Herzzentrum Ulm: Ein Portal für alle herzmedizinischen Probleme

Leiten gemeinsam das Universitäre Herzzentrum Ulm: (v.l.n.r.): Prof. Dr. med. Wolfgang Rottbauer, Prof. Dr. med. Andreas Liebold, Prof. Dr. med. Christian Apitz, Prof. Dr. med. Dominik Buckert.
Foto: UKUHerr Professor Buckert, Anfang Juni wurden mit Professor Rottbauer, Professor Apitz und Ihnen selbst gleich drei zentrale Köpfe des Universitären Herzzentrums Ulm auf der Focus-Ärzteliste 2026 für Top-Mediziner in Deutschland geführt. Inwiefern spiegelt das die Qualität der Zusammenarbeit am Herzzentrum wider?
Solche Auszeichnungen sind persönliche Auszeichnungen – es geht unter anderem um Qualifikation, Patientenkontakte, wissenschaftliche Tätigkeit. Aber natürlich braucht man ein Umfeld, in dem man sich entwickeln kann – mit ausgewiesenen Experten an seiner Seite tut man sich da natürlich leichter. Über diese Auszeichnungen wird sichtbar, wie viel Expertise im Herzzentrum gebündelt ist, worauf wir zurecht stolz sind.
Welche Vision steht hinter dem Universitären Herzzentrum?
Das Ziel ist die ganzheitliche herzmedizinische Versorgung unter einem Dach. Im Herzzentrum ziehen wir alle für das Organ Herz zuständigen Fachdisziplinen zusammen. Den Kern bilden Kardiologie, Herzchirurgie und Kinderkardiologie. Die Zentrumsstruktur ermöglicht eine sinnvolle Verzahnung dieser Bereiche, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Außerdem erlaubt sie uns, Querschnittsbereiche mit einzubinden – etwa den Bereich kardiovaskuläre Bildgebung, der von der Radiologie und der Herzmedizin unter dem Überbau des Herzzentrums ausgestaltet wird. Ähnliche Bestrebungen betreffen die Grundlagenfächer, wie zum Beispiel die Genetik. Zusammen arbeiten wir die speziell für Ulm geeignetste Struktur aus. Das bietet – auch perspektivisch mit dem Neubau im Sinn – enorme Vorteile.
Welche?
Kurze Wege, mehr Kommunikation, mehr Transparenz, weniger Doppelvorhaltung und damit bessere Wirtschaftlichkeit – wir haben aktuell zum Beispiel drei getrennte Herzultraschalleinheiten für Kardiologie, Herzchirurgie und Kinderkardiologie. Vor allem aber: Fachleute, die eng zusammenarbeiten sollten, begegnen sich nicht mehr nur in Telefonaten und Konferenzen, sondern auch auf dem Flur. Das ermöglicht viel mehr menschliche Interaktion – und reduziert Fehlkommunikation erheblich. Darüber hinaus hat die Politik klar benannt, dass sich Maximalversorger wie das Universitätsklinikum Ulm zukünftig um die Steuerung der Patientenströme der jeweiligen Region kümmern sollen. Auf der digitalen Ebene passiert hier bereits viel: dank Telemonitoring und Televisiten kann unser Heart-Team konsiliarisch Patienten in anderen, umliegenden Kliniken betrachten und den dortigen Kollegen Empfehlungen aussprechen.
Was können Sie zum Stand des geplanten Neubaus sagen?
Das Zielbild ist klar und spiegelt sich in der architektonischen Planung wider: eine zusammenhängende Raumstruktur für das gesamte Herzzentrum. Ganz plakativ gesprochen kann man sich ein großes Portal mit einem großen Schild vorstellen: Herzzentrum. Ob sechsjähriges Kind mit angeborenem Herzfehler, älterer Mensch mit Herzschwäche oder Patient, der einen herzchirurgischen Eingriff braucht: Wer ein herzmedizinisches Problem hat, geht durch diese eine Tür, und ein interdisziplinäres Team mit hoher Expertise entscheidet gemeinsam, wie es gelöst wird. Damit gehört das Bild des Patienten, der orientierungslos auf den Gängen eines Krankenhauses umherirrt, weil er nicht weiß, wo seine nächste Untersuchung stattfindet, der Vergangenheit an. Solche Strukturen sind weder für Laien noch für Profis, die in ihnen arbeiten, günstig.
