Davon träumen heute viele Besitzer eines Elektroautos: Bei einem leeren Akku überall schnell und bequem genügend Strom für die Weiterfahrt tanken zu können. Wahr machen diesen Wunsch Schnellladestationen wie an der Autobahnanschlussstelle Ulm-Ost, wo die Hauptverkehrsverbindungen A7 und die A8 aufeinandertreffen. Innerhalb von fünf Minuten füllt sich hier bereits die Fahrzeugbatterie mit genügend Energie, um 100 Kilometer weit zu kommen.
Vor wenigen Wochen hat Siemens die ersten 30 Aral-Tankstellen in Deutschland mit einem Komplettsystem für die Zapfsäulen der Zukunft ausgerüstet, weitere sollen folgen. Doch mit den superschnellen Ladepunkten mit einer Leistung von bis zu 350 kW allein ist es hier nicht getan: Erst durch einen leistungsfähigen und zuverlässigen Netzanschluss an das öffentliche Stromnetz wird die Umrüstung möglich. Dies geschieht mit Hilfe von Ortsnetzstationen, die aus einem hermetisch gekapselten Transformator und zwei Schaltanlagen bestehen. Über das Internet of Things, eine Anwendung in der Cloud und eine Web-Applikation kann sich der Mineralölkonzern jederzeit über deren aktuellen Zustand informieren. „Das sorgt für höchste Zuverlässigkeit und eine bessere Netzauslastung“, sagt Dr. Frank Hörtz, der als Head of Vehicle Charging bei Siemens Smart Infrastructure Konzepte zur elektrischen Verkehrswende entwickelt.
Eine große Hürde für das Laden im öffentlichen Raum stellen bislang allerdings die unterschiedlichen Bezahlsysteme verschiedener Anbieter dar. So auch an den rund 500 Ladepunkten, die von der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg mbH (PBW) in 50 Städten des Landes an öffentlichen Parkplätzen und -häusern von Hochschulen, Kliniken oder Behörden betrieben werden. Sie stammen von diversen Herstellern und sind oft nicht miteinander kompatibel. Mit der Software „E-Car Operation Center“ von Siemens, die kürzlich für die ersten 200 PBW-Säulen eingeführt wurde, gehört dieser Zustand nun der Vergangenheit an. Die Besitzer von Elektroautos können dort bereits den benötigten Strom mit unterschiedlichen Bezahlsystemen wie zum Beispiel per Giro-e bequem mit der EC-Karte bezahlen und erhalten über Roaming leichten Zugang zu weiteren Ladesäulen über die eigene Region hinaus.

Laden am Tennisplatz

Auch der Deutsche Tennis Bund (DTB) geht mit Siemens gemeinsame Wege in Sachen Elektromobilität. Als ersten Aufschlag für das Pilotprojekt „Ladeinfrastruktur am Tennisclub“ wurden im vergangenen Herbst im DTB-Bundesstützpunkt Oberhaching bei München zwei Elektroladesäulen installiert. Diese stehen nun den Mitgliedern, Spielern und Gästen der Sportanlage für das Laden ihrer E-Fahrzeuge zur Verfügung und sollen als Vorbild für die knapp 9000 Tennisvereine in Deutschland mit rund 1,4 Millionen Mitgliedern dienen: Während auf dem Platz ein spannendes Match läuft, füllen sich die Fahrzeug-Akkus in Rekordzeit. Mit der Möglichkeit zur Einbindung von Solarstrom und einer Pufferspeicherbatterie in das Ladesystem, wird die Lösung noch flexibler, ökologischer und durch staatliche Förderung auch kostengünstiger für den Betreiber.
Doch nicht nur im privaten Bereich ist die Transformation in Richtung E-Mobilität längst voll im Gang. Viele Lieferdienste bringen ihre Waren mit E-Fahrzeugen oder Elektrorollern zum Kunden und in Stadtverwaltungen werden Konzepte zur E-Motorisierung ganzer Fahrzeugflotten für Straßenreinigung oder Müllabfuhr entwickelt. Mit Enterprise Charging von Siemens gibt es auch ein spezielles Angebot für die Firmenwagen von Unternehmen. Es umfasst den Aufbau und Betrieb einer passenden Ladeinfrastruktur am zentralen Standort sowie vielfältige Lademöglichkeiten unterwegs für die Dienstfahrzeuge mit Hilfe einer Ladekarte und der kombinierten Abrechnung.

E-Busse starten durch

Immer mehr Verkehrsbetriebe lassen moderne Elektrobusse durch die Straßen der Städte rollen. „Die Akzeptanz für E-Mobilität im öffentlichen Nahverkehr nimmt weltweit zu und wird mehr und mehr zum wesentlichen Bestandteil des Klimaschutzes“, sagt Andreas Laske vom Vertrieb eBus Ladeinfrastruktur bei Siemens Smart Infrastructure. So haben die Regensburger Verkehrsbetriebe Siemens beauftragt, ein komplettes Busdepot für den Umstieg auf Elektromobilität auszurüsten und dazu sowohl die Ladeinfrastruktur als auch die Stromversorgungstechnik zu liefern. Unter anderem wird ein Schienenverteilersystem zur Stromverteilung als Alternative zu einer aufwändigen Verkabelung installiert.
Neben Leipzig und Nürnberg gehört auch Hamburg zu den Vorreitern der E-Mobilität im Nahverkehr. Seit 2020 stellt die Hochbahn AG in der Hansestadt ausschließlich emissionsfrei angetriebene Busse in Dienst. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die komplette Flotte von rund 1000 Bussen auf klimaschonende Antriebe umgestellt werden. Die nötige Infrastruktur liefert unter anderem Siemens: Auf dem Busbetriebshof Alsterdorf werden dazu zwei Carports mit insgesamt 96 Ladestationen ausgestattet. Die nötige Technik dazu ist platzsparend auf dem Dach installiert, die Ladekabel werden von der Decke zu den Fahrzeugen geführt.

E-Mobilität muss sich rechnen

Ähnlich wie bei den Bussen lässt sich derzeit auch eine verstärkte Nachfrage nach E-Mobilitäts-Lösungen für den Lieferverkehr beobachten. „Lange war das Angebot hier überschaubar“, sagt Dr. Frank Hörtz. „Der aktuelle Boom hängt auch damit zusammen, dass sich das gerade ändert.“ Zudem schaffen auch hier staatliche Fördermaßnahmen zusätzlichen Anreiz. Dass Elektromobilität nicht nur das Klima schonen soll, sondern sich finanziell auch rechnen muss, hat der Siemens-Experte im Blick, wenn er den Betreibern von Ladestationen die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle empfiehlt.
So könnte etwa ein Nahverkehrsunternehmen, das seine Fahrzeuge nachts im eigenen Depot mit grünem Strom versorgt, seine Ladeinfrastruktur tagsüber an einen weiteren Abnehmer vermieten, beispielsweise die Stadtreinigung. Hierfür bietet Siemens neben technischem Know-how auch die nötige Beratungskompetenz an, um Kunden bei der Suche nach der für sie maßgeschneiderten Lösung inklusive einer intelligenten Finanzierung zu unterstützen.