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: Rückenschmerzen – von akut bis chronisch

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit und eine der häufigsten Ursachen für Bewegungseinschränkung, Arbeitsunfähigkeit oder chronische Beschwerden.
Von
Julia Haaga
Ulm
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Privat-Dozent Dr. Timo Zippelius (2. v. r.) mit dem Team der Sektion Wirbelsäule.

Privat-Dozent Dr. Timo Zippelius (2. v. r.) mit dem Team der Sektion Wirbelsäule.

RKU

„Die menschliche Wirbelsäule hat eine tragende und eine schützende Funktion“, wie Privatdozent Dr. Timo Zippelius, Leiter der Sektion Wirbelsäule an der Orthopädischen Universitätsklinik Ulm am RKU, erklärt. „Durch ihre Struktur erlaubt sie einerseits den aufrechten Gang und trägt die Last des Körperstamms und der Glieder, zum anderen schützt und umschließt die Wirbelsäule das Rückenmark. Eine gesunde Wirbelsäule, bestehend aus den Segmenten Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, ist bei vorderer Ansicht gerade und hat in der seitlichen Sicht einen Doppel-S-förmigen Schwung. Ebenso wie andere Organe kann auch die Wirbelsäule von diversen Erkrankungen betroffen sein“, erläutert Zippelius.

An der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU wird das gesamte Spektrum der Wirbelsäulenorthopädie behandelt. „Von degenerativen Erkrankungen wie der Spinalkanalstenose, über Fehlbildungen wie Skoliosen oder Kyphosen, Infektionen der Wirbelsäule, Tumore bis hin zu Frakturen bei Osteoporose.“

Die Orthopädische Universitätsklinik verfügt über eine der größten Schmerzambulanzen in Baden-Württemberg, die das gesamte Spektrum der orthopädischen Behandlung von Patienten mit Rückenleiden anbietet. Von der Infiltration beim Bandscheibenvorfall über minimal-invasive Operationen bis zur multimodalen Schmerztherapie oder Skoliose-Operation. Neben der chirurgischen Versorgung besteht außerdem die Möglichkeit der ambulanten oder stationären Schmerztherapie. Zentrale Behandlungsziele? „Die Schmerzreduktion, die Wiederherstellung der Funktion und die Steigerung der Kompetenz des Patienten im Umgang mit der Erkrankung“, so der Experte.

Die nicht-operativen Verfahren reichen von physikalischen Therapiemaßnahmen mit Physio- und Balneotherapie sowie Strom- und Ultraschallanwendungen bis zur Musik- und Kunsttherapie. „Auch Kinesiotaping und chinesische Medizin sind Teil unseres Behandlungsspektrums. In enger Zusammenarbeit mit Orthopäden, Schmerztherapeuten, Psychologen, Physiotherapeuten sowie Sozial- und Ergotherapeuten wird gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Behandlungskonzept erarbeitet.“

Minimal-invasive Behandlungsmethoden

Operationen an der Wirbelsäule sind komplexe, chirurgische Verfahren. „Bei einem Bandscheibenvorfall als schmerzauslösende Ursache kann eine minimal-invasive Operation in „Schlüsselloch-Technik“ durchgeführt werden“, erklärt der Sektionsleiter. „Durch die OP-Technik wird nur ein kleiner Schnitt benötigt. Der Bandscheibenvorfall kann unter dem Mikroskop für die Chirurgen vergrößert dargestellt und entfernt werden. Dank dieses schonenden Operationsverfahrens sind Patienten innerhalb weniger Tage deutlich schmerzgelindert und wieder mobil.“ In einigen Fällen ist eine minimal-invasive Variante nicht ausreichend. „Beispielsweise bei Patienten mit Wirbelgleiten und Spinalkanalstenose. Durch die gestörte Statik der Wirbelkörper ist die Rekonstruktion der Anatomie notwendig. Um die schmerzauslösenden Strukturen ruhigzustellen, wird eine ,Versteifung’ angestrebt. Im Zuge der Dekompression der eingeengten Nerven oder des Rückenmarks wird Knochen abgetragen, welcher vorher für Stabilität gesorgt hat. Hierfür werden Schrauben in die einzelnen Wirbelkörper eingebracht und mit Längsträgern verbunden, um diese Stabilität zu gewährleisten.“

Navigierte Implantatverfahren

Das Einbringen der Implantate erfolgt mittels Navigationssystem. „Schrauben und andere Implantate können dadurch exakt im Knochen verankert werden“, verdeutlicht Zippelius, der bereits als Assistenzarzt an der Berliner Charité seinen Fokus auf die Wirbelsäule gelegt hat. „Während der OP lässt sich mit der Navigation die Lage der Implantate überprüfen und korrigieren.“ Zur größtmöglichen Patientensicherheit: „Das Risiko einer Implantatfehllage sinkt dadurch auf unter ein Prozent.“ Bei Bedarf kann nach der Behandlung eine Rehabilitationsmaßnahme mit Aufenthalt im Klinikhotel Recover geplant werden. „Dies garantiert eine zügige Weiterbehandlung und maximalen Therapieerfolg.“

Skoliosetherapie mit Behandlungserfolg

Ein besonderes Augenmerk legt der Wirbelsäulenspezialist auf die Behandlung kindlicher Deformitäten der Wirbelsäule. „Gerade im Wachstumsalter sind Deformitäten ein Problem. Bei Kindern lassen sich Verkrümmungen der Wirbelsäule besser korrigieren als bei Erwachsenen.“ Schon der Verdacht einer verkrümmten Wirbelsäule (Skoliose) sollte Eltern daher aufrütteln. Ist die Fehlbildung gering ausgeprägt kann eine Korsetttherapie eingeleitet werden, um die Krümmung und das Wachstum der Wirbelsäule günstig zu beeinflussen. Bei starken Verkrümmungen im Wachstumsalter bleibt manchmal nur die Empfehlung für eine operative Therapie, um Langzeitfolgen vorzubeugen.

