Von der anstehenden Europa-Wahl wünscht sich Roman Glaser, dass die europafreundlichen Parteien daraus gestärkt hervorgehen. Für den Präsidenten des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (BWGV) ist dies natürlich kein Widerspruch zu seiner jahrelangen Kritik an dem, was die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die europäische Bankenaufsicht seinen Volks- und Raiffeisenbanken an Ungemach bereitet.

Die beiden Stichworte dazu bringt Glaser genauso wie sein Kollege vom Sparkassenlager seit Jahren – erzwungenermaßen. Sie lauten Niedrigzinspolitik und europäische Einlagensicherung. Auf beides sind die beiden Bankenlager, Genossen und Sparkassen, nicht gut zu sprechen. Gestern sagte Glaser wieder über die niedrigen Zinsen: „Die größten Verlierer dieser Entwicklung sind die Sparer in Deutschland.“

Sie werden es aller Voraussicht nach noch einige Zeit sein, weil der Geno-Präsident sich nicht vorstellen kann, dass die Zinsen noch in diesem Jahr wieder steigen werden. Das bringt die Volks- und Raiffeisenbanken im Land so langsam in Schwierigkeiten. Denn der Zinsüberschuss und damit die Hauptquelle für den Gewinn ist im vergangenen Jahr gesunken – während die anderen Kennziffern teilweise kräftig gestiegen sind.

Wie lange halten dies die Genossen aus? Bis jetzt noch einigermaßen gut, weil man zum einen bei den Verwaltungskosten noch gegensteuern kann. Und weil zweitens die Konjunktur noch gut läuft im Land. Firmen und Private haben so viele Kredite aufgenommen wie nie zuvor. Die Margen dafür sind wegen der Niedrigzinspolitik zwar niedrig – aber die Kreditausfälle wegen der guten Wirtschaftslage auch.

„Das Bankengeschäft ist schwieriger geworden“, räumt Glaser ein. Und dies hat nicht nur mit dem niedrigen Zins zu tun, wie der Blick auf die Konkurrenz der privaten Baken zeige – gemeint war hier wohl vor allem die übermächtige Deutsche Bank.

Solche Hinweise hört man regelmäßig auch bei den öffentlich-rechtlich organisierten Sparkassen. Sie zielen auf eine Forderung ab, mit der Sparkassen wie Volksbanken Seite an Seite in Brüssel zu Felde ziehen, um dort zu verdeutlichen, dass zwischen ihnen und den großen Privatbanken ein himmelweiter Unterschied ist – beim Geschäftsmodell, beim Risiko, bei der Frage, wer im Pleitefall haftet.

Die anfänglichen Pläne der EU, bei der Bankenregulierung nicht nach Größe zu unterscheiden, sind mittlerweile relativiert worden. Noch in den kommenden Wochen soll die „Small Banking Box“ in Brüssel verabschiedet werden. Sie zieht eine Grenze bei einer Bilanzsumme von 5 Mrd. €, unterhalb derer die bürokratischen Anforderungen niedriger sind. BWGV-Verbandsdirektorin Monika van Beek begrüßt dies ausdrücklich: „Die Definition kleiner, nicht komplexer Banken sehen wir sehr positiv.“

Bei einem weiteren Dauerbrenner sind die baden-württembergischen Volksbanken nicht so optimistisch. „Das Thema Einlagensicherung wird uns noch viel Jahre beschäftigen“, sagte Glaser gestern. Sein und der Sparkassen Widerstand dagegen ist ungebrochen. Sie wenden sich dagegen, dass europaweit eine einheitliche Sicherung der Kundeneinlagen aufgebaut wird. Dies bedeutet eine Vergemeinschaftung von Risiken – und im Endeffekt, dass deutsche Sparer für die Schieflage von beispielsweise italienischen Banken haften müssten.

Glasers Argumentationslinie dagegen ist glasklar: Zuerst müsste der beschlossene Krisenfonds von 55 Mrd. € aus den europäischen Ländern beziehungsweise Banken aufgefüllt werden. Doch dieser Verpflichtung sind bislang nur 14 Länder nachgekommen – „und die anderen 14 haben noch gar nichts gemacht.“

Die wichtigsten Kennzahlen


In Baden-Württemberg gab es Ende des vergangen Jahres (in Klammern jeweils die Zahlen des Vorjahres) 171 (180) Genossenschaftsbanken mit 21 934 Mitarbeitern; das sind 734 weniger als 2017. Bilanzsumme: 165,2 Mrd. € (158,1); Kredite 102,2 Mrd. € (96,3); Kundeneinlagen 125,6 Mrd. € (119,2) – darunter sind die Kredite an Unternehmen um 12, 8 Prozent auf 41,5 Mrd. € besonders stark gestiegen. Ertragsentwicklung: Zinsüberschuss 3,15 Mrd. € (3,35); Provisionsüberschuss 1,05 Mrd. € (1,01); Verwaltungskosten 2,65 Mrd. € (2,63); Ergebnis vor Risiko 1,2 Mrd. € (1,2); Ergebnis nach Risiko 0,83 Mrd. € (0,78); Jahresüberschuss 0,49 Mrd. € (0,38).