Ein europäisch-russischer Rover soll im Jahr 2021 über den Mars fahren und im Boden nach Spuren von Leben suchen. Der ExoMars-2020-Rover und das Raumschiff, das ihn zum Mars bringt, werden gerade zusammengebaut. Das Fallschirmsystem, das ihn in einem Landegerät auf den Marsboden runterbringen soll, ist am 28. Mai getestet worden. Ärgerlich: In beiden Hauptfallschirmen sind Risse aufgetreten. Aber es gebe weitere Fallschirme, teilt die europäische Raumfahrtagentur Esa mit.

Nach Esa-Angaben hat der Test aus 29 Kilometern Höhe bei Kiruna (Schweden) im Prinzip das erhoffte Ergebnis gebracht. Das Fallschirmsystem habe die Last ziemlich genau in der Zeit zu Boden gebracht, die erwartet worden war. Alle Vor- und Hauptfallschirme hätten planmäßig geöffnet.

Risse, noch bevor die ExoMars-Fallschirme unter Volllast waren

Ein gelungener Test also – wären da nicht die Risse in den zwei Hauptfallschirmen aufgetreten und zwar in beiden „unmittelbar nach dem Herausziehen aus dem Fallschirmsack“, jeweils noch vor der Spitzenbelastung, heißt es in einer Esa-Pressemitteilung, die genau einen Monat nach dem Test erst veröffentlicht wurde. Die Esa hatte den gesamten Abwurf mit zahlreichen Instrumenten verfolgt, auch mit Kameras.

Der erste Hauptfallschirm hat nach Esa-Angaben mehrere strahlenförmige Risse erlitten, der zweite – 35 Meter Durchmesser – einen einzigen solchen Riss. Zur Größe der Risse gab es keine Angaben. Auf Anfrage der Südwest Presse in Ulm antwortet die Esa: Die – noch nicht abgeschlossene – Untersuchung habe gezeigt, dass die Risse mit dem Fallschirmsack zusammenhängen.

Die Fallschirme sollen weicher aus ihrem Behälter herauskommen

Der zweite Hauptfallschirm ist gleich nach der Landung geborgen worden. Den ersten, der vor dem Auswurf des zweiten abgesprengt worden war, musste die Esa ein paar Tage lang suchen, er war mehr als 100 Kilometer weit abgetrieben. Auch er wurde geborgen. Ihn geborgen zu haben sei „entscheidend gewesen“, zitiert die Esa ihren ExoMars-Teamleiter Francois Spoto, „damit man die nötigen Verbesserungen für den nächsten Test bestimmen kann“.

Verbesserung, das bedeutet: Die Fallschirmsäcke sollen so modifiziert werden, dass die Hauptfallschirme weicher herauskommen, kündigt Spoto an. Außerdem soll der Prozess des Faltens und Packens der Fallschirme und der mehreren hundert Leinen begutachtet werden.

Wie die Fallschirme aussehen und sich öffnen, zeigt ein Video der Esa vom Test im März 2018. Damals waren die Fallschirme aus 1,2 Kilometern Höhe abgeworfen worden.

Der Hersteller der ExoMars-Fallschirme ist insolvent gegangen

Die Fallschirme selbst sollen verstärkt werden, damit sich Risse, falls sie noch einmal auftreten, weniger ausbreiten können, heißt es in der Esa-Pressemitteilung zum Test. Auf Anfrage teilt die Esa mit, es gebe mehrere Fallschirme. Die Fallschirme, die für den Test verwendet wurden, hätten weder weiterverwendet noch repariert werden sollen.

Vor dem Test hatte es sowohl aus der Esa als auch in einem Beitrag des russischen Raumfahrt-Journalisten Anatoly Zak geheißen, es gebe nur das eine Fallschirmsystem und der Hersteller sei insolvent gegangen. Die Esa teilt auf Anfrage jedoch mit, die Firma Arescosmo in Italien, die die Schirme hergestellt und gefaltet habe, sei „2018 in finanzielle Schwierigkeiten“ geraten, aber die Esa und zwei ihrer italienischen Partner hätten „Mittel und Wege gefunden, die Firma zu unterstützen“. Die letzte „News“ auf der Homepage der Firma datiert vom 15. Mai 2017.

ExoMars: Testen und testen und testen

Für das Fallschirmsystem, das den Flug des ExoMars-Rovers im März 2021 in der Marsatmosphäre sicher abbremsen soll, sind zwei Tests aus großer Höhe vorgesehen. Der zweite war bisher für den August geplant. Die Esa hat jetzt entschieden, den ersten Test, in dem die Risse aufgetreten sind, im November/Dezember zu wiederholen.

„Der Test war grundsätzlich erfolgreich“, wird Spoto zitiert. „Wenn wir ein solches komplexes System testen, erwarten wir allerdings Probleme.“ Deshalb teste und teste und teste die Esa ja. „Wir arbeiten härter denn je daran, den Starttermin im nächsten Jahr zu erreichen.“

Die Höhentests der Fallschirme sollten bis Ende 2019 erfolgreich absolviert sein, damit die Fallschirmsysteme ins Raumschiff integriert werden können. Notfalls könne auch noch Anfang 2020 getestet werden, teilt die Esa mit, aber dann gebe es kaum noch die Möglichkeit, Testergebnisse in Modifikationen des Fallschirmsystems umzusetzen. Auf gut Deutsch: Dann muss alles so funktionieren, dass es passt.

Updates
3.7.2019: Esa-Antworten auf Fragen

8.7.2019: Video vom Test 2018

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ExoMars 2020 ist ein europäisch-russisches Gemeinschaftsprojekt. Sein Ziel: Bodenproben aus bis zu zwei Metern Tiefe an mehreren Stellen zu ziehen und zu analysieren. Es beinhaltet den Rover, der mit Bohrer und Labor ausgerüstet über den Mars fährt, den Lander, der den Rover absetzt und anschließend die Atmosphäre analysiert, und das Raumschiff, das die Gerätschaften zum Mars bringt. Eine Proton-M-Rakete soll das Raumschiff ins All schießen.

Das Startfenster, in dem der Flug zum Mars möglich ist, beginnt am 25. Juli und ist etwa vier Wochen lang offen. Gelingt der Start in der Zeit nicht, muss man zwei Jahre lang warten.