Es ist eine der höchsten Ehren, die ein Wissenschaftler für seine Arbeit erhalten kann: Der Nobelpreis. In diesem Jahr geht der Nobelpreis für Physik an deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel für die Erforschung Schwarzer Löcher.

Nobelpreis für Physik: Reinhard Genzel erhält Auszeichnung für Forschung an Schwarzem Loch

Genzel hatte zugleich mit der US-Forscherin Andrea Ghez das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße entdeckt. Dafür erhalten die beiden die eine Hälfte des Preises, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte. Die zweite Hälfte geht an den Briten Roger Penrose, der erkannte, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine robuste Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.

Reinhard Genzel: Zahlen und Fakten zum Physiker aus Deutschland

  • Reinhard Genzel wurde 1952 im hessischen Bad Homburg geboren.
  • Genzel studierte Physik in Bonn.
  • Er promovierte 1978 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie.
  • Er ist heute Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München.

Schwarzes Loch: Genzel und Ghez entschlüsseln Geheimnisse des Phänomens

Genzel und Ghez (geboren 1965) entdeckten, dass ein unsichtbares und extrem schweres Objekt die Umlaufbahnen der Sterne im Zentrum unserer Galaxie beherrscht.Ein supermassereiches Schwarzes Loch sei dafür die einzige derzeit bekannte Erklärung, erläuterte die Akademie.Beide hatten seit Anfang der 1990er Jahre Forschungsgruppen geleitet, die sich mit dem Zentrum unserer Galaxie beschäftigen.
„Mich hat beeindruckt, dass Herr Genzel Fragen gestellt hat, die an den Kern der Sache gehen. Er hat weniger Wert darauf gelegt, immer nett und höflich zu sein, sondern war eher wissenschaftlich direkt“, sagte Dieter Breitschwerdt, Astrophysiker an der Technischen Universität Berlin. Genzel ist der sechste Deutsche seit 2000, dem der Physik-Nobelpreis zuerkannt wird, insgesamt gibt es mehrere Dutzend deutsche Preisträger.
Genzel erhält die Nachricht per Telefon.
Genzel erhält die Nachricht per Telefon.
© Foto: Stefan Gillessen/DPA

Andrea Ghez erhält als vierte Frau den Nobelpreis für Physik

Ghez ist erst die vierte Frau, die einen Physik-Nobelpreis erhält. „Ich hoffe, ich kann junge Frauen für das Fachgebiet inspirieren“, sagte Ghez. Es gebe noch so viel mehr als Schwarze Löcher zu erforschen, erläuterte sie, als sie nach der Verkündung von der Königlich-Schwedischen Akademie telefonisch zugeschaltet wurde.
„Der Preis für Andrea Ghez ist hochverdient, und ich freue mich, dass eine Frau ihn bekommen hat“, sagte Anton Zensus, Direktor am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie. „Ich hoffe, dass das noch viel öfter passieren wird.“
Die Abgabe des Preises an Genzel und Ghez sei hoch gerechtfertigt“, so Zensus weiter. „Die Preise zeigen, dass die Gruppe aus den USA und die europäisch-deutsche Gruppe auf Augenhöhe forschen.“ Genzel habe über viele Jahre etwa mit dem Very-Large-Teleskop der Europäischen Südsternwarte das Zentrum unserer Milchstraße und die Bahnen der Sterne beobachtet, um daraus Hinweise auf das Schwarze Loch abzuleiten. „Er hat eine unglaubliche Begeisterung für die Wissenschaft und für sein Feld.“

Zweite Hälfte des Physik-Nobelpreis geht an Roger Penrose

Roger Penrose (geboren 1931) erfand geniale mathematische Methoden, um Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie zu erforschen, wie das Nobelkomitee mitteilte. Er habe gezeigt, dass diese Theorie zur Bildung von Schwarzen Löchern führt, jenen Monstern in Zeit und Raum, die alles erfassen, was ihnen nahe kommt.

Nobelpreis 2020: Das sind die Preisträger für Medizin und Chemie

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 950 000 Euro) dotiert - eine Million Kronen mehr als im Vorjahr.
Am Montag war der Nobelpreis für Medizin den Virologen Harvey J. Alter (USA), Michael Houghton (Großbritannien) und Charles M. Rice (USA) zuerkannt worden. Sie hatten laut Nobelkomitee maßgeblich dazu beigetragen, das Hepatitis-C-Virus zu erforschen. Die daraus folgenden Bluttests und Medikamente hätten Millionen Menschen das Leben gerettet.
Am Mittwoch werden die Träger des Chemie-Nobelpreises verkündet. Am Tag darauf folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgers. Am Freitag wird verkündet, wer den diesjährigen Friedens-Nobelpreis erhält. Der Reigen endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschafts-Nobelpreis.
Die Preisträger erhalten diese Medaille.
Die Preisträger erhalten diese Medaille.
© Foto: Fernando Vergara/DPA

Wann wird der Nobelpreis überreicht?

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.
Im vergangenen Jahr hatte James Peebles (Kanada/USA) für seine grundlegenden Erkenntnisse zur Entwicklung des Universums die eine Hälfte des Physik-Nobelpreises erhalten. Die andere ging an Michel Mayor und Didier Queloz (beide Schweiz), die den ersten Exoplaneten entdeckt hatten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.