Altersvorsorge Ostdeutsche Frauen haben die Männer in Sachen Rente überholt

Gundula Roßbach: Die Rente ist der wichtigste Pfeiler.
Gundula Roßbach: Die Rente ist der wichtigste Pfeiler. © Foto: Britta Pedersen/dpa
Würzburg / Dieter Keller 09.11.2018

Wer sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt, muss sich im Alter sehr bescheiden –diese Erkenntnis veranlasst die heute 40-Jährigen dazu, deutlich häufiger zusätzlich vorzusorgen als Ältere. Das zeigt eine repräsentative Untersuchung der Deutschen Rentenversicherung Bund, für die 9500 Bundesbürger zwischen 40 und 59 Jahren befragt und ihre Rentenkonten ausgewertet wurden. Besonders viele nutzen alle drei Säulen der Altersvorsorge, also auch die betriebliche und die private Vorsorge. Der wichtigster Pfeiler bleibt aber die gesetzliche Rente, berichtet die Renten-Präsidentin Gundula Roßbach.

Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland nehmen ab. Im Westen sorgen zwei Drittel der 46- bis 56-Jährigen zusätzlich vor. Bei 57- bis 61-Jährigen tun dies von den Frauen nur jede Dritte und von den Männern nur die Hälfte. Im Osten sorgen etwa 60 Prozent der jüngeren Frauen und Männer zusätzlich privat vor. Bei den Älteren sind es nur etwa halb so viele.

 Die Frauen holen auch bei den Ansprüchen auf eine gesetzliche Rente auf: Im Westen hinken junge Frauen den Männern nicht mehr so sehr hinterher wie die älteren. Im Osten haben die jungen Frauen mittlerweile sogar höhere Rentenansprüchen als die Männer. Roßbach führt das auf ihre gute Qualifikation und die Kindererziehungszeiten zurück.

Ansprüche nähern sich an

 Scheinbar niedrige Renten relativieren sich, wenn auch die Altersversorgung der Partnerin oder des Partners berücksichtigt wird. Im Osten tragen dazu sowohl die jüngeren als auch die älteren Frauen fast die Hälfte bei. Im Westen sind sie auf dem Weg dorthin: Da steuern die älteren nur ein Drittel bei, die jüngeren schon 41 Prozent.

 Die Studie bietet auch Munition für die Forderung, Selbständige zur Altersvorsorge zu verpflichten. Freiberufler wie Ärzte oder Rechtsanwälte, die heute schon obligatorisch in eigene Versorgungswerke einzahlen, haben im Schnitt sehr gut vorgesorgt. Ganz anders sieht es bei den „Sonstigen Selbständigen“ aus, die häufig solo ohne Mitarbeiter tätig sind: Da haben die Jungen kaum etwas fürs Alter getan. Diese Gruppe sei im Alter bereits jetzt deutlich häufiger auf Grundsicherung angewiesen als ehemalige Angestellte, sagt Roßbach.

 Schlecht sieht die Absicherung fürs Alter bei Menschen mit Migrationshintergrund aus: Jede fünfte Frau hat gar keine. Bei den Männern sorgen nur die wenigsten neben der gesetzlichen Rente zusätzlich vor.

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