Agent in Balingen
: Familie Anschlag – Diese russischen Spione wohnten mitten unter uns

An einem ganz normalen Dienstag wird bei Balingen ein russischer Agent festgenommen. Auch seine Frau geht den Ermittlern ins Netz. Um das Spionage-Paar geht es in der neuen Folge „Akte Südwest“.
Von
Moritz Clauß
Balingen/Stuttgart
Heidrun (links) und Andreas Anschlag haben jahrelang unbemerkt in Deutschland spioniert. Im Jahr 2011 wurden sie festgenommen – und landeten vor Gericht.

Heidrun (links) und Andreas Anschlag haben jahrelang unbemerkt in Deutschland spioniert. Im Jahr 2011 wurden sie festgenommen – und landeten vor Gericht.

Marijan Murat/dpa
  • Russischer Agent Andreas Anschlag und seine Frau Heidrun spionierten jahrelang in Deutschland.
  • 2011 Festnahme durch die GSG9-Einheit; Anklage wegen Spionage für Russland.
  • Sie sammelten geheime Nato- und EU-Informationen und übermittelten sie nach Russland.
  • Podcast „Akte Südwest“ beleuchtet ihre Geschichte und den Spionageprozess in Stuttgart.
  • Ihre Identitäten wurden durch osteuropäischen Geheimdienst verraten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Von außen betrachtet wirkt alles ganz durchschnittlich, fast schon langweilig: Andreas und Heidrun Anschlag haben in Österreich geheiratet, dann ziehen sie nach Deutschland und gründen eine Familie. Er studiert und wird Spezialist für Spritzgießtechnik. Sie kümmert sich um die gemeinsame Tochter und den Haushalt. So leben die Anschlags ihr unauffälliges Leben, mehr als 20 Jahre lang, bis zu einem Dienstag im Oktober 2011. An diesem Tag schlägt die Spezialeinheit GSG9 zu. Andreas Anschlag wird in Dürrwangen in der Nähe von Balingen festgenommen, seine Frau geht den Ermittlern in einem Dorf in Hessen ins Netz. Der Grund für die Festnahmen: Die Anschlags sind russische Spione – und landen vor Gericht.

In der neuen Folge des Kriminalpodcasts „Akte Südwest“ geht es um die Geschichte des Agenten-Ehepaars, das jahrelang geheime Informationen ausgeforscht und nach Russland übermittelt hat. Angesetzt waren die Anschlags auf die Nato und die Europäische Union. Sie sollten geheime Dokumente beschaffen, aber auch an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen, um Eindrücke zu sammeln, erzählt der Journalist Raimund Weible in der Podcast-Folge. Weible hat über das Agenten-Ehepaar und den Prozess am Oberlandesgericht in Stuttgart berichtet. Für ihn steht fest: „Die Anschlags waren hochprofessionell.“

Hier gibt es Folge 50 von Akte Südwest

Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie geschickt sie sich Zugang zu sensiblen Informationen verschafften, ohne dass die deutschen Behörden auf sie aufmerksam wurden. Dafür knüpfte Andreas Anschlag auch einen Kontakt zu einem Beamten im niederländischen Außenministerium, der gegen Geld geheime Dokumente herausrückte – etwa zu Militäroperationen in Afghanistan und dem Nato-Raketenschutzschirm. Doch die Anschlags sammelten nicht nur Informationen, sie leiteten sie auch nach Russland weiter. Die Eheleute übermittelten Botschaften via Funk oder Satellit, aber unter anderem auch, indem sie Nachrichten in den Kommentarspalten von YouTube-Videos hinterließen. Ihr Nutzername: Alpenkuh1.

Spionageprozess in Stuttgart: „Für Agenten gilt eine Schweigepflicht“

Dass das spionierende Ehepaar schließlich doch geschnappt wurde, lag an einem Hinweis eines osteuropäischen Nachrichtendienstes an deutsche Behörden. Es kam zum Spionageprozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, bei dem das angeklagte Paar sich zu keinem der Vorwürfe äußerte. „Für Agenten gilt einfach eine Schweigepflicht, die Omertà“, sagt Raimund Weible, der es nicht für unwahrscheinlich hält, dass im Gerichtssaal auch Vertreter des russischen Geheimdienstes saßen, die das Verfahren und das Verhalten der Angeklagten genau beobachteten.

Wie kamen Heidrun und Andreas Anschlag an ihre falschen Identitäten? Was wusste die Tochter des Spionage-Ehepaars von den Aktivitäten der Eltern? Und welches Urteil fällte das Gericht am Ende des aufwendigen Verfahrens? Im Gespräch mit Moderator Moritz Clauß beantwortet Raimund Weible diese und weitere Fragen in der Folge von Akte Südwest – und er erklärt, warum der Prozess auch für ihn etwas ganz Besonderes war.

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