Abgas-Affäre Viele Diesel noch nicht nachgerüstet

Ein Kfz-Meister führt ein Update durch.
Ein Kfz-Meister führt ein Update durch. © Foto: J. Stratenschulte/dpa
Berlin / Dorothee Torebko 11.01.2019

Mit ihrem Ziel, bis Ende 2018 die Software von 5,3 Mio. Dieselautos zu erneuern, sind die deutschen Autohersteller krachend gescheitert. Nur 3,75 Mio. Autos wurden fertig umgerüstet, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) der „Passauer Neuen Presse“. Spitzenpolitiker der SPD, Linken und Umweltschützer laufen Sturm gegen das verfehlte Ziel und kritisieren Scheuer für seine mangelnde Durchsetzungskraft. Der Minister ist enttäuscht von den Herstellern. Doch mit Konsequenzen droht er nicht.

Vor einem Jahr hatten die Autobauer zugestimmt, freiwillig 5,3 Mio. Diesel mit einer neuen Software versehen. Es sind jene Schummel-Diesel, die zwar im Labor den Abgasvorschriften entsprachen, im Realverkehr aber mehr Stickoxide in die Luft pusteten als erlaubt. Somit hatte allen voran VW jahrelang Emissionen manipuliert und damit seine Kunden betrogen. Mit der Verpflichtung zu Software-Updates sollte der größte deutsche Autobauer die Schummelei ausbügeln.

Das ist offenbar nur zum Teil passiert, wobei VW nach Angaben des Verkehrsministeriums im Vergleich zu Daimler und BMW noch am besten dasteht. Die Gründe liegen laut Scheuer da­rin, dass die Hersteller zu ihren Anträgen auf Freigabe der Software-Updates noch die notwendigen technischen Unterlagen an das Kraftfahrtbundesamt (KBA) liefern müssen.

Da es sich um freiwillige Softwareupdates handelt, hat der Bund keine rechtliche Handhabe für Strafzahlungen, erläutert der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) in Geislingen, Stefan Reindl. Damit könnten auch die nicht upgedateten Autos nicht stillgelegt werden. „Es ist aber ein weiterer herber Rückschlag für das Vertrauen in die Autoindustrie“, sagt Reindl.

Harsche Kritik an den 1,5 Millionen nicht umgerüsteten Autos kommt von der SPD. „Ich halte es für ein fatales Signal, dass es die Automanager nicht schaffen, den Kundinnen und Kunden die zugesagten Softwareupdates wie versprochen vollständig zur Verfügung zu stellen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sören Bartol dieser Zeitung. Damit würden die Manager Arbeitsplätze gefährden.

Gerd Lottsiepen vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland sagt: „Die Autobauer haben ein Versprechen gegeben, dass sie von Anfang an nicht ernst genommen haben. Sie betrügen die Öffentlichkeit weiterhin.“ Er betont, dass Software-Nachrüstungen ohnehin wenig wirksam seien. Studien zufolge bringen sie nur 30 Prozent Schadstoff-Minderung. Sinnvoller sei ein Umbau der Hardware.

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