Instrument des Jahres
: Singen für gute Energie

Die menschliche Stimme ist Instrument des Jahres 2025
Von
Katharina Rögner (epd)
Dresden, Berlin
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Auch der Motettenchor der Münsterkantorei wirkte an der Christmette, er sang Teile aus Bachs Weihnachtsoratorium.

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Das Singen ist wahrscheinlich die älteste und ursprünglichste musikalische Ausdrucksform der Menschen. Als Instrument dient die Stimme. Sie rückt in diesem Jahr in einen besonderen Fokus. Im Bild: der Motettenchor der Münsterkantorei Ulm singt während der  Christmette im Ulmer Münster 2024 Teile aus Bachs Weihnachtsoratorium.

Matthias Kessler
  • Die menschliche Stimme ist das Instrument des Jahres 2025 in Deutschland.
  • Singen fördert emotionale Tiefe und wird von Experten wie Martin Lehmann geschätzt.
  • Stimmforscher Dirk Mürbe betont die Vielseitigkeit und Verletzlichkeit der Stimme.
  • Sängerin Christa Mayer und Jazzsängerin Jocelyn B. Smith betonen die Wichtigkeit von Atemtechnik und Balance.
  • Singen stärkt das Selbstbewusstsein und ist für jeden zugänglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit der richtigen Atemtechnik kann der menschliche Körper zu einem großen Klangraum werden: Die Stimme ist das angeborene Instrument des Menschen - und extrem vielseitig. Sprechen, flüstern, singen oder schreien, all das ist möglich. Grund genug für Landesmusikräte in Deutschland, die Stimme 2025 zum „Instrument des Jahres“ zu erklären.

Die Dresdner Opernsängerin Christa Mayer war überrascht und erfreut über die Entscheidung: „Die Stimme ist unser Instrument, auch wenn sie ein kleiner Muskel in der Kehle ist“, sagt sie. „Klar, Instrumentenbauer gibt es bei uns nicht. Man könnte fast sagen, der liebe Gott hat die Stimme gemacht.“

Die Ernennung der Stimme zum Instrument des Jahres 2025 könne vielleicht auch helfen, Menschen zum Singen zu inspirieren, sagt Mayer, die Ensemblemitglied der Semperoper Dresden und „Sächsische Kammersängerin“ ist. Gefeiert wird sie unter anderem für ihre Wagner-Interpretationen.

„Emotionale Tiefe“ benötigt

Dem Leiter des Dresdner Kreuzchores, Martin Lehmann, ist das „Gesamtklangerlebnis“ wichtig. Dafür brauche es neben der Kunstfertigkeit auch eine „emotionale Tiefe des Einzelnen“. Er versuche daher oft, „mit Bildern oder anderen emotionalen Weckrufen den persönlichen Ausdruck jedes Sängers aus dem Innersten herauszulocken“, sagt Lehmann. „Wir erleben bei allen Aufführungen, egal ob im liturgischen oder konzertanten Rahmen, dass wir von den Menschen gesucht werden.“ Die unmittelbare Nähe einer singenden Knabenstimme sei „so authentisch, dass wir damit das Innerste der Menschen erreichen können“, ist er überzeugt.

Für den Gebrauch der Stimme muss das Zusammenspiel aus Muskeln, Stimmlippen und Knorpel im Kehlkopf trainiert werden. Einer, der sich damit bestens auskennt, ist Dirk Mürbe. Der Medizinprofessor und Phoniater (Experte für Stimmheilkunde) an der Berliner Charité betont die vielfältigen Facetten des menschlichen Instruments: Die Stimme sei nicht allein zum Musizieren da, sondern auch das entscheidende Kommunikationsinstrument und eines der wichtigsten Merkmale einer Persönlichkeit.

Mit der natürlichen Funktionsweise stehe hinter jeder Stimme eine gewisse Logik, sagt Mürbe, der auch Gesang studiert hat. Bei Profis erfordere es aber vor allem auch ein Handwerk. Jeder Künstler und jede Künstlerin brauche „eine enorme Strategie und Disziplin“.

Die Stimme ist verletzlich

Der Sinn der Stimmforschung sei, das menschliche Instrument stabiler zu machen und eine hohe Leistungskapazität sowie Methodik und Didaktik für die Lehre und Ausbildung zu entwickeln. „Stimmprofis können wir auch zum Thema Prävention fit machen“, sagt Mürbe, „sie brauchen ein ganzheitliches Konzept“.

Als Experte für Stimm-, Sprach- und Hörstörungen kennt Mürbe zudem die Verletzlichkeit der Stimme. Sie wird etwa von Atemwegserkrankungen beeinflusst, aber auch von Überlastungen. In vielen Berufen werden hohe Stimmleistungen gefordert. Nicht nur im Theater, auch in Schulen oder Kindergärten sind die existentiell, nicht zuletzt um dort einen gewissen Lärmpegel zu überwinden. „Auch eine Kindergärtnerin muss eine stimmliche Strategie haben“, sagt Mürbe.

Um die Stimme gesund halten zu können, ist Opernsängerin Mayer zufolge „Fitness rundum gefragt“. Sie findet es zudem wichtig, „bei sich zu bleiben“ und „im guten Sinn eine Demut gegenüber dem, was man tun darf, zu entwickeln“.

Die Berliner Jazzsängerin Jocelyn B. Smith will vor allem Frauen eine hörbare Stimme geben. Deren Sicht auf die Gesellschaft sei wichtig. „Wir brauchen ihre Talente“, sagt Smith, die Berliner Schirmherrin des Jahres der Stimme ist und sich als Sängerin zwischen Jazz und Soul einordnet.

„Jeder kann singen“

Für ihr Genre brauche es eine große Bruststimme, Ehrlichkeit, die Kraft der Natur. „Wir singen mit unserem Körper“, betont Smith. Es brauche Atemtechnik, jeder Sänger und jede Sängerin müsse aber auch die eigene Balance finden. Erst dann könne er überzeugen. Die Stimme und der Hals, durch den sie gehe, sei wie ein Messgerät.

Singen baue auch das Selbstbewusstsein auf. Wer meint, nicht singen zu können, dem rät Smith: „Such dir einen Chor und erlebe dort Freude.“ Auch Mayer betont: „Jeder kann singen.“ Sie begrüße Mitmachaktionen im öffentlichen Raum. Singen sei ein körperliches Ereignis - und es sorge in der Regel für gute Energie.