Telefonaktion Wenn es ohne Hilfe nicht mehr geht - Fragen zur Pflege

Ulm / Helmut Schneider und Alexander Bögelein 09.09.2018

Die Eltern benötigen pflegende Unterstützung. Das stellt die Angehörigen vor erhebliche Herausforderungen. Unsere Leserinnen und Leser hatten bei der Telefonaktion viele Fragen. Wir können hier nur einen Teil davon beantworten.

Was muss ich als Tochter hinzuzahlen, wenn meine Eltern demnächst in ein Heim ziehen?

Das kann man pauschal nicht beantworten. Für die Finanzierung der Heimkosten werden die Einkommen sowie das Vermögen Ihrer Eltern und die Leistungen der Pflegeversicherung genutzt. Reicht dies nicht aus, kann man beim zuständigen Sozialhilfeträger einen Antrag auf Hilfe stellen.  Dabei werden Freibeträge ebenso berücksichtigt wie Ihre finanziellen Verpflichtungen – zum Beispiel für die Ausbildung der Kinder oder für die selbstgenutzte Immobilie.

 
Mein Mann hatte einen Schlaganfall. Ich betreue ihn. Was passiert, wenn ich selbst einmal ausfalle?

Sie sollten bei der Pflegekasse Ihres Mannes einen Antrag auf einen Pflegegrad stellen. Beschreiben Sie dabei, inwiefern Ihr Mann nicht mehr selbstständig zurecht kommt. Die Selbstversorgung spielt dabei die größte  Rolle, aber es werden auch Mobilität, andere Einschränkungen oder psychische Probleme sowie der Umgang mit Medikamenten und soziale Kontakte berücksichtigt.

Ob mein Vater, der allein lebt, pflegebedürftig ist, können wir nicht einschätzen. Was sollen wir tun?

Stellen Sie einen Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse Ihres Vaters. Sie beauftragt den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) beziehungsweise bei Privatversicherten die Medicproof mit der Begutachtung. Ihr Vater kann dann wählen, ob er Pflegegeld, Sachleistungen oder eine Kombination aus beidem in Anspruch nimmt.

Mein Mann ist Stoma-Patient, hat aber keinen Pflegegrad.  Wie kann er unterstützt werden?

Der Arzt kann eine Verordnung für die so genannte Behandlungspflege ausstellen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Wenn ich mal eine kurze Auszeit nehmen möchte und eine gute Bekannte meine Mutter pflegt, gibt es dafür eine Unterstützung? 

Ja, die so genannte Verhinderungspflege. 1612 Euro stehen Ihnen dafür jährlich zur Verfügung, wenn Sie als Pflegeperson ausfallen. Sollte Ihre Mutter innerhalb eines Kalenderjahres zudem noch keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen haben, kann sich der Betrag um die Hälfte des Kurzzeitpflegegeldes, das ebenfalls 1612 Euro beträgt, erhöhen. Sie könnten somit im Jahr 2418 Euro für Ihre Bekannte abrechnen.


Mein pflegebedürftiger Opa ist an Demenz erkrankt. Ich studiere noch und frage mich, ob ich die „Unterstützung im Alltag“ bekomme?

Häufig ist unklar, was es mit der entlastenden „Unterstützung im Alltag“ auf sich hat. Und warum Sie hier eben als Enkelin nicht tätig werden können, um die 125 Euro abzuarbeiten. Kann der an Demenz erkrankte Opa nicht allein gelassen werden, muss er zum Arzt oder zur  Physiotherapie, möchte er spazieren gehen oder  einkaufen –  hier können Betreuung und Begleitung zwar finanziert werden. Aber nur bei anerkannten Angeboten. Die Pflegekasse gibt Ihnen eine entsprechende Liste.


Stimmt es, dass man für eine Kurzzeitpflege noch etwas dazu zahlen muss?

Ja, die 1612 Euro im Jahr für die Kurzzeitpflege sind pflegebedingte Aufwendungen. Es bleibt ein Eigenanteil für die so genannten Hotelkosten – also Unterbringung und Verpflegung.

Der Antrag meiner privatversicherten Mutter auf Pflegeleistungen wurde abgelehnt. Damit sind wir nicht einverstanden. Sollen wir klagen?

Zunächst sollten Sie mit einem Pflegeberater das entsprechende Gutachten dahingehend prüfen, wo Ihrer Meinung nach der dargestellte Hilfebedarf mit dem von Ihnen eingeschätzten nicht übereinstimmt. Natürlich können Sie beim Versicherer Einspruch einlegen. Danach folgt in der Regel eine Überprüfung durch einen anderen Gutachter.

