Betrachtung Gottes Ankunft steht bevor

Die Adventszeit will bewusst machen, dass die Welt nicht gottlos durchs All treibt.
Die Adventszeit will bewusst machen, dass die Welt nicht gottlos durchs All treibt. © Foto: Florian Schuh
XX 08.12.2018
Gedanken zum Sonntag, dieses Mal von Siegfried Jahn. Er ist Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Blaufelden.

Ach ist das schön, wenn man sich nach einiger Zeit wiedersieht und sich endlich in den Armen liegen kann. Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich auf dem Stuttgarter Flughafen auf die Ankunft unserer beiden Töchter aus England wartete. Und mit mir noch viele andere Menschen: Geschäftspartner hielten den Ankommenden kleine Schilder mit dem Namen ihrer Firma entgegen. Sie kannten sich nicht, gaben sich aber so einander zu erkennen.

Neben mir hatte sich eine kleine Gruppe von drei jungen Leuten auf den Empfang vorbereitet. Sie entrollten ein Plakat, das beschrieben war mit dem Gruß: „Herzlich willkommen, Willi!“ Aufgeklebte Rosenblüten sollten dem herzlichen Willkommen Nachdruck verleihen. Ein Vater schien mit seinen beiden Kindern vermutlich auf die Rückkehr der Mutter zu warten – in den Händen der Kinder ebenfalls ein Transparent, bemalt mit allerlei Kinderfantasien. Sie waren voller Erwartung, rollten ihre Botschaft deshalb schon lange vorher auf, um gewappnet zu sein für die überraschende Ankunft.

Man weiß ja nicht, wann sie kommt – die lang Ersehnte. Und als es dann so weit war, winkten sie sich schon von Weitem zu. Endlich. Einer nach dem anderen kam durch die sich immer wieder verschließende Türe hindurch. Begrüßungen ganz unterschiedlicher Art: Manche Menschen umarmten sich, begrüßten sich. Einander Liebende küssten sich. Gefühle erfüllten die Wartehalle: Tränen flossen – vor lauter Freude über das Wiedersehen, einer hob den anderen in die Luft, die Kinder sprangen der Mutter in die Arme.

Auch der erste Wortwechsel ließ nicht lange auf sich warten und die Blicke verrieten: Jetzt ist unsere Begegnung etwas ganz anderes als am Telefon oder per Skype oder in knapp formulierten Whatsapp-Häppchen. Jetzt sind wir einander nahe. Es ist unglaublich schön, all das zu beobachten, ja noch schöner: Es selbst auch erleben zu können, denn schließlich kamen auch unsere beiden Töchter wohlbehalten wieder an. Und jetzt war das Heimweh, das sich im fremden Land häufig eingestellt hatte, endlich kein Thema mehr. Ankunft und Nahesein zu erfahren – das gehört zum Schönsten, was es für uns Menschen gibt.

So stelle ich es mir vor, wenn Gott einmal kommen wird. Unserer Welt steht Gottes Ankunft bevor. Denn Jesus hat sein Kommen angesagt: „Siehe, ich komme bald.“ Gleich vier Mal überliefert Johannes diese Ansage im letzten Buch der Bibel (zum Beispiel Offenbarung 3, 11).

Damit macht uns die Adventszeit besonders eindrücklich bewusst, dass diese Welt nicht gottlos durchs All treibt. Und es wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass nichts so bleiben wird, wie es ist. Nichts, gar nichts. Denn Gott hat sich längst entschlossen, die Ferne zwischen ihm und den Menschen aufzuheben. Wie die Liebenden nur darauf warten, endlich wieder vereint zu sein, so hofft auch Gott darauf, uns zu sehen und bei sich zu haben. Und nichts soll diese Nähe stören. Kein Leid, kein Geschrei, kein Krieg. Auch den Tod, der unser Zusammenleben zerstört, auch diesen grässlichen Gesellen wird es dann nicht mehr geben.

Raum für Hoffnung geben

Entsprechend bittet die adventliche Gemeinde im letzten Buch der Bibel: „Amen, ja, komm, Herr Jesus!“ (Offb. 22,20). Auf diesen Tag und diesen Augenblick freue ich mich. Ihm, dem Auferstandenen einmal in den Armen zu liegen, ihn in meiner Nähe zu wissen, nicht mehr auf sein Wort der Bibel angewiesen zu sein, sondern ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen – darauf will ich mich mit anderen Menschen freuen, jetzt in der Adventszeit. Lassen Sie uns dieser Hoffnung Raum geben in unseren Herzen, in unseren Gedanken und auch im Handeln.

Zurück zur Startseite