Die letzte Runde ist hart. Selbst auf der untersten Stufe. Wenn der Saunameister sein zusammengerolltes Tuch über dem Ofen schwingt, in den er zuvor „temperierendes Anis-Orange“ gegossen hat, trifft einen die heiße Luft wie ein Wüstensturm. Augen zu und durch. Gleich ist es überstanden, dann geht es hinaus in die Winterluft, die sich trotz Minusgraden frühlingshaft warm anfühlt. Das ist der beste Moment beim Saunieren: die abrupte Abkühlung. Eiskalt duschen nach Brutzeln bei 90 Grad.

Spätestens im Tauchbecken wird klar: Sauna ist nichts für Warmduscher. Sich nach dem Aufguss deutlich abzukühlen, ist das A und O – nur so kommt der Organismus wieder auf Normaltemperatur. „Wichtig ist es, immer herzfern mit der Kühlung zu beginnen, um den erhitzten Kreislauf möglichst schonend herunterzukühlen“, rät Prof. Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.

Es ist genau diese „Abhärtung“, die statistisch gesicherte Effekte des Saunierens bewirkt: „Die Infekthäufigkeit geht drastisch herunter, die Durchblutung wird entscheidend verbessert“, sagt der Internist und Sauna-Experte Dr. Rainer Brenke. Während einer Saunasitzung verliert man finnischen Wissenschaftlern zufolge einen halben Liter Flüssigkeit und die Herzfrequenz steigt auf bis zu 150 Schläge pro Minute – was einer leichten Trainingseinheit entspricht. Brenke empfiehlt regelmäßiges Saunieren, um einen leichten Bluthochdruck zu senken. Regelmäßig heißt: „Mindestens einmal die Woche, und nicht nur im Winter.“ Viele Studien bestätigen, dass Saunagänge den Blutdruck dauerhaft um durchschnittlich 10 bis 15 Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) absenken können. Die Hitze lässt das Herz schneller und kräftiger schlagen. Die kleinen Blutgefäße im Körper weiten sich und ziehen sich bei der Abkühlung wieder zusammen. Dieser Trainingseffekt macht die Gefäße flexibler. Auch die Lungenfunktion lasse sich verbessern, ist Brenke überzeugt: „Wir schicken Asthmatiker ganz bewusst in die Sauna.“

Herzprobleme wie beispielsweise Herzrythmusstörungen, Multiple Sklerose oder akute Krankheiten sind allerdings Gründe, die gegen den Sauna-Besuch sprechen. Ebenso wie eine Erkältung. Saunieren kann die Infektion sogar verschlimmern.

Wer allerdings zu fettiger Haut neigt, kann vom Saunabaden profitieren, sagt der Ulmer Hautarzt Prof. Ralf Uwe Peter. Das gelte auch bei funktionellen Durchblutungsstörungen – kalte Hände und Füße im Winter. „Aber Vorsicht: Wenn die Kälteempfindungen in Händen und Füßen Ergebnis einer arteriellen Verschlusskrankheit sind, kann der vermehrte Sauerstoffbedarf der Hände und Füße unter Saunabedingungen die Problematik noch verschärfen.“

Mit Krampfadern in die Sauna zu gehen, ist laut Peter grundsätzlich unproblematisch, wenn nach dem Saunagang tatsächlich das kalte Becken und nicht der warme Whirlpool kommt. „Bei akuten Venenentzündungen oder gar nach tiefen Venenthrombosen sollte man jedoch vom Saunieren Abstand nehmen.“

Oft diskutiert: Soll man während des Saunierens trinken? Eigentlich sei das nicht nötig, ist die Meinung des Saunabundes, sozusagen das „Zentralorgan“ der Sauna-Freunde (www.saunabund-ev.de). „Der durch das Schwitzen angeregte Flüssigkeitsstrom ist erwünscht und kann durch Trinken nach dem Saunabaden ohne Probleme ausgeglichen werden.“

Sauna hat, neben allen gesundheitlichen Vorteilen, auch etwas mit Geselligkeit zu tun. Wer jedoch lieber allein entspannen und die Stille genießen möchte, kann sich in den Ruheraum zurückziehen. Der heißt so, weil es dort tatsächlich ruhig sein sollte. Aber wie das so ist mit Regeln: Sie werden gerne mal gebrochen. Da tropft der Schweiß aufs Holz, weil der junge Mann nur ein küchentuchkleines Handtuch dabei hat, oder die Liegestühle werden stundenlang belegt, ganz wie am Pool im Urlaub.

Erfahrene Saunierer lassen derlei Unartigkeiten kalt. Während es zu DDR-Zeiten Sauna auf Rezept gab, wurde in den alten Bundesländern schon immer vor allem zur Erholung sauniert. Hüben wir drüben im übrigen textillos. „Das ist einfach hygienischer“, sagt Brenke. „Aber in anderen Ländern, etwa in den USA, gehen Leute in Badekleidung in die Sauna.“

Allerdings gibt es in den meisten Saunen auch Tage, an denen nur Frauen Zugang haben, um ungestört auch mit Gesichtsmaske entspannen zu können oder nach dem Aufguss frische Früchte zu genießen. Längst haben die Sauna­betreiber hierzulande erkannt, dass Saunieren als Event mehr Gäste anzieht. Sie bieten gemütliche Bistros, spektakuläre Aussichten, exotische Aufgüsse und kostümierte Saunameister. In Meersburg etwa können Besucher der Therme nach dem Salz- oder Honigaufguss eine Runde nackt im Bodensee schwimmen und durch die Panoramafenster der Pfahlbausaunen die Dampfer beim Anlegen beobachten.

Regeln fürs Saunabaden


Eine Armlänge Platz zum Sitznachbarn und ein Tuch unter dem ganzen Körper sind wichtige Anstandsregeln. Und so läuft Saunieren ab: Zunächst duschen und abtrocknen, dann 8 bis 15 Minuten schwitzen, die letzten zwei Minuten im Sitzen. An der frischen Luft abkühlen, danach unter die kalte Dusche oder ins Tauchbecken. Ein warmes Fußbad tut gut, ebenso eine Entspannungspause vor den nächsten zwei Saunagängen. ih