Münsingen / ub  Uhr
Das Verkehrsministerium hat den Auftrag, den Schienenverkehr in der Region auszubauen, an die Schwäbische Alb-Bahn vergeben.

Die Verhandlungen zwischen Land und Schwäbischer Alb-Bahn (SAB) waren lang. Am Gründonnerstag wurde jetzt ein Knopf dran gemacht: Das Verkehrsministerium hat den Auftrag, den Schienenverkehr in der Region auszubauen, an die SAB vergeben. So soll die Strecke, auf der es schon lange Freizeit- und Schülerverkehr gibt, „dauerhaft gesichert und attraktiv gestaltet werden“, so Ministerialdirektor Prof. Uwe Lahl. Durch diese Vergabe werde der ländliche Raum gestärkt, lokale Akteure eingebunden.

 Die Entscheidung freut natürlich Bernd-Matthias Weckler, Geschäftsführer der SAB: „Das Land Baden-Württemberg ermöglicht uns so die Fortführung unseres bisherigen Engagements, indem mitten auf der Alb Arbeitsplätze gesichert und viele zusätzliche neu geschaffen werden können. Mit der Realisierung der umfangreichen Fahrplanverbesserungen geht von der Vergabe aber auch das politische Signal aus, dass im ländlichen Raum echte Alternativen zum Auto bestehen.“

Realisiert wird die Erweiterung in zwei Stufen. Ab dem 9. Juni gibt es eine Fahrplanerweiterung zwischen Münsingen und Ulm: Täglich fahren auf der Strecke vier Züge, zwei ohne Umsteigen in Schelklingen, zwei mit. Vom 15. Dezember an verkehren auch wieder Züge auf der dann reaktivierten rund 20 Kilometer langen Strecke zwischen Engstingen und Gammertingen. Geplant sind, so Weckler, „täglich acht durchgängige Verbindungen zwischen Münsingen und Gammertingen“. Engstingens Bürgermeister Mario Storz dazu: „Dies ist für die Akzeptanz der Schiene in einer Raumschaft, in der dieses Verkehrsmittel fast 40 Jahre keine Rolle mehr gespielt hat, von entscheidender Bedeutung. Entsprechend groß ist die Freude, dass mit der Vergabe an die SAB ein örtlich gewachsenes und verwurzeltes Eisenbahnverkehrsunternehmen mit motivierten, engagierten Akteuren den Zuschlag für die Erbringung der Verkehrsleistungen erhalten hat.“

Übers neue Konzept ist gesichert, dass nun das ganze Jahr über, auch in den Ferien, auf der Strecke ein Zug rollt. So wird das Angebot zum Beispiel für Berufspendler interessant – zumal geplant ist, über entsprechende Buslinien weitere Orte an das Netz anzubinden.

Neue Stellen müssen ausgeschrieben werden

 Die neuen Anforderungen bringen eine Menge an Arbeit mit sich. Zunächst müssen Stellen ausgeschrieben werden, damit der Betrieb überhaupt gestemmt werden kann. Während der Verhandlungsphase sind einige Mitarbeiter, denen die Zukunft der SAB zu ungewiss war, ausgestiegen. Jetzt sucht Weckler Triebfahrzeugführer, einen Reisedienstleiter sowie Schaffner. Die,  sagt er,  bekommen neben einer Einweisung auf dem Zug  touristisches Wissen mit auf den Weg. Denn sie sollen nicht nur Fahrkarten verkaufen, sondern die Gäste auch über die Region informieren. Sind alle Posten besetzt, ist  ein Team von 34 Mitarbeitern – viele davon im hundert Prozent-Job – beschäftigt. Bisher waren es 17 SAB-Angestellte.

Und dann wird natürlich gebaut, ertüchtigt und saniert: Der ehemalige Güterschuppen wird als Betriebsgebäude mit Verwaltung, Empfang und Mitarbeiterräumen hergerichtet. Der Lokschuppen muss aufgerüstet, die zusätzlichen Wagen untergebracht werden. Denn mehr Zugverkehr bedeutet natürlich, dass auch mehr Fahrzeuge auf der Strecke sind. Damit die Flotte auf der Alb komplett ist, hat die SAB die Wagen der Kaiserstuhlbahn, die elektrifiziert wird, gekauft. Die bekommen neue Sitze und einen Fahrradbereich, werden mit einem Fahrgastinfosystem, GPS-Ortung und digitalen Außenanzeigen versehen.

Alles in allem werden in Münsingen rund 10,4 Millionen Euro investiert. Zuschüsse dafür gibt es aus verschiedenen Landesprogrammen.

Außerdem stehen natürlich noch Arbeiten an der Strecke Engstingen-Gammertingen an. Sowohl in Großengstingen wie auch in Trochtelfingen müssen die Bahnsteige neu gebaut werden.

 Übrigens: Die SAB wurde nicht nur für die Fahrten auf der Strecke zwischen Ulm und Gammertingen beauftragt, sondern auch für den Schienenverkehr zwischen Amstetten-Gerstetten. Die Lokalbahn dort, nur sonntags unterwegs, wird im Auftrag der SAB von den Ulmer Eisenbahnfreuden weiter betrieben. Beide Bahnen zusammen bilden das sogenannte Netz 50 im Regionalverkehr. Das ist mit jährlich rund 228 000 Zugkilometern das kleinste auf der Vergabeliste des Verkehrsministeriums.

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