Auswertung für BW
: So viele Medikamente wie noch nie verschrieben

Immer mehr Arzneimittel werden verordnet. Das steigert die Kosten für Krankenkassen. Was die TK Baden-Württemberg für 2024 ausgewertet hat und wo das Land im Bundesvergleich steht.
Von
Ronja Engels
Stuttgart
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Tabletten: ILLUSTRATION - Wer mit seiner Antidepressiva-Therapie aufhören will, tut dies am besten nur mit engmaschiger ärztlicher Betreuung. (zu dpa: «Antidepressiva: Keine Angst vor Absetzsymptomen») Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Antidepressiva gehören zu den am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka. (Symbolbild)

Annette Riedl/dpa
  • Rekord bei Arzneimittelverschreibungen 2024 im Südwesten – 252 Tagesdosen pro Person (2023: 244).
  • Bedarf an Herz-Kreislauf-Medikamenten und Psychopharmaka steigt durch Demografie und Stress.
  • TK-Ausgaben hoch: Neue Medikamente kosten 50 % des Budgets, machen 6 % des Verbrauchs aus.
  • Südwesten unter Bundesdurchschnitt: 252 statt 285 Tagesdosen – Ausnahme Schilddrüsenmedikamente.
  • TK fordert Preisanpassung neuer Medikamente, kurzzeitig könnte reduzierte Umsatzsteuer helfen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Patientinnen und Patienten der Techniker Krankenkasse (TK) Baden-Württemberg haben 2024 so viele Medikamente wie noch nie seit Beginn der Auswertung in 2000 verschrieben bekommen, ermittelte die Landesvertretung in Stuttgart. Demnach erhielt eine bei der TK versicherte Erwerbsperson im Schnitt 252 Tagesdosen (2023: 244) im Wert von insgesamt 620 Euro (2023: 555). Durchschnittlich ging diese Person dreimal zum Arzt (2023: ebenfalls dreimal) und bekam 4,7 verschreibungspflichtige Medikamente (2023: 4,4).

Erwerbspersonen sind Berufstätige und Empfängerinnen und Empfänger des Arbeitslosengelds I. Bei der TK Baden-Württemberg sind das 638.000 Patientinnen und Patienten.

In den letzten 10 Jahren stieg die Anzahl der Verschreibungen um 14 Prozent an, sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung in einer Mitteilung. „Trotzdem liegen wir bei fast allen Produktgruppen unter dem Bundesschnitt, lediglich Schilddrüsenmedikamente werden hier im Südwesten etwas mehr benötigt.“ Nach Blutdrucksenkern (54 Tagesdosen) und Psychoanaleptika (20) wurden sie 2024 mit knapp 20 Tagesdosen am häufigsten verschrieben. Der Bedarf an Herz-Kreislauf-Medikamenten und Psychopharmaka stieg in den letzten 10 Jahren um 24 beziehungsweise 38 Prozent an. Gründe dafür sind der demografische Wandel und eine zunehmende Alltags- und Arbeitsbelastung, so Mussa.

Immerhin: Baden-Württemberg liegt mit der Medikamentenmenge weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt: 252 statt 285 Tagesdosen.

Medikamentenflut langfristig für die TK nicht tragbar

„Die Arzneimittelausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherung steigen seit Jahren. Das liegt zum einen an der wachsenden Anzahl an verordneten Medikamenten, zum Großteil aber an neuen patentgeschützten Arzneimitteln“, sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung. Diese neuen Medikamente machen nur einen Anteil von 6 Prozent im Verbrauch aus, kosten aber rund die Hälfte des Arzneimittelbudgets. Der Grund: Diese Medikamente liegen häufig im fünf- bis sechsstelligen Bereich, einzelne kosten über eine Million Euro.

Da dies für die Krankenkassen langfristig nicht bezahlbar ist, fordert die TK, dass sich die Preise an den tatsächlichen Entwicklungskosten orientieren sollten. Kurzfristig würde eine reduzierte Umsatzsteuer auf sieben Prozent helfen.