Ich weiß nicht, welche Leistungen für meinen 83-jährigen pflegebedürftigen Mann am besten sind, und was man eventuell in der Wohnung verändern sollte.

Fordern Sie zunächst einmal bei der Pflegekasse Ihres Mannes eine kostenfreie Pflegeberatung an. Das steht Ihnen per Gesetz zu. Sie findet auf Wunsch in Ihrer Wohnung statt.

Bei Pflegegrad 1 stehen mir ja diese zusätzlichen Entlastungsleistungen zu. Was erhalte ich da genau?

Der zusätzliche Entlastungsbetrag steht allen Pflegebedürftigen mit den Pflegegraden 1 bis 5 zu, die in ihrer häuslichen Umgebung betreut werden. Es ist keine Geldleistung, die wie Pflegegeld auf das Konto des Pflegebedürftigen geht. Die monatlichen 125 Euro sind ein Erstattungsanspruch.

Die Betreuungsintensität unseres Vaters steigt über seinen Pflegegrad hinaus.  Was tun?

Sie können einen Antrag auf Höherstufung stellen. Mehr Pflegegeld und höhere Sachleistungen sollen helfen, den zunehmenden Belastungen durch die Pflege entgegenzutreten.  Ist bereits ein  ambulanter Dienst tätig, sollte man mit den Pflegekräften gemeinsam eine Höherstufung überlegen.  Nach Antragstellung wird immer ein neues Pflegegutachten in Auftrag gegeben.

Nach einem Schlaganfall kommt mein Vater als Pflegebedürftiger nach Hause. Kann ich von der Arbeit freigestellt werden, und wer bezahlt den Lohnausfall?

Wenn der Pflegefall akut eintritt, kann eine Freistellung von der Arbeit beantragt werden. Sie benötigen dafür eine ärztlich Bescheinigung zur Pflegedürftigkeit Ihres Vaters, die Sie Ihrem Arbeitgeber vorlegen. Sie können bis zu zehn Tage freigestellt werden. Als Lohnersatz zahlt die Pflegekasse das so genannte Pflegeunterstützungsgeld. Das sind 90 Prozent Ihres Nettoeinkommens.

Ich möchte für die Betreuung meiner Mutter im Job kürzer treten. Gibt es einen Ausgleich für meine dann geringeren Rentenansprüche?

Sofern Sie nicht mehr als 30 Stunden in der Woche berufstätig sind und Ihre Mutter an mindesten zwei Tagen insgesamt zehn Stunden in der Woche pflegen, können Sie bei der Pflegekasse Ihrer Mutter beantragen, dass sie Rentenbeiträge einzahlt.

Wir haben für meine Mutter eine Vorsorgevollmacht. Was passiert, wenn wir als Vollmachtnehmer nicht mehr in der Lage sind, diese später auch tatsächlich wahrzunehmen? 

Stellen Sie bei der zuständigen Stelle Ihrer Stadt oder Ihres Landratsamtes einen entsprechenden Antrag. Sie können sich dort auch vorab noch einmal beraten lassen. Dann wird richterlich geprüft, ob eine amtliche Betreuung erforderlich ist.

Wie finden wir ein gutes Heim? Kann man sich auf Qualitätsnoten  verlassen? Was sollten wir bei der Suche beachten?

Bei der Stadt und im Landratsamt gibt es Listen regionaler Einrichtungen. Schauen Sie, was wer zu bieten hat, aber nicht nur auf die Bestnoten. Haben Sie eine Einrichtung in die engere Wahl gezogen, gehen Sie hin. Ein persönlicher Eindruck vor Ort ist immer gut. Sprechen Sie gegebenenfalls mit Bewohnern. Schauen Sie, ob die Leistungen erbracht werden, die Ihre Mutter benötigt. Informieren Sie sich über Freizeitangebote und achten Sie darauf, dass das Heim in Ihrer Wohnortnähe liegt, damit Sie Ihre Mutter häufig besuchen können.

Gibt die Pflegekasse etwas dazu, wenn wir unser Bad umbauen müssen, damit die Pflege meiner Frau leichter wird?

Vorausgesetzt, Ihre Frau hat einen Pflegegrad, dann kann sie einen Zuschuss für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen stellen. Bis zu 4000 Euro Zuschuss können beispielsweise für einen Treppenlift, Badumbau, Beseitigung von Türschwellen, Bau einer Rampe und Türverbreiterung gewährt werden. Legen Sie dem Antrag einen Kostenvoranschlag bei, und beginnen Sie erst mit dem Umbau, wenn der Bewilligungsbescheid da ist.

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