Voith Voith: Große Zukunft für kleine Roboter

Konzernchef Toralf Haag (rechts) und Digitalsparten-Chef Roland Münch mit dem Roboter Panda.
Konzernchef Toralf Haag (rechts) und Digitalsparten-Chef Roland Münch mit dem Roboter Panda. © Foto: Bildquelle
Alexander Bögelein 07.12.2018

Panda ist einfühlsam und klein , dennoch gehört ihm die Zukunft. Toralf Haag, Vorsitzender der Voith-Konzerngeschäftsführung,  und Roland Münch, Chef der Sparte Digital Ventures, haben den vielseitigen Helfer mit zur Pressekonferenz des Heidenheimer Maschinenbauers nach Stuttgart gebracht. Leise und unaufgeregt zeigt Panda, was er alles kann: Smartphones am Ende der Produktion auf ihre Funktionsfähigkeit überprüfen, Magazine mit Werkzeugen bestücken oder Chips auf Platinen setzen.

Später einmal könnte sich die Beteiligung im Rückblick an dem Start-up Franka Emika als Meilenstein für den 151 Jahre alten Traditionskonzern herausstellen. Voith hat sich im Frühjahr mit 10 Prozent an dem jungen Unternehmen beteiligt und überdies ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet.

Der Leichtbauroboter, der sich fast selbsterklärend über ein Tablet programmieren lässt, passt gut in die Digitalstrategie des 151 Jahre alten Unternehmens. Voith hat neben seinen althergebrachten drei Säulen – Papiermaschinen, Turbo (Antriebs- und Bremssysteme) und Hydro (Wasserkraft) – mit Digital Ventures einen vierten Geschäftsbereich, in dem bereits 2250 Mitarbeiter arbeiten.

Erste Anwendungen seien im Markt. Die Anlaufverluste, die sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 50 Mio. € summierten, würden als „bewusste Investition in zukünftiges Wachstumspotenzial“ gesehen und sukzessive abgebaut, sagte Haag.

Im Gegensatz zu den anderen Bereichen würden die digitalen Produkte schrittweise in Modulen entwickelt und auf den Markt gebracht. „Unser neues Baby ist der Panda. Mit seinen sieben Achsen ist er sehr beweglich und verfügt über eine hohe Sensitivität“, erläuterte Haag. Der Markt für Roboter wie Panda wachse rasant – mit 20 bis 30 Prozent pro Jahr. In diesem Jahr werden weltweit 30 000 Stück verkauft, ergänzte Münch. Wie viele Pandas Voith bereits abgesetzt hat, wollten die beiden nicht verraten.

Für Voith ist dies der zweite Anlauf in der Robotik. 2014 hatte sich der Maschinenbauer am Augsburger Konzern Kuka beteiligt, die angestrebte komplette Übernahme des Spezialisten für große Schweißroboter scheiterte aber. Der Verkauf der Anteile brachte dem Unternehmen aber mehr als eine halbe Milliarde Euro ein. Insgesamt stehen laut Haag für Zukäufe 1,5 Mrd. € zur Verfügung. Vorerst sollen aber nur Firmen erworben werden, die das Kerngeschäft gut abrunden und für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag zu haben sind. Beim Aufbau eines fünften Standbeins sei man nicht in Eile, sagte Haag. Es sei zudem gut möglich, dass die Robotik zur fünften Sparte heranwachse. Zunächst wolle Voith aber vor allem aus eigener Kraft wachsen.

Haag steht erst seit Ende Oktober an der Spitze des Voith-Konzerns. Im April hatte Stephan Schaller Hubert Lienhard, der zehn Jahre an der Spitze gestanden hatte, abgelöst, sich aber nach wenigen Monaten wieder zurückgezogen. Seit Ende Oktober ist Haag Finanz- und Konzernchef in Personalunion.

Die Aussichten für Voith bewertet er positiv. Der weltweite Energiebedarf steige, der Markt für Papiermaschinen boome – auch wegen des Versands von Paketen, die Veränderung der Mobilität eröffne neue Chancen und schaffe wachsenden Bedarf in der Industrie nach digitalen Lösungen, die Voith entwickle.

10 000 Mitarbeiter in Deutschland

Der Maschinenbauer Voith hat im Geschäftsjahr 2017/18 seine Struktur gestrafft. Von einstmals 400 Gesellschaften über derzeit 130 sollen nur 80 rechtliche Einheiten bleiben. Voith steigerte den Umsatz währungsbereinigt um 4 Prozent auf 4,2 Mrd. €. Das Konzernergebnis stieg – ohne Berücksichtigung des Verkaufs der Kuka-Anteile – um 61 Prozent auf 53 Mio. €. Die Nettoliquidität beträgt 557 Mio. €, die Eigenkapitalquote liegt bei 28,7 Prozent. Von den 19 535 Mitarbeitern arbeiten 10 000 in Deutschland, 4000 in Heidenheim. amb

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