Kommentar Thomas Veitinger zum Schadenersatz von Volkswagen VW will keinen Euro zu viel zahlen

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Ulm / Thomas Veitinger 31.08.2018

Volkswagen ist pleite. Dieses Schreckgespenst malte der ehemalige VW-Chef Matthias Müller für den Fall an die Wand, dass der Konzern für seinen Abgasbetrug Schadenersatz zahlen muss. Das ist natürlich Unsinn. In Deutschland würden für die betroffenen mehr als 2,2 Millionen Besitzer weitaus weniger Ausgleichszahlungen fällig werden, als in den USA, wo 25 Milliarden Euro bezahlt wurden. Die Netto-Liquidität der Wolfsburger: 26,3 Milliarden Euro.

Aber die Strategie von VW ist, nur keinen Euro zu viel für etwas auszugeben, das als längst abgearbeitet gilt. Vergleiche werden erst dann geschlossen, wenn eine juristische Niederlage droht. Dadurch wird ein Präzedenz-Urteil vermieden.

Das mag wirtschaftlich nachvollziehbar sein, schließlich ist der Konzern seinen Aktionären verpflichtet. Zudem muss VW wie alle anderen Autobauer Autonomes Fahren, E-Antrieb und neue Mobilität entwickeln.

Dennoch ist dieses Verhalten falsch. Denn Autobesitzer, die sich nicht auf die juristische Auseinandersetzung einlassen wollen oder können, gehen leer aus. Sie werden möglicherweise mit negativen Folgen der Softwarenachrüstung oder geringerem Wiederverkaufswert alleine gelassen. Diese Kultur des Wegduckens hat Tradition. Die Diesel-Krise der Branche ist eine Ansammlung von Vertuschen, Leugnen und Nichteingestehen der Schuld.

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