Der lange Aufschwung in Deutschland ist zwar noch nicht zu Ende. Er verliert aber deutlich an Schwung: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für 2019 nur noch mit 0,9 Prozent Wachstum. Er ist damit noch etwas pessimistischer als die Bundesregierung, die ihre Prognose im Jahreswirtschaftsbericht auf 1 Prozent gesenkt hatte.

„Die Geschäftserwartungen werden in allen Wirtschaftszweigen deutlich schlechter eingeschätzt“, fasste DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die Ergebnisse der jüngsten Umfrage zusammen, an der sich 27 000 Unternehmen aus ganz Deutschland beteiligten.

Nicht  nur die Industrie leide unter den Problemen im Ausland wie dem drohenden Brexit, weshalb die Exporterwartungen so schlecht sind wie zuletzt 2012. Auch die Binnenkonjunktur lässt nach. Zwar ist der private Konsum weiter die Konsumstütze. Aber die Industrie will weniger investieren, und der Bauboom verliert etwas an Schwung.

Trotz der Wolken am Himmel dürften in Deutschland in diesem Jahr etwa 430 000 neue Arbeitsplätze entstehen, erwartet der DIHK. Insbesondere die Dienstleister suchen neue Mitarbeiter.

Für Wansleben ist die Entwicklung ein „Weckruf für die Politik“. Sie dürfe nicht nur Grundsatzdiskussionen etwa über die Grundrente führen, sondern müsse handeln. Die Unternehmen erwarteten stabile Strompreise trotz des Kohleausstiegs und eine niedrigere Steuerbelastung.

Zwar hat sich die Stimmung auch im Süden eingetrübt. Aber sie ist immer noch besser als in den anderen Regionen, zeigt die Auswertung der Umfrage. Nur 12 Prozent der baden-württembergischen Betriebe rechnen mit einem schlechteren Geschäft in den nächsten zwölf Monaten. Im Herbst waren es allerdings weniger als 10 Prozent. Mehr als jedes vierte Unternehmen hofft auf eine Besserung, 60 Prozent mit gleichbleibendem Geschäft. Skepsis herrscht insbesondere im Einzelhandel: Derzeit gelingt es nur wenigen Geschäften, sich ein Stück vom wachsenden Einkommenskuchen der Konsumenten abzuschneiden.