Was Experten raten: Spezialsprechstunde für den Sport

Klinikgruppe Christophsbad Dr. med. Karsten Henkel Leiter d. Sprechstunde für Sportpsychiatrie und -psychotherapie
BildnachweisKörper und Seele sind eine Einheit. Geraten beide Komponenten aus dem Gleichgewicht, leidet das psychische Wohlbefinden. „Dann wird ein selbstbestimmtes und zufriedenstellendes Leben unmöglich“, wie Professor Nenad Vasic Ärztlicher Direktor am Klinikum Christophsbad, erklärt.
Aufgrund hoher physischer und psychischer Anforderungen im Leistungssport und dem damit verbundenen Druck, Leistungsdefizite zu verhindern, stellen Sportler oftmals eine übersehene Gruppe hinsichtlich psychischer Erkrankungen dar. „Doch auch mental starke Menschen, wie Leistungssportler können psychisch erkranken“, stellt Dr. Karsten Henkel, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie am Klinikum Christophsbad, fest.
Das Göppinger Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie steht daher mit einem innovativen Projekt in den Startlöchern: einer sportpsychiatrischen Sprechstunde. Dr. Karsten Henkel, der als stellvertretender Leiter des Referats Sportpsychiatrie und -psychotherapie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) vertritt, weiß: Hier tun sich ganz andere Hürden auf.
Körperliche Anzeichen einer Depression
Körperliche Anzeichen interpretieren Leistungssportler oftmals als Trainingsreiz und verdrängen diese im leistungsorientierten Umfeld. Sportler sind es gewohnt, dass der Körper mitunter mit negativen Reaktionen wie Schmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung antwortet. Gerade bei Leistungssportlern führt dies zur Tendenz, die unerwünschten Symptome zu unterdrücken oder zu ignorieren. „Auch eine Depression kann körperliche Beschwerden verursachen. Wenn die Erholungsphase ungewöhnlich lange dauert und sich Schlafstörungen, innere Unruhe und Appetitveränderungen dazugesellen, sollten Leistungssportler handeln und sich professionelle Unterstützung holen“, rät der Fachmediziner.
Unabhängige Spezialsprechstunde
„Wir gehen auf die Bedürfnisse aktiver und ehemaliger Leistungssportler ein und bieten eine spezialisierte und vereinsunabhängige Anlaufstelle. Es ist uns wichtig, auf die Bedürfnisse des Einzelnen einzugehen und flexibel auf die Anforderungen zu reagieren. Der Erstkontakt erfolgt auf Wunsch auch anonym.“
Die Aktivitäten zum Thema Sportpsychiatrie und –psychotherapie betreffen allerdings nicht nur die Sprechstunde für Sportler. „Die Behandlung von psychischen Erkrankungen durch den gezielten Einsatz von Bewegung, körperlichem Training und Sport im ambulanten und stationären Setting stellt eine zweite Säule dar.“
Zur Person
Dr. med. Karsten Henkel ist Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, Geriatrie, Spezielle Schmerztherapie, Suchtmedizinische Grundversorgung.
Die sportpsychiatrische Sprechstunde soll Teil des Netzwerks „Zentren für seelische Gesundheit im Sport“ des Referats für Sportpsychiatrie- und psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) werden.
Zum Akutplankrankenhaus Christophsbad gehören neun chefärztlich geleitete Kliniken, die den Patienten umfassend und ganzheitlich betreuen.
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