
Anzeige: Erlebnisse mit anderen Menschen teilen
In dem kleinen Ort Hochbronn bei Weipertshofen ist Patrick Muntzinger aufgewachsen. Schon während seines BWL-Studiums in Mannheim fasste er den Entschluss, „ich will die weite Welt sehen“. Die ersten Etappen führten den 26-Jährigen bei zwei Auslandssemestern nach Kalifornien und Mexiko, im Rahmen eines Praktikums war er mehrere Monate in Südkorea.
„Es gefällt mir, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen.“ So hat er sich neben dem Studium immer ein wenig Geld dazuverdient, um privat als Backpacker auf Reisen zu gehen. „Um wirklich unabhängig zu sein, war ich meistens alleine unterwegs.“ Die ersten Trips führten ihn nach Südostasien. „Wenn man offen ist, ist es total leicht, Menschen kennenzulernen.“ Anfangs waren es noch die üblichen touristischen Ziele wie Thailand, „doch schnell wurde ich abenteuerlustig. Ich wollte auch in Länder, in die man normalerweise nicht reist.“ So ging es mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland bis zur Mongolei. Später reiste er durch Südamerika und Afrika. Bei seinen Reisen hat er sich stets viel Zeit genommen. „Ich will nicht nur die Sehenswürdigkeiten abklappern. Wenn ich reise, plane ich nicht bis ins Detail, sondern mache viel spontan und nehme mir Zeit. Nur so kann ich Land und Menschen wirklich erleben.“
Inzwischen über 60 Länder bereist
Zudem musste Muntzinger immer auf die Ausgabenseite achten, so war meist Couchsurfing oder Übernachtung in günstigen Hostels bei seinen Reisen in inzwischen über 60 Länder angesagt. „Wenn man alleine reist, wird man viel offener.“ Er spricht fließend Englisch und Spanisch. Viele Reisende aus der ganzen Welt hat er so kennengelernt.
Anfangs hat Muntzinger nur Reiseberichte und Fotos an seine Familie geschickt. „Mir gefällt es, meine Erfahrungen und Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen.“ Später hat er seine Reisestorys auch auf Instagram gepostet und bekam so immer mehr Follower. Ein großer Zufall brachte ihn zum Bloggen. „Vor gut einem Jahr wurde ich von einer Casting-Agentur angeschrieben, ob ich mir vorstellen könnte, bei einer Werbekampagne in Neuseeland mitzuwirken.“ Insgesamt sechs Blogger waren so auf Kosten der Tourismusbehörde des Landes zusammen mit einem Kamerateam zwei Wochen lang als Schauspieler der Werbekampagne „Backpackagram“ in Down Under unterwegs und berichteten über ihre Eindrücke und Erfahrungen.
Dort kam Muntzinger ins Gespräch mit zwei hauptberuflichen Bloggern, „sie haben mich motiviert, eine eigene Webseite zu starten“. Anfangs hatte er nur wenige Besucher auf seiner Homepage. „Blogging ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Die Seite zu pflegen und bei Google besser zu ranken, bedeutet sehr viel Arbeit. „Der Markt ist extrem überlaufen. Es dauert sehr lange, bis man Besucher auf seine Website bringt.“ Die Leute lesen seine Reiseberichte, weil er ungefilterte Infos anbiete. „Ich gebe ehrliche Empfehlungen, was mir gefallen hat und was nicht“, betont der Blogger. „Auf Pressereisen bekommt man nicht die reale Welt zu sehen. Deshalb bleibe ich meistens eine Woche länger, um einen sinnvollen Artikel über das Land schreiben zu können“, ergänzt Muntzinger.
„Das ist bestimmt kein leicht verdientes Geld“, beschreibt er seine arbeitsreiche Zeit in den vergangenen Monaten. „Bis vor Kurzem war ich noch Student. Ich kann jetzt zwar oft kostenlos reisen als Blogger, aber das werde ich in dieser Form in zwanzig Jahren sicherlich nicht mehr machen.“ Finanziell hat Muntzinger jetzt schon ein zweites Standbein als Freelancer in verschiedenen Unternehmen im BWL-Bereich. „Mir geht es bei meinen Reisen nicht ums Geldverdienen, sondern ich will möglichst viele Menschen mit meinen Artikeln zum Reisen motivieren und ihnen Tipps geben.“
Ein Selbstdarsteller wie manch anderer Blogger sei er nicht, obwohl er auch immer wieder persönliche Fotos und Videos in seine Artikel einbindet. „Jeder Reisebericht sollte eine persönliche und private Note enthalten. Aber ich will mich nicht in den Vordergrund stellen, sondern den Betrachter nur teilhaben lassen an dem, was ich gerade sehe und erlebe.“ Er will damit tiefer gehen als ein Reiseführer-Buch, das zudem oft nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.
