ExoMars 2020: Im Juli/August 2020 will die Europäische Raumfahrtagentur Esa einen Rover zum Mars schicken, der auf dem Planeten herumfahren und Spuren (vergangenen) Lebens suchen soll. Der Rover wird von einem in Russland gebauten Landegerät auf den Mars gesetzt. Beide Geräte haben mittlerweile einen Namen: Der Rover heißt „Rosalind Franklin“, der Lander „Kasatschok“.

„Rosalind Franklin“, von der Esa ausgesucht, ist zweifelsfrei ein Name, der für mutige Forschung steht. Die Esa ehrt damit eine britische Chemikerin, die dazu beigetragen hat, die Doppelstruktur der DNA, die DNA-Helix, zu entdecken. Mittlerweile gilt sie als die eigentliche Entdeckerin, aber seinerzeit war ihre Vorarbeit zur Entdeckung von zwei anderen Wissenschaftlern ohne ihr Wissen verwertet und sie um den Ruhm gebracht worden.

Aber weshalb um alles in der Welt nennt Russlands Raumfahrtorganisation Roskosmos ihr Gerät „Kasatschok“? Nach einem Kosakentanz? Der Lander soll nach der Landung bloß den Rover herunterfahren lassen und dann für immer stillstehen, anstatt seine vier Beine wie im Kasatschok in die Luft zu wirbeln.

Von Reitervolk bis zum Schlägertrupp

Oder ist damit „kleiner Kosak“ gemeint, also ein Angehöriger des Reitervolkes, das in seiner wechselvollen Geschichte seit dem 15. Jahrhundert gegen Asiaten, Polen, Napoleon, die Türken, für und gegen Hitler, für und gegen die Rote Armee kämpfte? Mittlerweile kämpfen die Kosaken als Söldner für die russische Regierung – in der Ukraine als Soldaten, im Inneren gegen Demonstranten.

Aber vielleicht trifft die Erklärung ja zu, die der russische Raumfahrtjournalist Anatoly Zak in seinem Blog russianspaceweb.com für das Wort „Kasatschok“ anbietet: „In der russischen Umgangssprache bedeutet das ,kleiner Spion‘“. Seit März steht das Gerät im Reinraum von Thales Alenia Space in Turin (Italien), wo es mit dem Rover und dem in Bremen hergestellten Trägermodul verbunden wird, der das gesamte Paket nach dem Start mit einer russischen Proton-M-Rakete zum Mars bringen soll.