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: Keramikimplantate in der Zahnheilkunde

Können Metalle im Mund körperliche Beschwerden auslösen? Dr. Jochen Mellinghoff nimmt zu dieser Frage Stellung und erläutert die Bedeutung der Biokompatibilität.
Von
Julika Nehb
Ulm
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Oben links: Freigelegtes und fest im Knochen eingeheiltes Implantat. Oben rechts: Röntgenkontrolle. Unten links: Eingesetzte Keramikkrone von oben betrachtet. Unten rechts: Dieselbe Krone, von der Seite betrachtet.

Oben links: Freigelegtes und fest im Knochen eingeheiltes Implantat. Oben rechts: Röntgenkontrolle. Unten links: Eingesetzte Keramikkrone von oben betrachtet. Unten rechts: Dieselbe Krone, von der Seite betrachtet.

Praxis Mellinghoff

In den letzten Jahren haben die Anfragen nach metallfreien Werkstoffen zur Füllungstherapie oder der Herstellung von Zahnersatz in Form von Kronen und Brücken in unserer Praxis stetig zugenommen. Aktuell besonders aufgrund des Beschlusses aus Brüssel, der die Verwendung von Amalgam bei Füllungen beenden wird. Da Zahnimplantate in der Regel auch aus Metall bestehen, rücken die Bedenken aus der Amalgamzeit nun in den Fokus, wenn es um vorhandene oder geplante Versorgungen mit Implantaten geht. Die aktuelle Frage lautet: Können Metallimplantate körperliche Beschwerden auslösen?

Krankengeschichten wie die folgende haben viele Patientinnen und Patienten entweder schon selbst erfahren oder davon gehört: „Das Schlimmste für mich ist meine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Es fing mit einer harmlosen, leichten Müdigkeit bei den täglichen Aufgaben an. Dazu kam eine höhere Infektanfälligkeit. Das hat sich im Laufe der Jahre so weit aufgebaut, dass ich mich fast immer erschöpft fühle, obwohl mir meine Aufgaben eigentlich nicht besonders schwer vorkommen. Wenn ich mir ärztlichen Rat suche, wird häufig meine psychische Gesundheit verantwortlich gemacht. Inzwischen weiß ich kaum noch, ob nun meine Psyche oder mein Körper krank ist.“

Wenn Expertise erforderlich ist

Da sich hieraus auch die Frage ergibt, ob Dentallegierungen bei Zahnersatz oder Implantaten im Kieferknochen für die Entstehung der beschriebenen Symptome verantwortlich oder mit verantwortlich sind, sind wir als Zahnärzte gefordert. Um fundiert beraten zu können, muss eine Menge an Meinungen und wissenschaftlicher Literatur verarbeitet und bewertet werden. Dazu ist Erfahrung hilfreich.

Dr. Jochen Mellinghoff und Dr. Vereny Zimny

Dr. Jochen Mellinghoff und Dr. Vereny Zimny

Privat

In unserer Praxis hat sich die Verwendung von Titanimplantaten seit drei Jahrzehnten erfolgreich bewährt. Seit 2004 beschäftige ich mich mit Anfragen von Patientinnen und Patienten nach „Metallfreiheit“. Dabei sind fachliche Vorgaben sowie die Sorge vor Materialunverträglichkeiten zu beachten. Nach 20 Jahren im Umgang mit Keramikimplantaten bestätigt sich, dass diese nicht in allen, jedoch in immer mehr Fällen eine Alternative darstellen. Die Entwicklung von Keramikimplantaten wird von Weltmarktführern der Titanimplantologie vorangetrieben.

Keramikimplantat aus Zirkon­dioxid als Einzelzahnersatz

Zirkondioxid wurde vor 25 Jahren in der Zahnheilkunde als dentale Keramik eingeführt. Das Material verfügt über außerordentliche Eigenschaften: eine hohe Biegefestigkeit von über 1000 Megapascal, eine Härte von 1200-1400 Vickers und einer partiellen Stabilisierung durch Yttrium. Durch die Zugabe von Aluminiumoxid kann die Biegefestigkeit weiter gesteigert werden. Zur Veranschaulichung dient hier der Ersatz einer Zahnwurzel mit einem Keramikimplantat aus Zirkondioxid und dessen metallfreier prothetischer Versorgung (Abb. 1-4). Es handelt sich um den ersten oberen Backenzahn im linken Oberkiefer. Die Behandlung wurde von Juli 2004 bis Februar 2005 in unserer Praxis durchgeführt; Implantat und Krone sind nunmehr seit 19 Jahren zur vollsten Zufriedenheit rund um die Uhr im Einsatz und werden wie ein natürlicher Zahn empfunden.

Die zahnärztliche Werkstoffkunde

Zur Zeit meiner Ausbildung zielte man auf eine möglichst exakte, technisch verbesserte und ästhetisch akzeptable Zahnmedizin ab. Dabei wurde der Gewebeverträglichkeit bzw. der Biokompatibilität der verwendeten Materialien kaum Beachtung geschenkt. Dies hat sich inzwischen grundlegend verändert. Die Berücksichtigung der Verträglichkeit zahnmedizinischer Materialien hat einen hohen Stellenwert.

Doch was bedeutet „Biokompatibilität“?

Wenn ein selbst nicht lebensfähiges Material zur Inkorporation in einem biologischen System, z.B. einen Menschen, gedacht ist, wird es als Biomaterial bezeichnet. Die individuelle Akzeptanz des Biomaterials im Menschen ergibt seine klinische Biokompatibilität.

So, wie über Jahrhunderte hinweg bei vielen Menschen Amalgamfüllungen gelegt wurden, bevor das Gemisch aus Metallen und Quecksilber in Verruf geriet, werden heute Millionen von Patientinnen und Patienten Titanimplantate eingesetzt. Es steht zu hoffen, dass die bisherige Unbedenklichkeit erhalten bleibt. Andererseits gibt es schon jetzt metallfreie Implantate und wir halten es für vorausschauend und interessant, diese genauer zu betrachten.

Fazit: Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist für jede Person interessant, bei der zahnärztliche Materialien langfristig eingesetzt werden sollen.

Dr. med. dent. Jochen Mellinghoff, PhD, Msc.
Dr. med. dent. Verena Zimny

Jochen Mellinghoff und Verena Zimny sind in eigener zahnärztlicher Praxis mit den Tätigkeitsschwerpunkten orale Chirurgie, Parodontologie, Endodontologie, Aligner und Implantologie niedergelassen. Die Tätigkeiten von Dr. Mellinghoff als Autor, internationaler Referent und Berater erhöhen die Kompetenz der Praxis und ihrer Mitarbeitenden. Dazu unterhält die Praxis Mitgliedschaften in verschiedenen nationalen und internationalen Vereinigungen. Dr. Mellinghoffs Ehrenpräsidentschaft in der EACim (European Association of Ceramic Implants) rundet das Praxisprofil ab.

Kontakt

Praxis für Zahnheilkunde
Dr. Mellinghoff und Kollegen
Pfauengasse 14
89073 Ulm
Tel.: 0731 / 62158
Fax: 0731 / 610196
E-Mail: praxis@dr-mellinghoff.de
www.dr-mellinghoff.de