Kommentar Helmut Schneider zu den Warnungen der britischen Industrie Schmutziges Geschäft

Foto
Foto © Foto: Foto
Ulm / Helmut Schneider 12.01.2019

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Der Volksmund, der so spricht, legt zu hohe Ansprüche an das Verhalten von Politikern und misst sie mit moralischen Ansprüchen, denen nur wenige gerecht werden können. Politik ist vielmehr die Kunst des Machbaren. Daraus leitet sich die Notwendigkeit zum Kompromiss ebenso ab wie die Verantwortung für das Ganze.

Von beidem hat sich Großbritannien im erbitterten politischen Machtkampf um den Brexit in einem nicht für möglich gehaltenen Maße entfernt. Vier Tage vor der Abstimmung im Parlament warnt der britische Industrieverband vor dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chaos, den ein Austritt ohne Abkommen unweigerlich nach sich ziehen wird.

Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Appell an Vernunft und Verantwortung befolgt wird. Vor allem die Brexit-Fanatiker in der Partei von Premierministerin Theresa May geben ein erbärmliches Bild ab. Ihnen müsste doch wie jedem, der die Dinge ohne die Scheuklappen der puren Machtpolitik betrachtet, klar sein, was für das Land und weit darüber hinaus auf dem Spiel steht.

Die ganze ideologische Verbohrtheit ist umso erstaunlicher, weil die Tories eher als Partei der wirtschaftspolitischen Vernunft galt. Aus der Kunst des Machbaren wird allem Anschein eine Politik des schmutzigen Geschäfts.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel