dem Hauptbahnhof brennt. Als die ersten Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, stellten sie in dem Mehrfamilienhaus einen Brand fest, der sich im Haus weiter ausbreitete. Nachbarn hätten vorher einen Streit mit Schreien und mehrere Knallgeräusche gehört, weshalb auch Entschärfer des Landeskriminalamtes an dem Einsatz beteiligt sind. Ein Zeuge ist nach eigenen Angaben von dem Geschehen geweckt worden. „Ich habe geschlafen, dann habe ich vier Explosionen gehört“, sagte der Mann einem dpa-Reporter. Er sei im Anschluss auf die Straße geschickt worden und habe eine Rauchwolke gesehen. Der Mann wohnt demnach in der Nachbarschaft.

Brand in Esslingen: Auch Nachbargebäude evakuiert

Das Wohnhaus sowie vorsorglich ein Nachbargebäude wurden evakuiert, ein Ausbreiten des Feuers auf Nachbargebäude konnte die Feuerwehr nach jetzigem Kenntnisstand der Ermittler verhindern. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt, damit Rettungskräfte und Polizei möglichst ungestört arbeiten können. Spezialkräfte der Polizei durchsuchen das Gebäude, ein Hubschrauber dokumentiert den Einsatz von oben und unterstützt die Feuerwehr während der Löscharbeiten mit Hinweisen. Personen, die vom Brand betroffen sind, werden vom Rettungsdienst und Mitarbeitern der Psychosozialen Notfallversorgung betreut. Die Bevölkerung sei nicht gefährdet, sagte ein Polizeisprecher. Anwohner wurden unter anderem über die Notfall-App Katwarn vor Rauchgasen gewarnt - sie sollten Fenster und Türen geschlossen halten. Über der Innenstadt der knapp 100.000-Einwohner-Stadt östlich von Stuttgart lag beißender Rauchgeruch.

Feuerwehr muss einen Tag später wieder anrücken

Die Löscharbeiten gestalteten sich nach Angaben des Esslinger Oberbürgermeisters Matthias Klopfer (SPD) schwierig und dauerten bis weit in den Tag. Ein Brand in der Altstadt sei herausfordernd, sagte Klopfer. Es seien knapp 100 Feuerwehrleute vor Ort. „Es wird sicherlich noch mehrere Stunden dauern, bis der Brand gelöscht ist.“ Wie viele Einsatzkräfte insgesamt vor Ort seien, wusste Klopfer zunächst nicht. Die Information über den Brand sei für ihn wieder ein kurzer Schock gewesen, sagte Klopfer. „Das ist wieder eine schwierige Situation für unsere Stadt.“

Tatsächlich waren die Löscharbeiten einen Tag später immer noch nicht abgeschlossen. Die Feuerwehr habe am Morgen erneut zum Löschen anrücken müssen, sagte ein Polizeisprecher. Grund sei, dass erneut Rauch zu sehen gewesen sei. Ob die Ermittler in den Resten des Gebäudes nach Spuren suchen können, sei noch unklar, so der Sprecher weiter. „Von dem Haus ist nicht mehr viel übrig.“

Erst im Oktober hatte es einen tragischen Unfall in Esslingen gegeben, bei dem ein Autofahrer auf einen Gehweg geraten war dort eine 39-Jährige und ihre drei und sechs Jahre alten Söhne erfasst hatte. Die drei waren noch an der Unfallstelle gestorben.

Mit Informationen der dpa