Textilhändler klagen immer wieder über den Online-Handel und seine fatalen Folgen für den Einzelhandel vor Ort. Riesige Anbieter wie Zalando und Amazon nähmen den Geschäften immer mehr Kunden weg. Aber ist das der einzige Grund?

Händler AWG hat im Januar 2019 Insolvenz angemeldet und nennt als Grund auch den milden Herbst und das damit missglückte Geschäftsjahr 2018.

Josef Röll von der IHK Ulm sieht im Online-Handel nicht das einzige, aber dennoch ein großes Problem für die Händler: „Online-Einkäufe machen im Textil-Bereich 30 Prozent der Umsätze aus - das ist ein Haufen Holz.“ Zalando und Co. seien ernstzunehmende Konkurrenten, die ein viel breiteres Spektrum an Farben und Größen anbieten könnten.

Textilhändler haben aber noch ganz andere Probleme

Man könne aber nicht alles nur auf den Online-Handel schieben, erklärt Röll: „Der Hype auf Mode hat in den letzten Jahren einfach nachgelassen und der Anteil vom Gehalt, den Kunden für Mode ausgeben, ist gesunken.“

Ein weiteres Problem sei die Beliebigkeit der angebotenen Ware: „Was H&M anbietet, macht Zara auch. Die Zeiten, in denen ich einem Pullover ansehen konnte, aus welchem Geschäft er stammt, sind vorbei. Ist der Stil jedoch zu extrem, vergrault man die breite Masse. Dieser Spagat ist für die Textilbranche extrem schwer zu schaffen.“

Was muss der Modehandel tun, um sich zu erholen?

„Sein Profil schärfen“, sagt Röll wie aus der Pistole geschossen - um gleich darauf zu relativieren: „Das sagt sich halt so einfach.“ Meist sei es „tödlich“, sein bisheriges Profil zu verlassen. „Trotzdem müssen sich die Händler viel stärker fragen ‚Was will meine Zielgruppe eigentlich?’.“

Einfacher werde es nicht werden, dafür sei der Konkurrenzdruck zu groß. „Aber ich glaube immer noch an den inhabergeführten Einzelhandel, damit ist man einfach näher am Kunden.“

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