Asiatische Hornisse
: Bürger sollen Nester bekämpfen – dafür gibt es Geld vom Land

Noch ist Winter, doch in diesem Jahr wurden bereits die ersten eingeschleppten Insekten gesichtet. Das Land Baden-Württemberg fördert die Entfernung der Nester durch einen Profi.
Von
Petra Walheim
Stuttgart
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Die Asiatische Hornisse ist in Ulm angekommen. Das erste Nest ist ausgerechnet an einer Schule am Kuhberg entdeckt worden.

Ein Nest der Asiatischen Hornisse in einem Baum. So lange die Nester noch kleiner sind, kann man leichter gegen sie vorgehen.

Volkmar Könneke; Axel Heimken dpa
  • Asiatische Hornisse breitet sich rasant entlang von Flüssen aus; erste Funde bei Heidelberg, Karlsruhe.
  • LUBW meldet dieses Jahr sechs Exemplare; Zahlen der Vorjahre explodierten.
  • Land fördert Nestentfernung vom 1. Mai bis 31. Juli mit 60 Euro pro Nest.
  • Entfernen nur durch geschulte, registrierte Nestentferner; Selbstentfernung riskant.
  • Funde sofort über LUBW melden; Fotos/Bestimmungshilfen online, Förderung über Imkerverband.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Noch ist Winter, doch Mitte Januar kletterten die Temperaturen für eine kurze Phase über die Zehn-Grad-Marke. Vor allem entlang des Rheins, dort, wo die Temperaturen sowieso immer etwas höher sind als im Rest des Landes, war es angenehm mild, fast schon frühlingshaft. Das hat auch die Asiatischen Hornissen belebt, die in Holzstapeln oder sonstigen Verstecken überwintert haben. Sie krochen aus ihren Löchern – und wurden entdeckt.

Im Raum Heidelberg und Karlsruhe, bei Freiburg und im Markgräflerland wurden die ersten Exemplare des Jahres gesichtet. Und weil die Finder die Tiere flugs über die Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) gemeldet haben, landeten sie sogleich auf der interaktiven Karte, die der LUBW auf seinen Internetseiten betreibt.

Zahl der Funde ist zuletzt explodiert

Es sind die ersten sechs Exemplare dieses Jahres im Land. Dabei wird es nicht bleiben. Wer sich die Statistik der LUBW der vergangenen Jahre anschaut, sieht, dass die Zahlen der Einzeltierfunde und Nester im Land geradezu explodieren.

Im Jahr 2024 wurden 1470 Nester und 3302 Einzeltierfunde registriert. 2025 waren es bereits 3249 Nester und 6923 Einzeltierfunde. „Wir werden die Insekten nicht mehr los. Sie werden bleiben.“ Davon ist Sabine Holmgeirsson überzeugt. Sie ist Fachbeauftragte für Wildbienen beim Landesverband Baden-Württemberg des Naturschutzbunds (Nabu).  „Das Bundesamt für Naturschutz hat sie als etabliert eingestuft. Dabei bleibt sie trotzdem invasiv.“

Das heißt, sie schadet heimischen Arten, und sie kann im Obst- und Weinbau sowie in der Imkerei große Schäden anrichten. „Sie knabbert in den Weinbergen die Trauben an und saugt den süßen Traubensaft auf, um an Zucker zu gelangen“, sagt die Expertin. Dabei seien auch die Winzer gefährdet, die im Weinberg arbeiteten. Die würden von den aggressiven Asiatischen Hornissen gestochen. „Da kann es heftige allergische Reaktionen geben.“ Das gleiche gilt für den Obstbau: Auch da stechen die Insekten in die Früchte. Bei den Imkern sind die Bienenvölker bedroht, weil die Hornissen einzelne Bienen oder auch das ganze Volk attackieren. „Bei schwachen Bienenvölkern kann es vorkommen, dass die Hornissen in den Stock eindringen.“

Die einzige Möglichkeit, die massive Ausbreitung der Insekten zu bremsen, ist, deren Nester zu entfernen. Im Idealfall gleich die Embryonal- und Primärnester. Nach Auskunft des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) beginnen die Jungköniginnen bereits Ende Februar/Anfang März mit dem Bau der zunächst kleinen Embryonalnester. „Die können in Garagen, Scheunen, Carports, in Hecken, auf Terrassen und Balkonen hängen“, sagt Sabine Holmgeirsson.  Das Gute an diesen Nestern ist, dass sie sich noch einigermaßen in Reichweite befinden, also in zwei, drei Metern Höhe. „Die großen Sekundärnester, die im Sommer gebaut werden, hängen in 20 bis 30 Metern Höhe“, sagt die Expertin. Der Aufwand, die zu entfernen, sei enorm.

