Schwerpunkt Solar- und Windkraft mit leichtem Minus

Vaihingen Enz: Einweihung Photovoltaikanlagen, Stromberggymnasium
Vaihingen Enz: Einweihung Photovoltaikanlagen, Stromberggymnasium © Foto: Pangerl Helmut Pangerl Helmut
Bietigheim-Bissingen / Frank Ruppert 31.08.2018

Wir sind, was die Leistung der Fotovoltaikanlagen angeht, acht Prozent unter dem Vorjahreswert“, sagt Rainer Kübler, Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen. Grund dafür seien aber hauptsächlich die schlechten Monate zu Beginn des Jahres. Im Januar wurde 30 Prozent weniger, im März sogar mehr als 30 Prozent weniger Solarstrom erzeugt als noch 2017. Da helfe das Fünf-Prozent-Plus im Juli auch nicht viel. „Die Empfindung, dass es also schon sehr lange sehr sonnig ist, stimmt nicht“, sagt Kübler. Dabei können hohe Temperaturen auch dazu führen, dass eine Fotovoltaik-Anlage weniger Strom liefert. „Ist die Umgebungstemperatur sehr hoch, erhöht sich der Widerstand. Die Anlage muss nämlich auch Wärme abgeben und das geht schlechter, wenn es ohnehin schon sehr heiß ist“, erklärt Kübler. Bei höherem Widerstand fließt auch weniger Strom ins Netz.

Mit dem Sommer kamen auch teils heftige Unwetter. „Das kann den Fotovoltaikanlagen nichts anhaben, denn die sind aus dem gleichen Material wie Sicherheitsglas“, sagt Kübler. Eine Abschaltautomatik für Unwetter sei deshalb nicht vorgesehen, allerdings gelte für große Anlagen eine andere Regel. Wenn zu viel Strom im Kreislauf sei, müsse eine Anlage abgeschaltet werden, um das Netz nicht zu überlasten. „Das ist aber bei uns bislang noch nicht vorgekommen“, versichert Kübler.

Schwankungen bei Solarenergie

Aktuellste Zahlen zeigten, dass in diesem Jahr rund 7 Millionen Kilowattstunden (kWh) in Fotovoltaikanlagen produziert worden seien. Um auf die 10,8 Millionen des Vorjahres zu kommen, müsste es schon ein außergewöhnlich sonniger Herbst werden, meint Kübler. Trotz der Schwankungen von Jahr zu Jahr sei Sonnenenergie verlässlicher als Windenergie. Da habe man teilweise 20 Prozent Schwankungen, bei Fotovoltaik bewege sich dies in der Regel bei fünf bis sechs Prozent um einen Mittelwert herum.

Die Stadtwerke haben 2017 49,8 Millionen kWh aus erneuerbaren Energien erzeugt, 10,8 aus Fotovoltaik, rund 30 aus Biogas und etwa sechs aus Wasserkraft.  70 Millionen kWh verbrauchen die Kunden der Stadtwerke im Jahr. Mit elf Millionen kWh können laut Kübler 4000 bis 5000 Haushalte ein Jahr versorgt werden.

Wenig Wind im Juni und Juli

Für das Ingersheimer Windrad ist die „Erntezeit“ vornehmlich in der Winterjahreshälfte, sagt Dieter Hallmann von der Energiegenossenschaft Ingersheim und Umgebung. Vergleiche man die durchschnittlichen Winderträge in ihrer saisonalen Aufteilung, so sei zu erkennen, dass in den Wintermonaten etwa 34 Prozent des Jahresertrags erzielt wird, während es in den Sommermonaten im langjährigen Durchschnitt etwa 17 Prozent sind. „In diesem Sommer wird es voraussichtlich lediglich zwischen acht und zehn Prozent sein“, sagt Hallmann.

Die lang anhaltende Hochdruckphase und die große Hitzeperiode sorgte beim Ingersheimer Windrad für vermehrte Windstille und damit auch für deutlich weniger Stromerträge, vor allem in den Monaten Juni und Juli. Dennoch spielen diese Ertragsausfälle in den Sommermonaten keine so große Rolle, weil typischerweise die wesentlich stärkeren Winde in den Herbst- und Wintermonaten auftreten, so dass die verminderten Erträge in diesem Sommer durch kräftigere Stürme im November und Dezember durchaus wieder kompensiert werden können. In diesem Jahr steht das Windrad aber nicht nur bei Windstille, wie Hallmann erklärt. Für ein Forschungsprojekt werden seit Januar gezielt Abschaltungen veranlasst.

2017 verzeichnete die Energiegenossenschaft ihr bestes Betriebsergebnis mit mehr als 3,5 Millionen kWh Windstrom. Das lag laut Hallmann vor allem an den Winter- und Herbststürmen. Die Winterstürme Burglind, Evi und Frederricke im Januar 2018 sorgten dafür, dass mit fast 525 000 kWh der höchste monatliche Ertragswert der vergangenen sechs Jahre erzielt werden konnte.

Das Ingersheimer Windrad wurde 2012 in Betrieb genommen und habe bislang mehr als 19 Millionen kWh sauberen Strom in das Netz eingespeist.

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