Bosch Riesiges Sparpotenzial in der Gebäudetechnik

Die Bosch-Manger Christian Fischer (links) und Stefan Hartung.
Die Bosch-Manger Christian Fischer (links) und Stefan Hartung. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Stuttgart. / Alexander Bögelein 08.12.2018

Christian Fischer überragt alle Anwesenden auf der Pressekonferenz in der Bosch-Zentrale in Gerlingen. Der neue Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH hätte anhand seiner Körpergröße von zwei Metern plus X auch das Zeug, im Basketball Center zu spielen, also die Position zu bekleiden, die wichtige Punkte macht und das Team voranbringt. Doch der gebürtige Hamburger, promovierte Wirtschaftswissenschaftler und frühere Seniorpartner bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger hält sich zurück.

Seit Oktober ist er im Amt und seit mehr als 20 Jahren der erste externe Manager, der bei dem Hightech-Konzern direkt zum Geschäftsführer berufen worden ist. Journalisten-Fragen nach der künftigen Strategie des Bosch-Geschäftsbereichs Energie und Gebäudetechnik wehrt Fischer ab. „Ich bin so neu, dass es vermessen wäre, schon dezidierte programmatische Aussagen zur Zukunft zu machen“, sagt er und überlässt die Bühne weitgehend seinem Vorgänger Stefan Hartung, der von Januar an die Kfz-Sparte leiten wird. Deren bisheriger Chef Rolf Bulander geht in den Ruhestand.

Der Wechsel in die nach Umsatz (47 Mrd. €) und Mitarbeiter (232 000) größte Bosch-Sparte hindert Hartung aber nicht, ein flammendes Plädoyer für smarte Energie und Gebäudetechnik zu halten. Dessen Bedeutung und Marktpotenzial seien riesig. Im Jahr 2050 werden nach seinen Worten 6 Mrd. Menschen in urbanen Räumen wohnen – und damit 70 Prozent der Weltbevölkerung. „Die Städte verbrauchen schon heute 75 Prozent der Energie, allein auf die Gebäude entfallen 40 Prozent“, sagt Hartung. Zudem steige der weltweite Energieverbrauch bis zum Jahr 2035 um 30 Prozent. Damit zeichne sich ein weiterer Zuwachs des CO2-Ausstoßes ab. Daher seien vernetzte Lösungen zur effizienten Energienutzung ein Schlüssel für den Klimaschutz. Kluge technische Lösungen sorgen laut Hartung nicht nur für ein angenehmes Gebäudeklima, „sie sparen Kosten, Energie und damit auch CO2-Emissionen“. Weltweit sollen bis 2020 rund 230 Mio. Häuser intelligent vernetzt sein, bisher seien es nur 15 Prozent.

Allerdings diskutieren Experten seit Jahren darüber, ab wann Häuser als smart vernetzt gelten. Blickt man auf den Gebäudebestand, bewegt sich die Zahl nach Branchenbeobachtern im Promillebereich. Bei Neubauten von Ein- und Zweifamilienhäusern ist smarte Haustechnik weit verbreitet. Christian Fischer hat damit eine große Aufgabe vor sich. Mit einem Jahresumsatz von 5,5 Mrd. € (plus 2 Prozent) und 32 400 Mitarbeitern ist die Energie und Gebäudetechnik bisher der kleinste der vier Unternehmensbereiche der Robert Bosch GmbH.

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