Embryonalnester sofort entfernen

Um den Anfängen zu wehren, setzt das MLR auf die Mithilfe der Bevölkerung: „Diese kann durch das Entfernen der Embryonalnester, die gerne im Siedlungsbereich an Dachvorsprüngen, Rollladenkästen und so weiter gebaut werden, einen äußerst wichtigen Beitrag dazu leisten, dass es gar nicht zum Bau von Primär- oder Gründungsnester kommt“, informiert die Pressestelle des MLR. Werden doch Primärnester gebaut, ist es höchste Zeit für die Bekämpfung. Um in der Bevölkerung einen Anreiz zu schaffen, die Nester entfernen zu lassen, fördert das Ministerium im Zeitraum vom 1. Mai bis 31. Juli dies mit 60 Euro pro Nest. Insgesamt stünden 95.000 Euro für über 1500 Nestentfernungen zur Verfügung.

Wichtig dabei ist, das Nest von einem geschulten und registrierten Nestentferner abhängen zu lassen. Deren Zahl konnte im zweiten Quartal 2025 nach Auskunft des MLR von 40 auf 205 erhöht werden. Und es sollen noch mehr werden. Mit der Zahl der Asiatischen Hornissen sollte auch die Zahl der Nestentferner steigen. Das Ministerium und auch Sabine Holmgreisson raten dringend davon ab, so ein Nest selbst zu entfernen. Die Gefahr, dass Menschen beim Kontakt mit dem Nest gestochen werden, sei groß, ebenso das Risiko, allergisch darauf zu reagieren.

Jede Asiatische Hornisse oder ihr Nest sofort melden

Wer ein Nest oder auch ein Einzeltier entdeckt, sollte dies auf der Meldeplattform der LUBW melden. Dort wird geprüft, ob es sich überhaupt um die Asiatische Hornisse handelt. „Es kann durchaus zu Verwechslungen mit geschützten einheimischen Wespen- und Hornissen-Arten kommen. Daher ist es wichtig, dass man sich den Fund bestätigen lässt“, informiert der Badische Imkerverband. Er hat die Abwicklung des Förderprojekts übernommen und bildet außerdem die Nestentferner aus. Auf der Meldeplattform der LUBW und auf der Homepage der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim gibt es zahlreiche Fotos und Bestimmungshilfen für die Asiatische Hornisse.

Handelt es sich um das invasive Insekt, bekommt der Finder von der Landesanstalt für Bienenkunde unter anderem eine Liste der aktuell ausgebildeten Nestentferner sowie Schädlingsbekämpfer. Bevor ein Nestentferner beauftragt wird, sollte geklärt werden, ob er an dem Förderprogramm des MLR teilnimmt. Denn nur dann ist die Nestentfernung für den Finder kostenlos.

Asiatische Hornisse ist nicht mehr aufzuhalten

Der Landesverband Badischer Imker beobachtet seit dem ersten Fund einer Asiatischen Hornisse in Baden-Württemberg in Waghäusel bei Karlsruhe im Jahr 2014 eine exponentielle Ausbreitung. Zunächst waren vor allem Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim, sowie Gemeinden an der Rheinschiene betroffen. Seit dem vergangenen Jahr sei die Asiatische Hornisse flächendeckend in Baden aufgetreten, so der Imkerverband. Auch wenn es lokale Unterschiede in der Häufigkeit der Sichtungen und dem Beflug an Bienenstöcken gebe. Auch im württembergischen Raum seien seit 2025 vermehrt Sichtungen gemeldet und Nester entfernt worden, so der Imkerverband. „Wir gehen davon aus, dass die Nester ab diesem Jahr in ganz Baden-Württemberg entdeckt werden. Wir betrachten diese Ausbreitung mit großer Sorge.“