Daimler Dieter Zetsche muss Gewinneinbruch verkünden

Stuttgart / Thomas Veitinger 06.02.2019
Der Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche muss einen Gewinneinbruch verkünden. Die Gegenmaßnahmen überlässt er seinem Nachfolger.

Aus Dieter Zetsche soll mal jemand schlau werden. Gehen die Geschäfte bei Daimler wie vor einigen Jahren gut, ist er mürrisch. Läuft es im Autokonzern wie derzeit weniger rund, gibt sich der Vorstandsvorsitzende zumindest nicht schlecht gelaunt. Bei der letzten Jahresbilanz-Präsentation vor seinem Ausscheiden im Mai musste der Manager gestern einen Gewinnrückgang von fast einem Drittel bekannt geben und Gegenmaßnahmen ankündigen. In diesen „schwierigen Zeiten“ flachst Zetsche aber darüber, dass er sich durchaus mehr Partner in einer Kooperation mit BMW vorstellen kann, „denn zum Tango gehören zwei, mindestens zwei“. Auf seine persönliche Bilanz der vergangenen 13 Jahre als Chef angesprochen, sagte der 65-Jährige: „Wenn ich nach vorne blicke, bin ich sehr zufrieden, das liegt auch daran, dass ich mit einigem zufrieden bin, wenn ich nach hinten blicke.“

Zufrieden kann Zetsche mit dem Absatz sein. Im vergangenen Jahr konnte der Konzern mit dem Stern 2,3 Mio. Mercedes-Benz Pkw verkaufen – Rekord. Selbst in China, das Mitbewerbern schwere Bauchschmerzen bereitet, legten die Stuttgarter „erneut eine Schippe“ drauf mit einem Plus von 11 Prozent. Neben der E-Klasse und dem GLC-Modell liefen auch die S-Klasse und die langjährigen Sorgenkind der Maybach-Modelle gut, freut sich Zetsche. Einen Absatzrekord bei Transportern und Lkw gab es ebenfalls, auch die Absatzkurve der Busse zeigt nach oben.

Wie kommt es dann zu den Bilanz-Rückgängen?

Allem voran durch ein schwächeres Autogeschäft. Die Abgas-Zertifizierung WLTP, die die gesamte Branche in Atem hält, verhinderte zeitweise Auslieferungen, bereits produzierte Modelle konnten vom Kunden nicht übernommen werden und parkten auf Firmengeländen. Dazu kamen laut Finanzchef Bodo Uebber ein harter Preiskampf, steigende Rohstoffkosten und eine „ungünstige Entwicklung einiger Währungen“.

Ein hoher Posten auf der Soll-Seite der Bilanz sind vor allem Vorleistungen für neue Produkte und Technologien. „Wir haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren im Konzern um 60 und bei Mercedes um 80 Prozent erhöht“, sagt Zetsche.

Nach vorne gebracht werden müssen der Elektroantrieb, das autonome Fahren und Konnektivitätslösungen wie MBUX, das im Auto auf Zuruf etwa in Los Angeles eine kinderfreundliche Pizzeria mit einer Bewertung von mindestens drei Sternen, Wlan und kostenlosen Parkplätzen findet. Zetsche: „Die Zukunftspotenziale sind riesig.“

Auch der Handelsstreit zwischen USA und China forderte seinen Bilanz-Tribut. Daimler exportierte 30 000 im US-Werk in Tuscaloosa (Alabama) hergestellte Geländesportwagen nach China und konnte die höheren Zölle aber nicht vollständig an die Kunden weitergeben. Hinzu kamen auch noch Kosten für Dieselrückrufe und für das früher verwendete Kältemittel R134a. „All das“, so Zetsche, „hat sich in unseren Ergebnissen und in unserem Aktienkurs niedergeschlagen.“ Dies spüren auch die Mitarbeiter, die für 2018 eine Ergebnisbeteiligung von bis zu 4965 € bekommen – im Jahr zuvor waren es 5700 €.

Wie wird Zetsche sein Amt übergeben?

Wenn der Vorstandsvorsitzende mit dem schneeweißen Schnauzer im Mai an Entwicklungschef Ola Källenius übergibt, könnte dieser gleich eine unangenehme Aufgabe erledigen müssen. Der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz betrug  2018 nur 7,8 Prozent, 2017 lag die Umsatzrendite noch bei 9,4 Prozent. „Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein“, sagte Zetsche, der 8 bis 10 Prozent vorgibt.

Das Ziel könnte auch in diesem und nächsten Jahr unerreicht bleiben und erst 2021 erreichbar sein. Deshalb müsse es Gegenmaßnahmen in der Pkw-Sparte geben. Wie diese aussehen, ließ sich Zetsche am Mittwoch nicht entlocken. Ein Stellenabbau sei aber nicht geplant, sagte ein Sprecher – und ist wegen Standortsicherungsverträge für die Stammbelegschaft auch nicht ohne Weiteres möglich.

Dabei ist das laufende Jahr sowieso schon anspruchsvoll. Eine neue Struktur unter dem Dach einer Holding wird die Autosparte, das Lkw-Geschäft und Mobilitätsdienstleistungen zu rechtlich eigenständigen Einheiten machen. Weltwirtschaftlich schwierige Bedingungen müssen gemeistert, Kooperationen mit Leben gefüllt und neue Technologien auf die Straße gebracht werden. Daimlers erstes vollelektrisches Auto EQC ist kaum zu bekommen – wegen hoher Nachfrage.

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