Digital Detox
: Facebook, TikTok & Co.: #ichbraucheinePause

AnzeigeHier ein Like, da ein Bild kommentiert und ständig meldet das Smartphone eine neue Nachricht: Soziale Netzwerke können einen ganz schön unter Stress setzen.
Von
Anne Schur
Ulm
Streaming, Tablet, Laptop. Download am 06.09.2023 für Maik Wilke, Redaktion Reutlingen. Foto: © Gorodenkoff/adobe.stock.com

Hier ein Reel, da eine neue Fotostrecke und ständig kommt eine neue Nachricht aus dem Gruppen-Chat: Wer sein Smartphone auch mal für ein paar Stunden zur Seite legt, tut Körper und Seele viel Gutes.

Gorodenkoff/adobe.stock.com

Und – wie oft haben Sie heute schon nach dem Smartphone gegriffen und sind ziellos gesurft? Keine Ahnung, oder? Laut einer Jugend-Digitalstudie der Postbank verbringen Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren 63,7 Stunden pro Woche im Internet – und Erwachsene sind da nicht viel besser. Die meisten von uns kleben zu häufig am Bildschirm. Und das oft nur aus Langeweile und nicht, weil ein konkretes Ziel verfolgt wird.

Eintauchen in die Welt der anderen

bewusst ist: Die ständige Beschäftigung mit Sozialen Netzwerken ist purer Stress für unser Gehirn. Während wir vermeintlich nur ein bisschen scrollen und klicken, muss das Gehirn eine Vielzahl an Eindrücken verarbeiten. Diese Überreizung kann konkrete Auswirkungen auf den Alltag haben, zum Beispiel durch Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl der Erschöpfung. Unser Gehirn braucht ab und an eine Pause. Auch auf das Seelenleben kann die ständige Online- Zeit einen negativen Einfluss haben.

Tolle Urlaubsfotos hier, ein super aufgeräumtes Haus da und natürlich immer die neuste Mode im Kleiderschrank: Schaut man sich Bilder und Videos auf den einschlägigen Kanälen an, hat man das Gefühl, die anderen führen ein perfektes Leben. Da steht kein dreckiges Geschirr rum, der Pulli hat keine Flecken und überhaupt sind die anderen andauernd in der Welt unterwegs. Dabei wird schnell vergessen, dass Soziale Netzwerke in den meisten Fällen eine Scheinwelt kreieren, in der sich jeder von seiner besten Seite zeigen möchte. Der ständige Vergleich mit anderen kann im schlimmsten Fall zu einer ernstzunehmenden Depression führen.

Was wir brauchen, ist weniger Online-Zeit und mehr Zeit in der echten Welt. „Digital Detox“ ist angesagt: Finger weg von Smartphone und Internet, weg von der ständigen Erreichbarkeit und vom ziellosen Scrollen und Klicken. Für den digitalen Entzug gibt es unterschiedliche Herangehensweisen.

  • Online-Zeit festlegen: Man kam einen konkreten Zeitraum festlegen, in dem man bewusst auf Soziale Netzwerke verzichtet und zum Beispiel beschließen, dass man nach einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr online geht. Oder man legt einen Zeitraum fest, in dem man ganz bewusst im Netz unterwegs ist und außerhalb dieser Zeit, lässt man die Finger davon.
  • Apps für mehr Ruhe: Es gibt Apps, die einem dabei helfen, die tägliche Bildschirmzeit zu begrenzen. Darunter sind auch Apps, die das komplette Smartphone (ausgenommen Notfallanrufe) sperren, wenn die vorher eingestellte Bildschirmzeit zu Ende ist.
  • Ein radikaler Schritt: Runter mit all den vielen Apps, mit denen man über den Tag hinweg am meisten Zeit verschwendet.
  • Verrückt, aber es funktioniert: Man kann ein Smartphone auch einfach mal komplett ausmachen oder zu Hause lassen. Die Umstellung ist zu Beginn sicher ungewohnt, lohnt sich aber. Das Gehirn hat wieder ausreichend Zeit, sich zu erholen und das Stresslevel sinkt. Zudem steigert „Digital Detox“ die Kreativität. Forschende haben herausgefunden, dass Menschen, die nicht ständig mit Informationen zugeballert werden, wieder mit dem sogenannten „Mind Wandering“ beginnen. Man denkt mal über dieses und jenes nach, lässt seine Gedanken ziehen und denkt über Dinge des Alltags nach – und wird so Stück für Stück kreativer. Die Zeit, die man nun nicht mehr an Soziale Netzwerke verschwendet kann übrigens ganz wunderbar für andere Dinge nutzen. Zum Beispiel zum Treffen mit Freunden, Zeit in der Natur, für Sport, Essen mit der Familie oder das Lesen eines Buches.