Dr. Zippelius rät Eltern, Kinder zu mehr Bewegung zu ermutigen. „Ein Sport, der Kindern Freude bereitet – egal, ob Schwimmen, Tanzen, Kampfsport oder Fußball. Um dem buchstäblichen „Morbus Facebook“, Bewegungsmangel durch zu viel Sitzen am PC und Spielen am Smartphone, entgegenzuwirken.

Orthopädische Universitäts­klinik am RKU

Professor Dr. med. Heiko Reichel;
Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU

Gelenke. Bewegen. Menschen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, ich darf Ihnen auf dieser Seite einige wichtige Schwerpunkte der Orthopädischen Universitätsklinik Ulm zum Thema „Gesunde Gelenke, starker Rücken“ vorstellen. Die Gelenke des menschlichen Körpers und der Wirbelsäule sind extrem wichtig für unsere tägliche Lebensqualität. Die Wirbelsäule ist unsere zentrale „Tragsäule“, besteht aber ihrerseits aus 24 beweglich verbundenen Wirbeln mit unzähligen Gelenken. Ein gesundes Wechselspiel aus Stabilität und Mobilität sorgt für unser Wohlbefinden, lässt uns Alltag und Beruf bewältigen, ist Voraussetzung für jegliche sportliche Betätigung – kurzum: Gelenke und Wirbelsäule halten uns in Bewegung. Der überwiegende Inhalt dieser Seite wurde durch die Sektion Wirbelsäule der Orthopädischen Universitätsklinik gestaltet. Leiter der Sektion Wirbelsäule ist Herr Privatdozent Dr. med. Timo Zippelius, der seine orthopädische und wirbelsäulenchirurgische Fort- und Weiterbildung an der Charité Berlin und am Universitätsklinikum Jena absolviert hat und seit letztem Jahr nun das Wirbelsäulen-Team am RKU verstärkt. Die Behandlung von Erkrankungen und Deformitäten der Wirbelsäule sollte stets eine Einheit aus konservativen und – falls notwendig – operativen Inhalten sein. Die allermeisten degenerativen „Verschleißerkrankungen“ der Wirbelsäule lassen sich sehr wirksam durch Muskelkräftigung, Physiotherapie, Medikamente und ggf. wirbelsäulennahe Injektionen behandeln. Nur therapieresistente schwerste Schmerzzustände und starke Funktionseinschränkungen wie Lähmungen machen ein schnelles operatives Handeln erforderlich. Gleiches gilt für die meisten Deformitäten der Wirbelsäule. Das zeigt die Behandlung der sogenannten idiopathischen Skoliose, einer dreidimensionalen Wirbelsäulenverkrümmung, sehr deutlich. Frühformen im Kindesalter sollten durch spezielle Krankengymnastik behandelt werden und auch stärkere Deformitäten können bis zum Wachstumsabschluss noch durch Korsetttherapie positiv beeinflusst werden. Erst bei stärksten Deformitäten oder schnellem Fortschreiten der Krümmung ist ein operatives Eingreifen indiziert. Auch bei jedem zweiten Patienten mit „Verschleiß“ der Extremitätengelenke (sog. Arthrose) liegt die Ursache in einer angeborenen oder erworbenen Fehlstellung oder in unfallbedingten Vorschäden. Mit Hilfe gelenkerhaltender Maßnahmen kann in solchen Fällen die Entstehung oder das Voranschreiten der Arthrose wirksam verzögert und lange eine gute Gelenkfunktion aufrechterhalten werden. Hier gilt der Grundsatz: „Gelenkerhalt vor Gelenkersatz“. Künstliche Gelenke, z. B. an der Hüfte, am Knie oder an der Schulter, kommen erst dann zum Einsatz, wenn ein Erhalt des eigenen Gelenkes nicht mehr möglich ist. Für das bestmögliche Ergebnis sollten betroffene Patienten heute ein von der orthopädischen Fachgesellschaft zertifiziertes Endoprothesenzentrum (EPZ) aufsuchen. Unser EPZmax am RKU, das erstmals 2014 und seitdem jährlich erfolgreich re-zertifiziert wurde, arbeitet nach höchsten Standards und Qualitätsvorgaben der Fachgesellschaft. Für uns hat stets das Patientenwohl oberste Priorität - wir kümmern uns um Ihre Bewegung. Mit besten Grüßen, Ihr
Prof. Dr. Heiko Reichel

Orthopädische Universitäts­klinik Ulm am RKU
Oberer Eselsberg 45, 89081 Ulm
E-Mail: sekretariat.orthopedie@rku.de
Tel.: 0731 177-0
www.rku.de

Zur Person

Privat-Dozent Dr. Timo Zippelius ist Leiter der Sektion Wirbelsäule an der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU.

Über die Orthopädische Universitätsklinik am RKU

Die Orthopädische Universitätsklinik Ulm mit Querschnittgelähmtenzentrum am RKU betreut als Klinik der Maximalversorgung alle Patienten mit angeborenen oder erworbenen Erkrankungen der Haltungs- und Bewegungsorgane. Die Orthopädische Klinik deckt den gesamten Bereich der konservativen und operativen Orthopädie ab, einschließlich der speziellen orthopädischen Schmerztherapie sowie der Akutbehandlung und Langzeitbetreuung querschnittgelähmter Patienten.