Finanzmärkte  Wie Anleger sich für 2019 wappnen können

Frankfurt / swp 03.01.2019

Gute Nerven haben Anleger im Jahr 2018 benötigt. Es war geprägt von den „3 G“ der Kapitalanlage: Geopolitik, Geldpolitik und globale Konjunktur. Der Einstieg ins Jahr war fulminant, dann kann der „Volatilitätsschock“: Nach einer langen Phase scheinbarer Schwerlosigkeit der Märkte mussten sich Anleger auf steigende Kursschwankungen einstellen.

Als Begründung galten unter anderem Wachstumssorgen um China. Das war aber nur ein Vorgeschmack auf das Auf- und Ab der Hoffnungen, das sich noch anschließen sollte. Handelskonflikt USA versus China und den Rest der Welt, der Haushaltsstreit der italienischen Regierung mit Brüssel, der konkreter werdende Brexit mit allen seinen Unwägbarkeiten und am Ende noch Proteste in Frankreich, die Sorgen um den fiskalischen Kurs der Grande Nation aufkommen ließen, lieferten die Stichworte dazu.

Die Geldpolitik der US-Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank entwickelte sich in Richtung einer knapper und teurer werdenden Zentralbankliquidität. Die Fed hob vier Mal ihren Leitzins an und schwenkte auf die Rückabwicklung ihres Anleihenkaufprogramms ein. Die EZB nahm langsam – allzu langsam – Kurs auf eine Beendigung ihrer Anleihenkäufe. Die globale Konjunktur entwickelte sich derweil kräftig. Gegen Jahresende wurden dann aber Schwächeanzeichen vor allem in Europa deutlich.

In diesem Umfeld konnte sich der Euro zum Dollar kaum behaupten. Die Aktienmärkte bewegten sich im Wechselbad der Gefühle und verloren Terrain. Vor allem die europäischen Märkte traf es hart. Beim Rohöl waren die Spekulationen um die Folgewirkungen der Iran-Sanktionen nur von kurzer Dauer. Die USA als Produzent weiteten die Kapazitäten aus, die Opec konnte sich nicht zu Kürzungen durchringen. Tanken wurde wieder etwas preiswerter.

In diesem Jahr werden uns die drei Bekannten – Geopolitik, Geldpolitik, globale Konjunktur – erneut begegnen. Klarer Treiber für Unsicherheiten bleibt dabei die Geopolitik. Der Brexit wird konkret, Italiens Haushalt bereitet Sorgen, Präsident Trump twittert. Kursschwankungen an den Aktienmärkten werden da nicht ausbleiben. Die Geldpolitik dürfte dagegen geradezu verlässlich sein: Die US-Fed schreitet die Zinstreppe weiter nach oben, bei der Europäischen Zentralbank ist eine erste Zinsanhebung zu erwarten. Die globale Konjunktur wird ruhiger. Einzig die USA sollten weiter unter Dampf bleiben, dank Steuersenkungen und Konjunkturprogramm. Und: Die Inflationsraten ziehen wieder an.

2019 dürfte damit ein Jahr für die gemischte Kapitalanlage („Multi Asset“) werden. Der Rat an die Anleger lautet: Streuen Sie über unterschiedliche Vermögensklassen, um Risiken zu begrenzen und Chancen zu nutzen. Und: Nutzen Sie den Durchschnittskosteneffekt mittels Sparplänen. Für einen Sparplan ist immer der richtige Zeitpunkt. Ein Sparplan – das wäre ein guter Vorsatz für 2019! Damit lässt sich ja auch der Aktienanteil im Portfolio über die Zeit aus- und die liquiden Mittel abbauen.

Übrigens: Dass sich das Zittern an den Börsen nicht lohnt, ist eher die Ausnahme als die Regel. Beispiel Dax: In der historischen Rückrechnung bis 1955 gab es in 44 von 64 Jahren eine positive Rendite. Allein über die vergangenen 30 Jahre erzielte er einen Ertrag von mehr als 8 Prozent pro Jahr – allerdings eben nicht in jedem Jahr. Das vierte „G“ der Kapitalanlage will ich Ihnen daher nicht unterschlagen: Etwas „Glück“ gehört immer dazu. Viel Glück also im neuen Jahr, nicht nur bei der Kapitalanlage.

Unser Autor Hans-Jörg Naumer leitet die Kapitalmarktanalyse der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Sie  gehört zum Versicherungskonzern Allianz und verwaltet Vermögenswerte für Privatanleger, institutionelle Anleger, aber auch für den Allianz-Konzern selbst. In Kooperation mit unserem Finanz- und Börsendienstleister vwd hat Naumer das Börsenjahr 2018 für unsere Leser analysiert:

Tipps zur Geldanlage in Gold

Die Kaufkraft der Euro-Bankguthaben ist 2018 um knapp 2 Prozent gesunken – in Höhe der Inflation der Konsumentenpreise. Für Anleger aus dem Euro-Raum war Gold damit die bessere Wahl, sagt Thorsten Pollet, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH. Er gibt diese Empfehlungen:

Tipp 1 Stufen Sie Gold als Geld ein. Wenn Sie entscheiden, einen Teil Ihres Portfolios in Form von liquiden Mitteln zu halten, halten Sie die Währung Gold.

Tipp 2 Achten Sie darauf, dass Ihr finanzielles Wohl nicht allein vom Euro abhängt. Dieser ist eine abwertungsgefährdete Währung.

Tipp 3 Kaufen Sie Gold mit langfristigem Horizont – mit Blick auf drei, fünf oder oder noch mehr Jahre.

Tipp 4 Gold erscheint – mit aller Vorsicht gesprochen – nach wie vor relativ billig zu sein. swp

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