Was Experten raten: Gelenkerhalt und Gelenkersatz am Campus Nord
Die Spezialisten für Gelenkerhalt und Gelenkersatz der Klinik für Orthopädie: PD Dr. Tobias Freitag, Prof. Dr. Heiko Reichel (beide Hüft- und Kniegelenkersatz), Prof. Dr. Thomas Kappe (Schulter- und Sportorthopädie), Prof. Dr. Daniel Dornacher (Hüfterhaltende Chirurgie, v. l. n. r.).
Universitätsklinikum UlmGelenkerhaltende Eingriffe – minimal invasiv, aber maximal effektiv
Ob angeborene Fehlstellungen, Knorpelschäden oder Sehnenrisse: Viele Verschleißerscheinungen und Verletzungen an den Gelenken des Körpers können behandelt und so ihre Funktionsfähigkeit langfristig erhalten werden. „Häufig ist eine annähernd normale Belastbarkeit und auch Sportfähigkeit nach einer gelenkerhaltenden Operation möglich – fast wie bei einem gesunden Gelenk“, sagt Prof. Dr. Daniel Dornacher. Er nimmt komplexe Umstellungsoperationen am Becken und Hüftgelenk vor oder korrigiert in Schlüssellochtechnik subtile Fehlstellungen am Oberschenkelknochen, die zum sogenannten Hüftimpingement führen. „Operationstechnisch hat sich am Hüftgelenk in den letzten Jahren viel getan“, führt der Hüftspezialist aus, „sodass Verschleißerscheinungen frühzeitig und effektiv behandelt werden können.“ So kann das Labrum, der Dichtungsring der Hüfte, heute mittels minimalinvasiver Arthroskopie wieder befestigt werden. „Dazu ist kein großer Hautschnitt nötig“, so Dornacher weiter. Durch den technischen Fortschritt haben sich die Behandlungsmöglichkeiten zum Erhalt des Hüftgelenkes enorm verbessert. So können viele Krankheitsbilder heute besser verstanden und wirksam behandelt werden.

Minimalinvasive gelenkerhaltende Maßnahmen: Arthroskopische Naht eines gerissenen Meniskus im Kniegelenk (links). Knorpeltransplantation an der Rückseite der Kniescheibe (rechts).
Universitätsklinikum UlmFrüh reagieren, bevor die Gelenke kaputtgehen
Selbst wenn sich die Gelenke abnutzen und die Arthrose bereits beginnt, kann vielen Patienten geholfen werden. „Am liebsten sehen wir unsere Patienten, bevor die Gelenke kaputtgehen, wenn die Knorpelschäden noch lokal begrenzt sind“, führt Prof. Dr. Thomas Kappe aus. „Dann kann eine Knorpeltherapie, beispielsweise eine Knorpeltransplantation, durchgeführt werden. Damit wird das Gelenk im Optimalfall dauerhaft erhalten.“ Zusätzlich sind meist weitere Therapiemaßnahmen erforderlich. Am Kniegelenk ist dies oft eine Achskorrektur, die sogenannte Umstellungsosteotomie, bei der die Lastverteilung im Knie durch eine Begradigung des Beines verbessert wird. „Auch wenn die Arthrose bereits begonnen hat, aber noch nicht zu weit fortgeschritten ist, kann eine solche Operation gut funktionieren“, berichtet der Knie- und Schulterspezialist. „Idealerweise beginnen wir natürlich mit der Behandlung, bevor Folgeschäden entstehen.“ Dabei kommt dem Sport als „Frühwarnsystem“ eine besondere Bedeutung zu: „Was sich heute bei sportlicher Belastung bemerkbar macht, tut in einigen Jahren schon im Alltag weh.“ Auch am Schultergelenk sind derartige Eingriffe längst Standard, denn jede Sehnennaht, jede Schleimbeutelausräumung ist eine Maßnahme, um die Funktion der Schulter zu erhalten. Entscheidend ist, für jeden Patienten die richtige Therapie zu finden: Oft lassen sich Gelenke noch lange funktionsfähig erhalten. Ist der Verschleiß jedoch zu weit fortgeschritten, kommt ein Kunstgelenk in Frage – egal ob am Knie, an der Hüfte oder an der Schulter.