Inzwischen hat der Stimpfacher auch in einigen Ländern Station gemacht, in die Touristen eigentlich nicht reisen. „Ich rede extrem viel mit den Einheimischen. So kann ich das Land am besten kennenlernen.“ Überall auf der Welt gebe es Interessantes zu sehen. Gerade von Staaten, über die man wenig wisse, könne man überrascht werden. „In Pakistan war ich lange. Es war sehr angenehm, die Natur ist atemberaubend und die Menschen sind äußerst gastfreundlich.“
Doch es gibt in solchen Ländern auch immer wieder negative Vorurteile auf beiden Seiten. Muntzinger will dazu beitragen, sie abzubauen. „Öfters haben mich Menschen zu sich nach Hause eingeladen und wollten mehr über Europa erfahren.“ Bei heiklen Themen wie beispielsweise der aktuellen Sicherheitslage ist er sehr vorsichtig bei seinen Veröffentlichungen. „Das kann in einem Teil des Landes ganz anders sein als da, wo ich war – da hat man auch eine gewisse Verantwortung.“ Er will die Leute nicht überreden, wie er beispielsweise durch den Sudan zu trampen, „ich will nur zeigen, dass es überall freundliche Menschen und ganz tolle Sachen zu sehen gibt“. Bei diesen nicht touristischen Reisezielen verfolgt der Stimpfacher auch keinerlei finanzielle, sondern lediglich persönliche Interessen. „Es gibt Reisen, die würde ich nicht jedem empfehlen. Ein ,Rundum-sorglos-Paket’ gibt es in solchen Ländern wie beispielsweise dem Sudan sicherlich nicht.“
Viele Menschen im Umfeld Muntzingers vermuten, dass er sich bei diesen risikofreudigen Reisen leicht in Gefahr bringt. „Das stimmt überhaupt nicht. Im Vorfeld informiere ich mich immer über das jeweilige Reiseziel, die aktuelle Sicherheitslage und lese intensiv Reiseberichte.“ Seine bislang schönsten Eindrücke hat er in Kenia gesammelt. „Die Natur und die Nationalparks – einfach unglaublich. Das hat mich richtig begeistert. Auch Indien war ein aufregendes Land mit seiner unglaublichen Kultur.“
Eine Ziege wird ins Tor geworfen
Zuletzt war der 26-Jährige bei den „World Nomad Games“ in Kirgisistan. Auf einer Tourismusmesse in Berlin hat er einen Tipp dafür bekommen. „Das ist ein wirklich außergewöhnliches Event und ich war immer ganz nah dran.“ Neben phänomenalen Showeinlagen und kulturellen Zeremonien finden Wettkämpfe beispielsweise im Bogenschießen, in der Adlerjagd oder im Pferde-Wrestling statt. Besonders einzigartig sind auch die traditionellen kirgisischen Sportarten wie beispielsweise Kok Boru – hier kämpfen zwei Teams auf Pferden darum, einen kopflosen Ziegenkörper in Tore zu werfen. Vor Ort habe man das Gefühl, bei den Olympischen Spielen zu sein. „Das ist keine Fassade. Außer in der Hauptstadt leben die Menschen tatsächlich noch sehr traditionell in ihren Jurten inmitten der wunderschönen Natur.“ Sogar ein Team aus Deutschland war unter den Athleten aus 66 Nationen. „Mit den deutschen Teilnehmern unterhielt ich mich lange für meinen Artikel.“ Für die nächste Zeit hat Patrick Muntzinger einige Europatrips geplant, den Winter wird er in Südostasien verbringen. „Für nächsten Sommer habe ich einen längeren Trip durch Zentralasien geplant. Und dann habe ich noch eine ganz lange Liste, wo ich überall hinwill.“
Info Patrick Muntzinger erreicht mit seiner Website und seinen Social-Media-Kanälen mehr als 50 000 Leser und Follower. Seine Reiseberichte kann man im Internet unter www.germanbackpacker.com sowie auf Facebook und Instagram unter „germanbackpacker“ finden.



