BaWü-Check Umfrage
: Generell Tempo 30 oder 40 in Städten? Jeder zweite Baden-Württemberger ist dafür

Die Baden-Württemberger sind mit der Verkehrssituation ziemlich unzufrieden, zeigt die Umfrage „BaWü“-Check. Mit langsamerem Tempo in Städten könnten viele aber gut leben.
Von
Roland Muschel
Stuttgart
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Statt Tempo 50 nur noch 30 oder 40 Kilometer pro Stunde in der ganzen Stadt? Eine Mehrheit der Befragten des „BaWü-Checks“ zeigt sich dafür aufgeschlossen. ⇥

Paul Zinken/dpa

Immerhin: In der baden-württembergischen Bevölkerung geht das Stimmungsbarometer nach oben. Seit November 2022 ist der Anteil der Bürgerinnen und Bürger, der den kommenden zwölf Monaten optimistisch entgegenblickt, von 21 auf 32 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum ist der Anteil derer, die Sorgen vor der Zukunft haben, von 32 auf 25 Prozent gesunken. Das geht aus der neuesten Ausgabe des Ba-Wü-Check hervor, einer gemeinsamen Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen.

Allerdings sei es zu früh, von einem nachhaltigen Stimmungsumschwung zu sprechen, ordnet das mit der Umfrage betraute Institut für Demoskopie Allensbach die Zahlen ein. Zu sehr würden Inflationssorgen und Kriegsängste der Bevölkerung aufs Gemüt drücken, sodass jeder Dritte eher skeptisch ist, was die Entwicklungen der nächsten Monate angeht.

Düsterer Blick auf die Zukunft des Automobilstandorts

Eher für Pessimismus sorgt auch der Blick auf die Zukunft der wichtigsten Branche des Landes, der Autoindustrie. Infolge des Transformationsprozesses fürchten 40 Prozent der Befragten, dass das Heimatland von Daimler, Porsche, Bosch und Co. als Automobilstandort an Bedeutung verlieren wird. Lediglich 13 Prozent rechnen damit, dass der Südwesten zu den Gewinnern zählen wird.

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Grafik Max Meschkowski / Quelle: IfD Allensbach

Der von vielen befürchtete Bedeutungsverlust sorgt bei einer großen Mehrheit für Ängste: Zwei Drittel gehen davon aus, dass eine Talfahrt der Branche den Wohlstand im Land stark (47 Prozent) oder sehr stark (16 Prozent) bedrohen würde. 23 Prozent halten die Auswirkungen für weniger bedrohlich; sechs Prozent befürchten keine negativen Auswirkungen.

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Grafik: Max Meschkowski /Quelle: IfD Allensbach

Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vor Investitionen in Straßen

Das Automobil als Fortbewegungsmittel ist vielen Baden-Württembergern weiter lieb und teuer. Aber längst nicht allen. Vielmehr wünscht sich ein beachtlicher Teil, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gegenüber Investitionen in den Straßenbau zu priorisieren: 39 Prozent meinen, neue Mittel sollten vorrangig in den ÖPNV fließen, 24 Prozent halten den Ausbau des Straßennetzes für dringlicher. Unzufrieden mit dem Status quo sind beide Lager.

Für die Forderung nach einem generellen Tempolimit von 30 oder 40 Stundenkilometern innerhalb von Städten zeigt sich jeder Zweite aufgeschlossen. Im Detail sind 30 Prozent für Tempo 40, 20 Prozent sogar für Tempo 30. Vier von zehn Baden-Württembergern lehnen beides ab.

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Grafik: Max Meschkowski /Quelle: IfD Allensbach

Stadt und Land ticken bei Verkehrsfragen unterschiedlich

Die Umfrage arbeitet auch teils sehr unterschiedliche Bedürfnisse von Stadt- und Landbevölkerung heraus. So machen Bewohner der großen Städte vor allem die hohen Ticketpreise für den ÖPNV sowie die Überlastung der Innenstädte durch den Autoverkehr überdurchschnittlich oft als große Probleme aus. Bewohner ländlicher Regionen ärgern sich hingegen überproportional häufig über den maroden Zustand der Straßen und die schlechte Verkehrsanbindung ihres Wohnorts.

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Grafik: Max Meschkowski /Quelle: IfD Allensbach

Der große Wunsch nach einem Ausbau des ÖPNV führt zu der Frage, wie es um die Bereitschaft der Autofahrer zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bestellt ist. Das Ergebnis: Immerhin 28 Prozent der Autofahrer können sich zumindest einen teilweisen Umstieg vorstellen, für 62 Prozent ist das hingegen zurzeit keine ernsthafte Alternative. Auch hier gibt es ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: Während sich in den großen Städten 44 Prozent der Autofahrer eine stärkere Nutzung des ÖPNV vorstellen können, sind es auf dem Land nur 16 Prozent. Insgesamt sieht die Bevölkerung das ÖPNV-Angebot im Land kritisch. Im Schnitt erhält der öffentliche Nahverkehr in der eigenen Region nur die Schulnote 3,7. Am härtesten fällt das Urteil mit der Durchschnittsnote 4,2 auf dem Land aus, immerhin befriedigend (Note 3,2) in den Großstädten. Auch der Regionalverkehr der Bahn bekommt von den Befragten nur die Note 3,7.

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Grafik: Max Meschkowski /Quelle: IfD Allensbach

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Die Umfrage der Tageszeitungen

Wie zufrieden sind die Menschen in Baden-Württemberg mit der Arbeit der Landesregierung? Werden die richtigen Schwerpunkte gesetzt, wo wird nur geredet, wo wird tatsächlich gehandelt?

Das wollen die Tageszeitungen in BadenWürttemberg in ihrer gemeinsamen Umfrage, dem BaWü-Check, genauer wissen und arbeiten dafür mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) zusammen. Das IfD befragt viermal im Jahr im Auftrag der Tageszeitungen 1000 Menschen im Land, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten. Das IfD gehört zu den namhaftesten UmfrageInstituten Deutschlands. Auf den Rat der IfD-Chefin Renate Köcher greifen Vorstandsvorsitzende, Regierungschefs und Verbände zurück.

Die gedruckten Tageszeitungen in BadenWürttemberg erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen die Leserinnen und Leser auf den reichweitenstarken Online-Portalen der Tageszeitungen.