Moderner Gelenkersatz: Kurtzschaftendoprothese für das Hüftgelenk.
Universitätsklinikum UlmKünstlicher Hüft- und Kniegelenksersatz – eine Erfolgsgeschichte
Die Hüft- oder Kniegelenkendoprothetik befreit den Patienten von seinen Schmerzen und ermöglicht Mobilität und Lebensqualität bis ins hohe Alter. Der Gelenkersatz wurde in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ deshalb auch als „Operation des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Aus mehreren Endoprothesenregistern geht hervor, dass Prothesen bei 90 Prozent der Patienten noch nach 15 Jahren gut funktionieren. Bei vielen Menschen beträgt die Haltbarkeit einer Endoprothese im Körper heute sogar 20 Jahre oder mehr. Die Notwendigkeit eines Gelenkersatzes wird gemeinsam mit dem Patienten in spezialisierten Sprechstunden der Hochschulambulanz der Klinik für Orthopädie besprochen. Diese Sprechstunden werden, wie auch alle endoprothetischen Eingriffe, von sogenannten Hauptoperateuren geleitet. Die Ernennung zum Hauptoperateur erfolgt im Rahmen der jährlichen Rezertifizierungen des EndoProthetikZentrums der Maximalversorgung (EPZmax), die die Klinik seit 2014 erfolgreich absolviert hat.
Minimalinvasive Operationen beim Hüftgelenkersatz
Die Hüftoperationen erfolgen am Campus Nord unter Verwendung von herz- und kreislaufschonenden Narkoseverfahren; dabei werden keine Katheter oder Drainagen mehr eingesetzt („schlauchloses Operieren“). Ein modernes Blut- und Schmerzmanagement sorgt dafür, dass der Blutverlust so gering wie möglich ist und der Patient während der OP und auch danach schmerzfrei bleibt. Die Implantation der Prothese erfolgt in minimalinvasiver Technik: Die gelenkumspannende Muskulatur wird nicht durchtrennt, sondern schonend auseinandergehalten, sodass sie nach dem Eingriff sofort wieder funktionsfähig ist. „Wenn die Knochenqualität dies zulässt, setzen wir an der Hüfte bevorzugt knochensparende Kurzschaftendoprothesen ein“, sagt PD Dr. Tobias Freitag, Endoprothetikspezialist der Klinik. „Bei älteren Patienten mit schwächerer Knochenqualität wird der Hüftschaft meist einzementiert, um auch in diesen Fällen eine sofortige Belastung nach der OP zu ermöglichen.“ Denn: Jeder Patient sollte bereits am Abend nach der OP aufstehen und die ersten Schritte z. B. zur Toilette gehen können.

Robotisch-assistierter Kniegelenkersatz. Die Fräsebene wird vom Roboter zehntelmillimetergenau vorgegeben.
Annette Cardinale / Universitätsklinikum UlmRobotik: höchste Präzision beim Kniegelenkersatz
Seit 2020 arbeitet die Klinik mit robotischer Unterstützung beim Kniegelenkersatz. Das Robotik-System besteht im Wesentlichen aus einer Infrarotnavigation und einer robotergesteuerten Hochgeschwindigkeitsfräse. Nachdem der Operateur das Kniegelenk eröffnet hat, tastet er mit einem Fühler des Roboters die Gelenkflächen des Knies ab und analysiert die Bewegungsmuster sowie die Bandspannung des Gelenkes. Dann schlägt der Roboter eine individuell an den Patienten angepasste Position der Gelenkkomponenten vor. „Der erfahrene Operateur überprüft diese OP-Planung, kann diese noch weiter optimieren und dann mit Hilfe der robotisch-gesteuerten Fräse, die von der Hand des Operateurs geführt wird, zehntelmillimetergenau umsetzen“, erläutert Prof. Dr. Heiko Reichel, Ärztlicher Direktor der Klinik. „Der Roboter ist insbesondere für stärkere Fehlstellungen sowie für den Teilgelenkersatz des Knies geeignet und kann in diesen Fällen eine bessere Gelenkfunktion ermöglichen.“ Selbstverständlich werden künstliche Kniegelenke auch weiterhin von erfahrenen Operateuren händisch eingesetzt; welche Methode zum Einsatz kommt, wird vor der Operation mit dem Patienten besprochen.
Eigenverantwortung des Patienten
Nach jeder Endoprothesenimplantation sollte eine gute Anschlussheilbehandlung erfolgen. Diese wird am Campus Nord im benachbarten Patientenhotel
RECOVER auf hohem Niveau angeboten. Etwa fünf Tage nach der OP kann der Patient in die angeschlossene Reha-Einrichtung umziehen; er erhält dort eine kompetente Nachbehandlung durch versierte Krankengymnasten, Masseure und Sporttherapeuten – und genießt dabei den besten Hotelstandard. Für die gute Langzeitfunktion der implantierten Endoprothese tragen die Patientinnen und Patienten eine hohe Eigenverantwortung. In den ersten 3 bis 6 Monaten nach der OP sollte die gelenkumgreifende Muskulatur gekräftigt und weitgehend auf sportliche Betätigung verzichtet werden. Danach sind gleitende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf oder Nordic Walking problemlos möglich. Bedingt geeignet sind Tennis, Tischtennis, Kegeln, Bergwandern und Alpinskifahren. Sprünge und hohe Belastungsspitzen sollten auch im Alltag möglichst vermieden werden.

Universitätsklinikum Ulm: Klinik für Orthopädie
Oberer Eselsberg 45, 89091 Ulm
E-Mail: sekretariat.orthopaedie@uniklinik-ulm.de
Tel.: 0731 177 2000
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