Die Beurteilung der geplanten Batteriefabrik in den neuen Antragsunterlagen für die Genehmigung sei schwierig, „weil alles geschwärzt ist“, sagte der Landesgeschäftsführer der Grünen Liga, Michael Ganschow, am Freitag. „Die Mengenangaben kann man nicht nachvollziehen, die Stoffe nicht nachvollziehen.“ Die Batteriefabrik werde auf die Grenze eines Wasserschutzgebietes gebaut, so dass bestimmte Gefahrenstoffe nicht verboten seien. Er sieht auch Widersprüche in der Frage der Überdachung von Tankanlagen.
In der Tesla-Fabrik in Grünheide soll unter anderem der Kompakt-SUV Model Y produziert werden. Kurz vor Beginn der Auslieferungen hat das Unternehmen das Auto am Donnerstagabend erstmals in Deutschland präsentiert. Das Fahrzeug, das am Donnerstagabend in Berlin gezeigt wurde, kam aus Shanghai. Bis die Produktion im Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin anläuft, sollen der deutsche und der europäische Markt mit Model-Y-Fahrzeugen aus China versorgt werden.
Tesla wollte ursprünglich im Juli mit der Produktion des Model Y in Grünheide beginnen, doch die Fertigstellung des ersten europäischen Werks dauert nach Verzögerungen im Genehmigungsverfahren länger. Der Beginn der Auslieferungen des Model Y in Europa war für das dritte Quartal angekündigt, die ersten Wagen sollen nun im August an die Käufer gehen. Der Start der Produktion in Grünheide ist aktuell bis Ende des Jahres angepeilt. Die abschließende umweltrechtliche Genehmigung durch das Land Brandenburg steht aus, deshalb baut das Unternehmen über einzelne vorzeitige Zulassungen.
Die Geschäftsführerin des Nabu Brandenburg, Christiane Schröder, lehnt weitere vorzeitige Zulassungen für Tesla ab. „Weil man hier einfach Gefahr läuft, Dinge in die Landschaft zu bauen und Störfälle zu erzeugen, die dann nicht mehr eingefangen werden können“, sagte Schröder.
Beide Umweltverbände waren im Juli mit einem Eilantrag gegen eine weitere vorzeitige Genehmigung für den Bau gescheitert. Anfang August wies das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eine sogenannte Anhörungsrüge der beiden Verbände ab. Der Anwalt der Verbände, Thorsten Deppner, sagte am Freitag: „Das Ziel ist nicht, das Vorhaben zu stoppen, das Ziel ist, dafür Sorge zu tragen, dass sich auch ein Unternehmen wie Tesla mit diesem großen Projekt an geltendes Recht und Gesetz hält.“
Die Frist für Einwendungen gegen den aktualisierten Antrag von Tesla für die Genehmigung der Fabrik lief in der Nacht zu Freitag um Mitternacht ab. Mindestens 643 Einwender gab es bisher insgesamt, teilte das Umweltministerium auf Anfrage mit. Mindestens 314 Kritiker hätten sich bei der jüngsten Auslegung von Unterlagen mit Einwänden gegen die Ansiedlung ans Land gewendet. Darunter seien mindestens 229 neue sogenannte Einwender, die noch nicht bei den ersten beiden Auslegungen von Unterlagen geschrieben hätten. Die Zahl aller Einwender stehe aber noch nicht komplett fest.
Tesla hatte nach Kritik auch Pläne geändert und zum Beispiel den geplanten Wasserverbrauch gesenkt. Die Bürgerinitiative Grünheide gegen die Tesla-Fabrik und der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg bekräftigten am Freitag ihre Forderung nach einem Baustopp bis zur Klärung von Fragen des Wasserbedarfs, der Abwasserbehandlung und des Umgangs mit Störfällen.