Das Gebäude gibt es noch nicht – aber die Strukturen verändern sich bereits jetzt. Zu welchen Verbesserungen führt das im Klinikalltag?
Einiges ist längst gelebte Praxis. Früher musste der Patient mehr oder weniger selbst entscheiden, ob er eine Operation oder eine andere Therapie wählen sollte – dabei kann er das ja gar nicht beurteilen. Heute gibt es eine gemeinsame Heart-Team-Aufnahme: Der Patient kommt mit seinem Herzproblem, und das Team entscheidet gemeinsam über die richtige Behandlung. An gemeinsamen Intensivstrukturen arbeiten wir gerade.
Wird diese Art der interdisziplinären, sehr engen Zusammenarbeit etwas an der fachärztlichen Ausbildung ändern?
Die Facharztordnung selbst kommt von der Landesärztekammer – daran ändert sich erst einmal nichts. Was sich aber schon ändert: Auf unseren Stationen arbeiten inzwischen Herzchirurginnen und Kardiologen in Ausbildung gemeinsam statt getrennt. Man bekommt automatisch tiefere Einblicke in die Aspekte der Herzmedizin, die man selbst nicht praktiziert.
Im Hybrid-OP des Herzzentrums wurde vor wenigen Wochen erstmals ein neuartiger Defibrillator von einem Team aus spezialisierten Herzchirurgen und Kardiologen erfolgreich implantiert.
Richtig. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, inwiefern sich die enge Zusammenarbeit von Spezialisten aus unterschiedlichen Disziplinen direkt im Sinne des Patienten positiv auswirkt. Klassische Schrittmacher- und Defibrillator-Sonden verlaufen durch die Venen ins Herz – bei jahrelanger mechanischer Belastung kann es zu Funktionsstörungen kommen. Unsere Weiterentwicklung legt die Sonde nicht mehr ins Gefäßsystem, sondern außerhalb des Herzens an. Das ist aber kein Kathetereingriff mehr, sondern braucht einen klassischen herzchirurgischen Zugang. Solche Verfahren lassen sich nur umsetzen – und überhaupt erst entwickeln – wenn Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesie als eingespieltes Team zusammenarbeiten. Deshalb können wir diese Versorgung auf absehbare Zeit nur hier im Herzzentrum Ulm anbieten.
Was wird sich für Ihre niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ändern?
Es soll künftig nur noch eine Adresse geben: das Herzzentrum, nicht mehr einzelne Kliniken. Sie stellen uns ihre Patienten mit ihren Problemen vor, und ein interdisziplinäres Team ist sofort verfügbar – so wird Expertise noch leichter zugänglich.
INFO: Am Sonntag, 13. September findet am Herzzentrum Ulm der Tag der offenen Tür statt.

Prof. Dr. med. Dominik Buckert
Prof. Dr. med. Dominik Buckert ist stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Internistische Notfall- und Intensivmedizin sowie Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm und geschäftsführender Oberarzt des Universitären Herzzentrums Ulm.
Er ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie, Zusatzbezeichnung Intensivmedizin, Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, Zusatzbezeichnung Kardio-MRT, Zusatzbezeichnung Spezielle Kardiologie für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH), Zusatzqualifikation Onkologische Kardiologie (Level 3).

Universitäres Herzzentrum Ulm
Klinik für Innere Medizin II
Albert-Einstein-Allee 23
89081 Ulm
dominik.buckert@uniklinik-ulm.de
Tel.: 0731 500-45001
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