Bildung in Baden-Württemberg: Schulen sollen künftig Handys verbieten dürfen

Ein Schild mit einem durchgestrichenen Smartphone hängt am Zugangstor zum Schulhof eines Gymnasiums und weist auf ein generelles Handyverbot hin.
Marijan Murat/dpa- Baden-Württemberg plant strenge Regeln für Handy-Nutzung an Schulen.
- Schulen sollen altersgerechte Regeln für private Geräte erlassen dürfen.
- Ziel: Konzentrationsfähigkeit und mentale Gesundheit der Schüler schützen.
- Cybermobbing und emotionaler Vereinsamung durch Smartphone-Nutzung vermeiden.
- Kritik: Verbot könnte an Lebensrealität der jungen Generation vorbeigehen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Rund 71 Stunden nutzen Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren in Deutschland jede Woche das Internet. Das zeigt die Digitalstudie der Postbank aus 2024. Knapp 39 Stunden davon daddeln sie am Smartphone – zum Teil auch im Schulunterricht. Dabei lenken die Geräte und ständigen Benachrichtigungen Schülerinnen und Schüler häufig ab. Geht es nach der Landesregierung Baden-Württemberg, soll es deshalb an den Schulen im Südwesten künftig Regeln für den Umgang mit Smartphones geben. Eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes soll das grün-schwarze Kabinett am Dienstag auf den Weg bringen, teilte ein Sprecher des Kultusministeriums mit.
Smartphones können zu Cybermobbing führen
Konkret sollen alle Schulen dazu angehalten werden, sich altersangemessene Regeln im Umgang mit mobilen Endgeräten zu geben, so der Sprecher. „Für Grundschulen sollen das eher restriktive, für weiterführende entsprechend pädagogisch sinnvoll angepasste Regelungen sein“, hieß es. Man werde den Schulleitungen damit Rechtssicherheit geben und entsprechende Handreichungen und Formulierungsvorschläge bereitstellen. Heißt: Schulen in Baden-Württemberg können künftig ein Verbot für die private Nutzung von Handys erlassen. Ob und wie sie den Umgang mit den Geräten letztlich regeln, bleibe aber den Schulen überlassen.
Im Idealfall könnten sie das Thema auch zur Demokratiebildung nutzen und die Regelungen gemeinsam innerhalb der Schulgemeinschaft erarbeiten, sagte der Sprecher. Die Regeln sollen sich nur auf die private Nutzung von Smartphones oder Tablets beziehen, etwa in Pausen. Die Nutzung eigener Geräte im Unterricht unter Anleitung von Lehrkräften im Unterricht soll weiterhin möglich sein.
Die strengeren Regeln hatte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) bereits im März angekündigt. Damals begründete Schopper ihren Vorstoß mit negativen Folgen, die Smartphones für Kinder und Jugendliche haben könnten. Diese seien inzwischen ausreichend belegt, so Schopper. Als Beispiele nannte sie Folgen für die Konzentrationsfähigkeit, das Lernvermögen und die mentale Gesundheit. Auch könnten Smartphones zu Cybermobbing oder emotionaler Vereinsamung führen.
Der Landeschef der Lehrergewerkschaft VBE, Gerhard Brand, betonte, dass Lehrkräfte bei der Umsetzung von entsprechenden Regeln Rechtssicherheit bräuchten. An Schulen, an denen die privaten Geräte zum Unterrichtsbeginn abgeben werden müssten, kämen Schüler häufig mit einem zweiten Gerät zur Schule. Taschen zu durchsuchen, das sei für Lehrkräfte aber schwierig und ein Eingriff in die Privatsphäre der Schüler.
Zudem müsse geklärt werden, wer hafte, wenn das abgegebene Handy beispielsweise herunterfalle. „Auch das muss eindeutig geklärt werden“, sagte Brand. Ein weiteres Thema sieht der Gewerkschaftschef in Smartwatches. Mit diesen könnten die Kinder telefonieren oder Nachrichten senden oder von ihren Eltern getrackt werden. Solche Smartwatches von normalen Uhren zu unterscheiden, sei schwierig, so Brand.
Kritik an generellem Handyverbot
Skandinavische Länder wie Dänemark und Schweden galten lange Zeit als Vorreiter in Sachen Digitalisierung an Schulen und fortschrittliches Bildungswesen. Inzwischen denkt man im Norden allerdings um, setzt statt auf Tablets und Computer wieder mehr auf Schulbücher und Hefte. Außerdem ist ein gesetzliches Verbot für private Smartphones auf dem gesamten Schulgelände geplant.
Es gibt aber auch Kritik für ein generelles Handyverbot an Schulen, das laut vielen Schülerinnen und Schülern schlicht an der aktuellen Lebensrealität der jungen Generation vorbeigehe. Zudem gibt es auch Vorteile der Geräte, wie die ständige Erreichbarkeit für die Eltern. Statt Smartphones aus dem Schulalltag zu verbannen, sollten Kinder und Jugendliche lernen, diese verantwortungsvoll und reflektiert zu benutzen, empfehlen Experten.

