Die Rohstoffpreise kennen derzeit kein Halten. Ob Kupfer, Platin, Eisenerz oder Zinn – die Preise vieler Industriemetalle steigen rasant. Ähnlich verhält es sich mit Agrargütern wie Mais oder Soja. Was große Rohstoffanbieter wie die Megakonzerne BHP oder Rio Tinto freut, stimmt Abnehmer und Konsumenten nachdenklich. Die Entwicklung sorgt für steigende Produktionskosten und Verbraucherpreise. Zumal ein Ende des Preisbooms nicht absehbar ist: Fachleute von großen US-Banken wie Citigroup oder JP Morgan sprechen bereits von einem neuen „Superzyklus“ am Rohstoffmarkt, einem anhaltenden Preisauftrieb.
Besonders deutlich sind die Rohstoffpreise zuletzt bei Metallen gestiegen. Der Preis von Kupfer, das aufgrund seiner vielseitigen Verwendung als Konjunkturbarometer gilt, hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt und rangiert auf dem höchsten Niveau seit etwa 9 Jahren. Das Edelmetall Platin, bekannt für seinen Einsatz in der Produktion von Autokatalysatoren, weist ähnlich starke Preiszuwächse auf. Auch der Preis von Eisenerz, aus dem Stahl gewonnen wird, ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen.

Minenbetreiber haben Förderung wegen der Corona-Pandemie reduziert

Die Gründe für den Preisboom sind vielfältig. So ist das Angebot vieler Rohstoffe relativ knapp. Das hat nicht nur mit dem anhaltend großen Rohstoffhunger der zweitgrößten Volkswirtschaft China zu tun, die seit langem einen erheblichen Teil des Angebots auf sich zieht. Auch haben viele Minenbetreiber ihre Förderung in der Corona-Krise zurückgefahren. Das hat dazu geführt, dass die Lagerbestände knapp geworden sind – zumal das Angebot im Rohstoffsektor typischerweise unflexibel ist und nicht rasch ausgeweitet werden kann.

Hoffnung auf Boom wegen Impfungen gegen Corona

Mindestens ebenso wichtig für den Preisanstieg ist die Nachfrage. Auch hier kommt der Pandemie eine tragende Rolle zu. So wird allgemein erwartet, dass die Konjunktur mit fortschreitenden Impfungen und weniger Beschränkungen anzieht. Hiervon dürfte auch die Nachfrage nach Rohstoffen profitieren, was sich bereits jetzt in steigenden Preisen spiegelt. „Hinzu kommt die immense Geldschwemme durch viele Staaten und Zentralbanken in der Corona-Krise“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Chefanalyst der Commerzbank. Dieser Kurs habe viel Geld in die Rohstoffmärkte gespült und die Preise zusätzlich befeuert.

Steigende Inflationsgefahr

Welche Konsequenzen könnte der neue Boom der Rohstoffpreise haben? Auf kürzere Sicht dürften steigende Rohstoffpreise den ohnehin erwarteten Inflationsanstieg zusätzlich befeuern. Die Analysten der Frankfurter Privatbank Metzler sprechen mit Verweis auf weitere preistreibende Faktoren von einem „Inflationscocktail“. Denn höhere Rohstoffpreise lassen auf Unternehmensebene die Produktionskosten steigen. Dies wiederum könnten Verbraucher zu spüren bekommen, wenn die Unternehmen die Steigerungen an die Konsumenten weitergeben.

Fachleute der US-Bank Citigroup sprechen von „Superzyklus“

Fachleute können sich vorstellen, dass der Preisboom längere Zeit anhält. Analysten um den Rohstofffachmann Max Layton von der großen US-Bank Citigroup sprechen bereits von einem neuen „Superzyklus“. Einen solchen hat es zuletzt Anfang des Jahrtausends gegeben – getragen vor allem durch den steilen wirtschaftlichen Aufstieg Chinas. Auch jetzt gibt es Gründe, die für weiter steigende Rohstoffpreise sprechen. Dazu gehören die immense Nachfrage aus aufstrebenden Ländern wie Indien oder die durch viele Industrieländer angestrebte Umstellung der Wirtschaft auf grüne Technologien, was ebenfalls viele Rohstoffe benötigt.

Steigende US-Zinsen setzen dem Goldpreis zu


So breit der Preisauftrieb erscheinen mag: Es gibt am Rohstoffmarkt Ausnahmen, die nicht von der Hoffnung auf eine Nach-Corona-Zeit profitieren. Dazu gehört das Edelmetall Gold, dessen Preisanstieg in den vergangenen Wochen erheblich ins Stocken geraten ist. Ein wichtiger Grund sind steigende Kapitalmarktzinsen in den USA, die dem zinslosen Gold ein Stück weit an Glanz nehmen. In dieselbe Richtung wirkt der zuletzt steigende US-Dollar, der das in der amerikanischen Währung gehandelte Edelmetall rechnerisch verteuert. dpa