Einsätze der Polizei: Erneut Alarm wegen Bombendrohungen an Schulen und Einrichtungen

Einsatzkräfte stehen auf dem Parkplatz vor der Alexander-von-Humboldt-Realschule in Bayern. Die Schule wurde nach einer Bombendrohung geräumt. Die bei der Schule eingegangen Drohmail habe erneut einen «Hamas-Bezug».
Pia Bayer/dpaNach mehreren Vorfällen am Montag ging auch am Dienstag eine Welle von Bombendrohungen an Schulen und anderen Einrichtungen — beispielsweise dem Berliner Hauptbahnhof — ein. Wer dahinter steckt, ist noch unklar. Den Tätern drohen hohe Strafen.
Bombendrohungen an Schulen: Polizeieinsätze und psychische Belastung
Die Bombendrohungen an Schulen in mehreren Bundesländern haben viele Menschen aufgeschreckt und Polizeieinsätze ausgelöst. Zwar gab es nach und nach erste Entwarnungen in den Fällen, in denen die Ermittlungsbehörden überhaupt von einer Gefährdung ausgegangen waren. Allerdings belastet die Situation Betroffene psychisch.
Bis Dienstagmittag waren Schulen in Bayern, Nordrhein–Westfalen, Thüringen und Sachsen betroffen. Die Polizei räumte teils die Einrichtungen vorsorglich oder wies Schüler und Lehrer noch vor dem Betreten der Gebäude zurück. Es gab Durchsuchungen, um Gefahren auszuschließen. In Erfurt wurden mehrere Schüler und eine Lehrerin medizinisch versorgt — aufgrund der psychisch belastenden Situation, sagte eine Polizeisprecherin laut dpa. Im sächsischen Pulsnitz hätten sechs Mädchen im Teenageralter während der Räumung der betroffenen Schule Kreislaufprobleme bekommen, sagte ein Polizeisprecher. Sie wurden vor Ort von Sanitätern betreut, drei von ihnen seien zudem vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht worden.
Aus den Bildungsministerien in Thüringen und in Bayern hieß es, dass den Schulen umfangreiche Handreichungen zum Umgang mit Krisen und Notfällen zur Verfügung stehen beziehungsweise speziell ausgebildete Kriseninterventions– und -bewältigungsteams von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen beraten könnten.
Auch andere Einrichtungen von Drohungen betroffen
In Berlin gab es trotz der Herbstferien Drohungen gegen Schulen, aber auch Botschaften. Es ermittelt nun der Staatsschutz. Auch der Berliner Hauptbahnhof zählte nach Angaben der Bundespolizei dazu. Die Polizei habe die Kräfte dort verstärkt und die Gefährdungslage überprüft. Letztlich sei nicht von einer Gefährdung der Reisenden ausgegangen worden. Der Berliner Polizei zufolge waren auch der Sender RTL und die Bundeszentrale der SPD von Drohungen betroffen. Außerdem gab es eine Drohung gegen das Sendezentrum von „Antenne Thüringen“, „Landeswelle Thüringen“ und „Radio Top40“ in Weimar.
Mehrere Bundesländer betroffen: besteht ein Zusammenhang?
Ob es einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Fällen gibt, ist offen.
Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums teilte mit: „Ob mit den Drohungen ein extremistisches Ziel verfolgt wird oder es sich um „Trittbrettfahrer“ handelt, die sich zur Verstärkung der Wirksamkeit ihrer Drohungen als Hamas bezeichnen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend bewertet werden.“
Möglicherweise könne es darum gehen, das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu schwächen und Unmut gegen Israel zu schüren, hieß es aus Sicherheitskreisen zur Deutschen Presse–Agentur.
Laut Polizei gingen die Drohungen per E–Mail ein. In einigen Fällen wurden in den Schreiben Bezüge zur islamistischen Hamas hergestellt, in einem zum Ukraine–Konflikt.
Ein Polizeisprecher sagte zu den Vorfällen an einer Schule im oberfränkischen Hollfeld, wo es am Dienstag die zweite Drohung innerhalb weniger Tage gegeben hat: „Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit.“ Ob die Mails vom selben Absender stammen, sei noch unklar. Die Dienststellen seien weiterhin für die Ermittlungen verantwortlich, aber sie tauschten sich eng aus, so ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts am Dienstag.
Das droht den Tätern
Eine Bombendrohung fällt in Deutschland häufig unter den Straftatbestand der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (Paragraf 126 des Strafgesetzbuches (StGB)). Das kann zu Geldstrafen oder sogar mehrjährigen Haftstrafen führen.
Mitte Oktober wurde ein 41–Jähriger wegen einer Bombendrohung gegen die Krefelder Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit zu 2000 Euro Strafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ende 2016 wurde ein Mann wegen mehrerer Bombendrohungen gegen eine Kita und ein Altenheim im bayerischen Wolframs–Eschenbach zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.