Wirtschaft am Rand Traurige Gestalten 

Ulm / Helmut Schneider 08.09.2018

Für literarisch nicht so Interessierte sei die Figur Don Quijote kurz umrissen: Er kämpfte im Spanien des 16. Jahrhunderts hoch zu Roß gegen Windmühlen, in der Annahme, es seien böse Riesen. Sein wackerer Knappe Sancho Pansa weist ihn auf die wirklichen Verhältnisse hin, aber sein Herr lässt sich nicht beirren – und geht so als Ritter von der traurigen Gestalt in die Weltliteratur ein.

Wir müssen annehmen, dass den deutschen Ausbildungsbevollmächtigten und – politikern eine solch großartige Karriere verwehrt bleibt, wenngleich ihr Kampf nicht weniger heldenhaft und auf ebenso anrührende Art erfolglos ist. Seit Jahren wollen sie Mädchen zu Mechanikerinnnen ausbilden und Jungs dazu bewegen, beruflich etwas anderes in den Blick zu nehmen, als an Autos herumzuschrauben.

Das jährliche Ranking zeigt aber wieder: Es nützt nichts. Der Mechatroniker steht bei den Männern weiter hoch im Kurs, während die Frauen nach wie vor gerne frisieren – nicht die Autos, sondern die Haare ihrer Kundschaft.

Großartige Literatur weist immer über die Zeit hinaus, in der sie geschrieben wird. Wo träfe dies besser zu als bei Don Quijote? Heute, 500 Jahre später, wird nicht mehr gegen Windmühlen gekämpft, aber umso erbitterter gegen gendermäßige Vorlieben. Die Don Quijotes der Neuzeit kommen nicht mit Roß und Sancho Pansa daher. Sondern mit dem Willen, gleich zu machen, was nicht gleich sein will. Was für Ritter der traurigen Gestalt!

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